Pakistan: „Das Land ist in den Händen der Taliban“

Warnung eines katholischen Priesters aus Faisalabad

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ROM, 23. Mai 2011 (ZENIT.org/Fidesdienst). – „Pakistan befindet sich heute in den Händen der Taliban. Sie gewinnen nach dem Tod von Bin Laden zunehmend Terrain und finden Zustimmung bei weiten Bevölkerungsteilen: Der einfache Bürger, ein durchschnittlicher pakistanischer Muslim, sind sehr zornig auf die Regierung, die Vereinigten Staaten und die Nato, und sie sehen deshalb die Aktionen der Taliban mit Wohlwollen“. Diese alarmierenden Worte äußerte P. Bonnie Mendes in einem Interview mit dem Fidesdienst am Rande der Generalversammlung von Caritas Internationalis in Rom, die am Sonntag begonnen hat.

Bonnie Mendes ist katholischer Priester aus Faisalabad und scheidender Leiter des Asienbüros von Caritas Internationalis. Pfarrer Mendes kommentierte im Gespräch mit dem Fidesdienst das Attentat in Karachi, wo bei einem Angriff auf eine Militärbasis, die 12 Stunden lang unter Beschuss genommen wurde, 11 Menschen starben. Mehrere Personen waren in Geiselhaft genommen worden. Es handelte sich um das dritte Attentat auf militärische Ziele in Pakistan innerhalb eines Monats und dies zeige, so P. Mendes, „dass die Talibangruppen nach dem Tod von Bin Laden nicht entmutigt oder verzagt sind. Im Gegenteil, sie wollen mit diesen Anschlägen ihre Stärke und den inneren Zusammenhalt unter Beweis stellen“.

Angesichts einer schwachen Regierung und mit Blick auf die Institutionen, die keinerlei Reaktion zeigen, „können die Taliban ihr Terrain in der Gesellschaft ausweiten. Die Bürger des Landes kritisieren die Haltung der Regierung gegenüber den USA und der Nato und im Hinblick auf die Intervention in Afghanistan und vertreten die Ansicht, dass die Strategie gescheitert sei. Unterdessen sucht das Land unter anderem auf geopolitischer und geostrategischer Ebene Verbündete in China und in Russland, was die Achse zu den USA in Frage stellen könnte“, so der Geistliche weiter.

In dieser delikaten Phase der pakistanischen Geschichte „fasst der Extremismus mehr und mehr Fuß, ohne dass es Kräfte gibt, die in der Lage sind, dem Einhalt zu gebieten“. Religiöse Minderheiten, darunter auch Christen, würden „zunichte gemacht oder zum Schweigen gebracht“, doch „in diesem Moment sind sie nicht einmal das Hauptziel und eher unbedeutend: denn dies sind derzeit Militärs, Regierungseinrichtungen und Büros der Nato“, so Pfarrer Mendes.


Es entstehe der Eindruck, so der Priester weiter, „als ob es nicht gelingen wird, den Taliban Einhalt zu gebieten, wenn die sie unter der Bevölkerung zunehmend auf Zustimmung stoßen. Man wird vielmehr versuchen müssen, einen Dialog mit ihnen auf den Weg zu bringen“.

 „Wir werden abwarten müssen, wie sich die Dinge entwickeln“, so Pfarrer Mendes abschließend, „während zahlreiche Beobachter sogar einen erneuten Putsch für möglich halten, der die Ordnung herstellen und das Chaos beenden soll“.