Pakistan: Gewalt gegen Minderheiten

Der Fall dreier entkleideter und gedemütigter christlicher Frauen erschüttert das Land

Rom, (ZENIT.org) | 278 klicks

Ein Fall von Gewalt gegen christliche Minderheiten entwickelte sich in Pakistan zu einem „politischen Fall“. In einem Dorf unweit von Pattoki im Distrikt Kasur (Provinz Punjab) wurden drei christliche Frauen geschlagen, entkleidet und gedemütigt. Wie Fides berichtete, handelte es sich dabei um einen von Muhammad Munir, dem Sohn eines muslimischen Großgrundbesitzers, verübten Racheakt. Er wollte einige christliche Bauernfamilien dafür bestrafen, mit ihren Herden fremdes Gebiet betreten zu haben.

Einen Monat später sorgt der Vorfall, der auf den 3. Juni zurückgeht, in der pakistanischen Öffentlichkeit unter Christen und Muslimen nun für großes Aufsehen und erhebt Kritik an der Regierung der „Pakistan Muslim League-N“, die sowohl in der Provinz Punjab als auch auf nationaler Ebene die Regierung stellt. Tatsächlich handelt es sich bei Munir, der für den Missbrauch an den Frauen verantwortlich ist, um den Sohn von Abdul Rasheed, einem bekannten Unterstützer der PML-N. Darüber hinaus verteidigt Rana Ishaq, PML-Abgeordneter in der Nationalversammlung, öffentlich Abdul Rasheed und seinen Sohn. Fides-Quellen im Punjab zufolge hätten die Opfer zwar Anklage gegen die Schuldigen erhoben, doch niemand von ihnen sei aufgrund des großen Einflusses verhaftet worden. Ferner hat Abdul Rasheed seinerseits einen „First Information Report“ gegen die Christen verfasst, um so Druck auf die Familie auszuüben und sie zu einer Zurücknahme der Anklage zu veranlassen.

In einem Fides zugesandten Kommuniqué denunziert die Organisation für die Verteidigung der Menschenrechte „Asian Human Rights Commission“ (AHRC) den Vorfall und fordert die Zivil- und Justizbehörden dazu auf, Maßnahmen gegen diesen „unmenschlichen Fall“ zu ergreifen. Die Muslimin Tahira Abdullah, eine für ihr Bemühen um den Schutz der religiösen Minderheiten bekannte Aktivistin erklärte Fides gegenüber Folgendes: „Es handelt sich um einen schwerwiegenden Fall. Für unsere Kultur und Tradition ist es das Schlimmste, was man einer Frau antun kann. Ich selbst würde lieber umgebracht werden, als eine derartige Demütigung und so tiefe Verletzung der persönlichen Würde erleiden zu müssen.“

Dem Fall der drei Frauen nahm sich auch der christliche Anwalt Mushtaq Gill, Direktor der Organisation „LEAD“ (Legal Evangelical Association Development) an. Diese Organisation leistete den Opfern Rechtsbeistand. Gill gab Fides bekannt, aus diesem Grund schweren Einschüchterungen bis hin zu Morddrohungen von Seiten der Militanten ausgesetzt worden zu sein. So sei er am 23. Juni von drei bewaffneten Männern festgehalten und bedroht worden, während sie in die Luft geschossen hätten. Joseph Francis, christlicher Pakistani und Gründer der NGO „CLAAS“ (Center for Legal Aid and Assistance Settlement) gab im Gespräch mit Fides folgende Stellungnahme ab: "Für christliche Familien ist es sehr schwierig, Recht zu bekommen, denn sie sind arm und christlich.“