Pakistan: Kirche ruft zur Bekämpfung von Ehrendelikten auf

Emeritierter Erzbischof von Lahore, Msgr. Lawrence Saldanha, äußert sich zum Mord an einer schwangeren Frau

Rom, (Fides) | 257 klicks

„Wir verurteilen den brutalen Mord an der schwangeren Farzana Parveen Bibi, die von ihren Angehörigen vor dem Gelände des Obersten Gerichts in Lahore zu Tode gesteinigt wurde. Ehrendelikte sind eine weit verbreitete Tradition in Pakistan, die bekämpft werden muss. Solche Praktiken haben in einer modernen demokratischen Gesellschaft, in der das Recht auf Leben eines jeden Menschen geachtet und geschützt werden muss, keinen Platz“. Mit diesen Worten verurteilte der emeritierte Erzbischof von Lahore, Lawrence Saldanha, den barbarischen Mord an einer pakistanischen Frau am vergangenen 27. Mai. Farzana wurde am helllichten Tag von rund 20 aufgebrachten Personen ermordet, da sie vor einigen Monaten gegen den Willen der Familie ihren Mann Mohammad Iqbal geheiratet hatte.

„Es ist schrecklich, dass Farzana Bibi von ihrem Vater und ihren Brüdern vor dem Hohen Gericht in Lahore ermordet werden konnte, ohne dass jemand eingriff: Nicht einmal die dort Dienst habenden Polizeibeamten haben ihr geholfen. Dass auch das Kind getötet wurde, dass sie in ihrem Leib trug, macht die Sache noch tragischer“, so Erzbischof Saldanha, der von 2001 bis 2011 die Justitia-et-Pax-Kommission der pakistanischen Bischöfe leitete. Die Kommission brachte eine Kampagne zur Bekämpfung von Ehrendelikten auf den Weg, die der Erzbischof unterstützt: „Wir müssen die Gesellschaft in Pakistan auf allen Ebenen aufklären, damit dieses soziale Übel ausgerottet wird: erst dann werden der Tod von Farzana und ihres ungeborenen Kindes nicht umsonst gewesen sein“. Nach Schätzungen wurden allein im Jahr 2013 etwa 900 Frauen von ihren Familien durch Ehrenmorde getötet.

Die Praxis ist vor allem in ländlichen Gebieten weit verbreitet, wo die Töchter von ihren Familien oft mit sehr viel älteren Männern zwangsverheiratet werden. Unterdessen ordnete Premierminister Nawaz Sharif Ermittlungen im jüngsten Fall an, die auch die Verantwortlichkeit der Polizeibeamten aufklären sollen. (PA)

(Quelle: Fides 30/5/2014)