Pakistan: Oberstes Gericht greift bei Übergriffen gegen Christen ein

Politiker und Religionsführer zeigen sich solidarisch

Rom, (ZENIT.org) | 940 klicks

Am gestrigen 11. März fanden vor dem Obersten Gericht in Pakistan erste Anhörungen zu den Übergriffen auf die „Joseph Colony“ in Lahore statt, wo 178 Wohnungen von christlichen Gläubigen in Brand gesteckt worden waren. Der Vorsitzende des Obersten Gerichts, Iftikhar Muhammad Chaudrhry, befasste sich persönlich mit dem Fall. Die Berichte zu den Übergriffen wurden vom Polizeichef der Provinz Punjab und vom Staatsanwalt der Provinz vorgelegt.

Unterdessen äußerten sich angesichts des wachsenden Drucks in der Öffentlichkeit auch Politiker und Religionsführer zu den Vorfällen. In einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt, fordert der Staatsekretär für Harmonie „transparente Untersuchungen“ und „die umgehende Festnahme der Schuldigen“. Dabei beklagt er „eine Mentalität, die zu einer Spaltung zwischen den verschiedenen Gemeinschaften in Pakistan führt“ und das Verhalten derjenigen, „die sich nicht an die Gesetze halten“.

Bhatti fordert „kollektive Bemühungen zur Förderung der Harmonie und Beendigung der Intoleranz“. Imran Khan, Vorsitzender der Partei „Pakistan Tahrik-e-Insaf“ verurteilte die Gewalt und betonte: „Wenn die Schuldigen des Massakers in Gojra (eine ähnliche Episode, zu der es vor einigen Jahren kam, Anm. d. Red.) der Justiz übergeben worden wären, hätte es die Übergriffen in Adami Bagh nicht gegeben.“ In Karachi nahmen Mitglieder des „Mutahida Quomi Movement“ an einer Menschenkette mit Christen teil, die gegen die Vorfälle protestieren und den Rücktritt der Regierung von Punjab forderten.

Wie Beobachter dem Fidesdienst berichten, äußerten sich auch Vertreter von 30 sunnitischen Kranschulen der Bewegung „Sunni Tehreek“ solidarisch mit den Christen. Die muslimischen Bewegungen „Jamat-e-Islami“ und „Jamiat Ulema-e-Islam“ unter Leitung von Razlur Rehman verurteilten die Vorkomnisse und betonten: „So etwas ist der islamischen Religion fremd.“

Gedenkstätte für Shahbaz Bhatti geschändet

Die Gedenkstätte von Shahbaz Bhatti, des Anfang März 2011 ermordeten Katholiken und Ministers für die religiösen Minderheiten in Pakistan, ist am 9. März am helllichten Tag an einer befahrenen Straße der pakistanischen Hauptstadt geschändet worden. Dies ereignete sich gleichzeitig mit der Bandstiftung in 178 Häusern von Christen in Lahore.

Das Bild Bhattis wurde mit Farbe besprüht und das Plakat zu seinen Ehren zerrissen. Die ständig erneuerten frischen Blumen und Kerzen, die die Gedenkstätte seit Bhattis Ermordung zierten, wurden entfernt.

Die Ermordung Shahbaz Bhattis war die Folge des Einsatzes für Asia Bibi, eine katholische Mutter, die seit dem Jahr 2009 wegen angeblicher Beleidigung des Islam im Gefängnis sitzt.

Bhatti hatte sich um eine Änderung des berüchtigten Anti-Blasphemiegesetzes bemüht, das zur Verurteilung Asia Bibis geführt hatte.

Der Bruder des Ermordeten, Paul Bhatti, der heute das Ministerium seines ermordeten Bruders leitet, verurteilte die Tat als Ausdruck eines „erschreckenden Hasses über den Tod hinaus“. Aber „auch solche Angriffe können nicht den Weg des Friedens und des Dialogs aufhalten, den mein Bruder begonnen hat.“