Pakistan: rund tausend christliche und hinduistische Mädchen jedes Jahr verschleppt und zwangsverheiratet

Bericht der "Bewegung für Solidarität und Frieden"

Rom, (Fides) | 327 klicks

Jedes Jahr werden in Pakistan rund eintausend Mädchen aus christlichen und hinduistischen Minderheiten verschleppt und zur Heirat mit Muslimen gezwungen. Wie aus einem Bericht hervorgeht, der von der „Bewegung für Solidarität und Frieden“ herausgegebenen wird, in der sich verschiedene Nichtregierungsorganisationen, Vereine und Einrichtungen zusammenschließen, darunter auch die „Justitia et Pax“-Kommission der pakistanischen Bischofskonferenz, werden ein weiteres Mal die bereits in den vergangenen Jahren vom Fidesdienst veröffentlichten Daten bestätigt: Nach Schätzungen handelt es sich dabei um 700 Mädchen aus christlichen Gemeinden und 300 Mädchen aus hinduistischen Gemeinden. Und das sind nur die Fälle, die offiziell gemeldet wurden: „Das tatsächliche Ausmaß des Problems ist wahrscheinlich viel größer, denn viele Fälle werden gar nicht bekannt”, heißt es in dem Bericht mit dem Titel: „Forced marriages and forced conversions in the Christian community of Pakistan“. 

Die Veröffentlichung dokumentiert Fälle von christlichen jungen Frauen, besonders in der Provinz Punjab, und von Frauen aus hinduistischen Gemeinden in der Provinz Sindh. Es handelt sich um Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren aus armen Familien und niederen Gesellschaftsschichten. Wenn die Familien Anzeige erstatten, dann werden sie dabei oft von den Sicherheitsbehörden abgewiesen oder von der Familie des künftigen Ehemanns bedroht. Kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, dann erklären die eingeschüchterten Mädchen oft, dass sie sich aus eigenem Willen bekehrt und geheiratet haben. „Wenn sie sich in den Händen der Entführer befinden, dann werden die Mädchen oft sexuell missbraucht und geschlagen oder sie werden Opfer von Menschenhandel“, heißt es in dem Bericht, der auch den historischen und sozialen Kontext des Phänomens beschreibt und im Namen der Christen, „die mangelnden rechtlichen und politischen Garantien zum Schutz der Menschenrechte für religiöse Minderheiten beklagt“.

Der Dominikanerpater James Channan, der das „Peace Center“ in Lahore leitet, erklärt gegenüber Fides: „Das Phänomen existiert. Es ist wirklich alarmierend und besorgniserregend für Christen und Hindus, die sich unsicher und angreifbar fühlen. Wir haben uns mit verschiedenen Fällen der Zwangsverheiratung befasst: die jungen Frauen kommen aus weniger wohlhabenden Schichten und oft sind es reiche Muslime die dies ausnutzen und sie missbrauchen. Ich habe den Eindruck, dass Christen und Hindus in Pakistan immer noch Opfer sozialer, religiöser und politischer Diskriminierung werden und dass dieses Phänomen zunimmt“. (PA)

(Quelle: Fides 9/4/2014)