Pakistan: Todesurteil gegen Sawan Masih eine "Fehlentscheidung der Justiz"

Verteidigung beantragt Berufungsverfahren

Rom, (ZENIT.org) | 244 klicks

In den kommenden Tagen soll beim Hohen Gericht in Lahore ein Berufungsverfahren für den am vergangenen 27. März wegen Blasphemie zum Tode verurteilten 26jährigen Christen Sawan Masih beantragt werden. Wie die Verteidigung mitteilt muss ein solcher Antrag innerhalb von sieben Tagen nach dem erstinstanzlichen Urteil eingereicht werden. Sawan Masih wurde auf der Grundlage falscher Anschuldigungen verurteilt: Bei einem Streitgespräch mit einem muslimischen Freund soll er am 8. März 2013 den Propheten Mohammed beleidigt haben.

Unterdessen warnt die Pakistanische Menschenrechtskommission (HRCP) vor „einer neuen Welle der Intoleranz“ und erinnert dabei an die Übergriffe auf den Journalisten Raza Rumi in Lahore und die Angriffe auf hinduistische Tempel in Sindh sowie das jüngste Todesurteil gegen Sawan Masih. „Während Sawan ein Jahr nach dem angeblichen Vorfall verurteilt wurde“, so die Nichtregierungsorganisation, „bleiben die Verantwortlichen des Massenüberfalls auf die christliche Joseph Colony in Lahore, zu dem es nach dieser Episode der angeblichen Blasphemie kam – bis heute unbestraft. Damit Episoden der Intoleranz verhindert werden können, darf es keine Straffreiheit für die Verantwortlichen geben”.

Auch die Pakistanische Volkspartei, die das Land derzeit regiert, bezeichnet das Todesurteil gegen Sawan Masih als „Fehlentscheidung der Justiz, die zu einer weiteren Ausgrenzung der Minderheiten führen wird“. Die Koordinatorin der Regierungspartei Nafisa Shah betont: „In diesem Fall werden die eigentlich Geschädigten vorgeführt: Es werden nicht diejenigen Verurteilt, die die Joseph Colony geschädigt haben, sondern die Richter verurteilen einen Mann, der fälschlicherweise angeklagt und dessen Fall instrumentalisiert wurde“. (PA)

(Quelle: Fides 1/4/2014)