Papadopoulos & Sons

Rezension zu griechischer Filmkomödie

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 384 klicks

Der britische Geschäftsmann griechischer Abstammung Harry Papadopoulos (Stephen Dillane) bekommt den Preis „Unternehmer des Jahres“ überreicht. Nicht schlecht für einen Einwanderer, der sich sprichwörtlich vom Tellerwäscher zum Millionär emporarbeitete. Inzwischen besitzt er eine riesige Villa und führt den Lebensstil der oberen Zehntausend. Das alles hat sich Harry allerdings nicht nur mit seiner Firma für griechische Spezialitäten „Papadopoulos & Söhne“ erarbeitet. Seit längerer Zeit ist er auch im Immobiliengeschäft tätig. Sein ältester Sohn James (Stephen Dillanes echter Sohn Frank) scheint von diesem Lebensstil nicht so ganz begeistert zu sein. Denn seine Leidenschaft gilt den Pflanzen, die er in seinem Zimmer versorgt, während er sein Jurastudium vernachlässigt. Seine 18-jährige Tochter Katie (Georgia Groome) interessiert sich eher für Kleidung und Jungs. Nur der siebenjährige Theo (Thomas Underhill) verfolgt eifrig die Bewegungen der internationalen Börsen mit seinem Laptop. Ganz glücklich ist Familie Papadopoulos dennoch nicht, denn Harrys Frau, die Mutter der drei Kinder, starb vor einigen Jahren. Haushälterin Mrs. Parrington (Selina Cadell) sorgt nicht nur für das leibliche Wohl der Familie. Sie holt auch einmal Harry wieder auf den Boden zurück, wenn dieser abzuheben droht.

Nun steht Harry Papadopoulos vor dem Geschäft seines Lebens: Mit einem Riesenkredit will er das gigantische Einkaufszentrum „Papadopoulos Plaza“ bauen. Grundstück, Genehmigungen, Planungen ... alles ist bereits da, so dass mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Ausgerechnet in diesem Augenblick bricht jedoch die Finanzkrise aus, und die Bank geht pleite, die einen Großteil der Kredite vergeben hatte. Nun fordern die Schuldner alle Garantien zurück, so dass Harry alles verliert. Das Einzige, was nicht verpfändet werden kann, ist ein ehemaliges Fish&Chips-Restaurant in einer heruntergekommenen Gegend Londons, weil es zur Hälfte seinem Bruder Spiros (Georges Corraface) gehört, mit dem Harry aber vor Jahren jeden Kontakt abbrach. Nun versucht Harry, das Schnellrestaurant so schnell wie möglich zu verkaufen, aber Spiros will den Laden wieder eröffnen. Denn erst wenn das Restaurant wieder läuft, lässt es sich gewinnbringend verkaufen. So muss Harry zähneknirschend dorthin zurück, wo er vor vielen Jahren einmal anfing. Der „Unternehmer des Jahres“ versucht, den Neuanfang als Herausforderung zu begreifen – auch mit Hilfe der Unternehmensberaterin Sophie (Cosima Shaw).

Kommentar

Für sein Spielfilmdebüt hat Drehbuchautor und Regisseur Marcus Markou ein Ambiente ausgewählt, das er gut kennt. Denn Markous Vater kam 1962 nach Großbritannien aus einem griechisch-zypriotischen Dorf. Der Regisseur wuchs in einer „eng verwobenen griechischen Gemeinde“ in Birmingham auf. Zu dem Werdegang seines Vaters, der offensichtlich der Geschichte von „Papadopoulos & Söhne“ Pate gestanden hat, führt Marcus Markou aus: „Er baute ein erfolgreiches Leben für sich in Großbritannien und für seine Familie in Zypern auf. Bemerkenswert. Allerdings ging etwas auf dem Weg verloren. Fortschritt hat immer seinen Preis. Und das wollte ich in „Papadopoulos & Söhne“ entdecken.“ Vieles an „Papadopoulos & Söhne“ wirkt klischeehaft – vom ältesten Sohn, der statt das Imperium seines Vaters beerben zu wollen, sich lieber mit ganz anderen Dingen beschäftigt, über die Auseinandersetzungen mit dem Besitzer der türkischen Dönerbude in unmittelbarer Nachbarschaft und das Anbandeln zwischen dessen Sohn Mehmet (Caesare Taurasi) und Harrys Tochter Katie bis hin zum Wieder-Bewusstwerden der griechischen Wurzeln in der Notlage. Vieles ist zwar an Markous Komödie ebenso voraussehbar wie klischeehaft. Der Regisseur jongliert aber gekonnt mit den Klischees. Schwerer wiegt es freilich, dass der Drehbuchautor und Regisseur zum Schluss alles auflösen zu wollen scheint, ohne der Vorstellungskraft des Zuschauers kaum Raum zu lassen.

Dennoch: Marcus Markou hat einen (selbst)ironischen Ton getroffen, der in der verspielten Anmutung, etwa wie die Notlösung zur Hauptsache wird, teilweise an Woody Allens „Schmalspurganoven“ („Small Time Crooks“, 2000) denken lässt, in dem eine zur Tarnung eines Bankeinbruchs geöffnete Bäckerei zum Trendladen wird. Spielerisch vermittelt denn auch „Papadopoulos & Söhne“ die altbekannte Botschaft, dass Geld nicht glücklich macht und dass eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln eine ungeahnte Chance bietet.

Einen bedeutenden Beitrag zum angenehmen Gesamteindruck von Markous Film leisten die einnehmenden Figuren. So gewinnt der von Stephen Dillane verkörperte Harry, der sich vom steifen Geschäftsmann zum liebevollen Familienvater und ungezwungenen Ladenbesitzer entwickelt, die Sympathie des Zuschauers. Der Regisseur lässt sich aber auch genügend Zeit, unter die Oberfläche der Figuren zu schauen. „Papadopoulos & Söhne“ konzentriert sich insbesondere auf das nicht immer konfliktfreie Verhältnis zwischen den Brüdern Harry und Spiros. Besonders berührend wirkt dabei eine Szene, in der der ältere Bruder den jüngeren um Verzeihung bittet. Die durch das Erinnern an das gemeinsame vergangene Leben auf unaufdringliche Weise inszenierte Versöhnung unter Brüdern verleiht Markous Komödie besonderen Tiefgang. 

Regie: Marcus Markou; Darsteller: Stephan Dillane, Cosima Shaw, Georges Corraface, Frank Dillane, Georgia Groome; Land, Jahr: Großbritannien 2012; Laufzeit: 109 Minuten; Genre: Komödien/Liebeskomödien; Publikum: ab 12 Jahren