Papst ändert Programm seines Aufenthaltes

Erste Variationen im Ablauf

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 676 klicks

Kurz vor Antritt seiner Reise nach Brasilien hat Papst Franziskus erste Änderungen im Ablauf des Programms während seines Aufenthaltes in Rio de Janeiro vorgenommen. So wird er direkt nach seiner Landung nicht die Führungspersönlichkeiten des Landes treffen — wie seit Mai vorgesehen —, sondern wird die Menschen, die ihn entlang der Straßen willkommen heißen, begrüßen. Das Treffen mit der Präsidentin Dilma Rousseff und dem Gouverneur von Rio de Janeiro wird später im Palast Guanabara stattfinden. Den Weg dorthin (ca. 8 Kilometer) wird Papst Franziskus in einem offenen Wagen zurücklegen, um so leichter mit den jungen Menschen in Kontakt treten zu können.

Die brasilianische Presse spricht von einer Überraschung, jedoch war dieser Ablauf bereits in der offiziellen Agenda als mögliche Programmänderung vorgesehen. Überdies kommen kurzfristige Entscheidungen von Papst Franziskus häufig vor, und sein Mitarbeiterstab ist darauf vorbereitet. Die Sorge um die Unversehrtheit des Papstes ist dabei immer oberste Priorität, und der Wunsch, sich in einem ungesicherten, offenen Jeep in einer Stadt fortzubewegen, die unteranderem auch wegen ihrer Kriminalität bekannt ist, vereinfacht die Situation nicht. So waren die Organisatoren in Rio de Janeiro von der Programmänderung des Papstes nicht sonderlich angetan und ließen indirekt verlauten, dass sie keine Verantwortung für die  Entscheidungen des Papstes übernehmen würden.

Der Vatikan kommentierte die Entscheidung des Heiligen Vaters mit den Worten, Bergoglio habe sein Leben unter den Armen verbracht und werde zu ihnen nicht in einem kugelsicheren Fahrzeug zurückkehren. Alle Versuche, ihn zu überzeugen, die Sicherheitsvorkehrungen auch wegen der vergangenen Unruhen nicht zu verringern, seien fehlgeschlagen.

Wieder einmal zeigt sich, dass der Kontakt mit den Menschen für Papst Franziskus oberste Priorität hat. Mit solchen Gesten will er den Pilgern aus allen Teilen der Erde deutlich machen, dass der Papst da ist, dass er unter ihnen und einer von ihnen ist. Um diese Botschaft zu vermitteln, setzt sich der Pontifex auch über Sicherheitsvorkehrungen hinweg. In Brasilien wurden inzwischen alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, insbesondere am berühmten Strand der Copacabana, wo drei der fünf wichtigsten Ereignisse des Weltjugendtages stattfinden werden – die Eröffnungsmesse, das Willkommensfest für den Papst und die Via Crucis – und wo gestern der Pressesaal für 5.000 Journalisten eröffnet wurde.

Vor Ort werden etwa 20.000 Polizisten und Militärs für die Sicherheit der Pilger sorgen. Hinzu kommen Militärhubschrauber und eine Vielzahl Schützen, die auf den höchsten Punkten situiert sind, um eine größtmögliche Sicherheit der Anwesenden zu garantieren.

Eines der am meisten kontrollierten Gebiete ist der Bereich um Guaratiba, wo am 27. und 28. Juli die Hauptereignisse des Weltjugendtages stattfinden werden: die Gebetswache und die Abschlussmesse. Um den Campus Fidei wurden über vier Kilometer Barrieren errichtet, die von 7.000 Mitgliedern der Militärpolizei bewacht werden. In den Tagen zuvor werden sie die vier in etwa 15 Kilometern entfernt liegenden gefährlichsten Favelas im Osten der Stadt, besetzen.

Die Sicherheit des Papstes zu gewährleisten  ist kein leichtes Unterfangen für die Organisatoren, denn hinzu kommt die Sorge vor den unlängst stattgefunden, zum Teil von Gewalt geprägten Demonstrationen gegen die Politik des Landes. Der Heilige Stuhl sprach sein vollstes Vertrauen in die brasilianischen Autoritäten aus, auch weil die Proteste nicht im Geringsten den Papst oder die Kirche betreffen. Ein Plakat am Flughafen von Rio de Janeiro bringt die eigentliche Grundstimmung aller Beteiligten auf den Punkt: Eine junge Frau ahmt die Pose des „Cristo Redentor“ nach mit dem Schriftzug: „Wir erwarten dich mit offenen Armen.“