Papst beantwortet Fragen im Fernsehen

Sendung am Karfreitag

| 1927 klicks

ROM, Freitag, 22. April 2011 (ZENIT.org/Radio Vatikan). – Papst Benedikt hat als erster Papst in der Geschichte in einer Sendung des italienischen Fernsehsenders „RAI Uno“ auf Fragen von Zuschauern aus aller Welt geantwortet.

Die Frage eines vom Erdbeben betroffenen  Mädchens aus Japan beantwortete er nach einem Bericht von Radio Vatikan so:

„Auch ich frage mich genauso: Wieso ist das so? Wieso müsst ihr so viel leiden, während es anderen Menschen gut geht? Wir haben keine Antwort, aber wir wissen, dass auch Jesus wie ihr unschuldig gelitten hat und dass der wahre Gott, der sich in Jesus gezeigt hat, auf eurer Seite ist. Das scheint mir sehr wichtig zu sein, auch wenn wir keine Antworten haben, auch wenn die Traurigkeit bleibt: Gott ist bei euch, und das zu wissen, wird euch helfen.“

Die Mutter eines Kindes, das seit zwei Jahren im vegetativen Koma liegt, tröstete er mit dem Hinweis auf die unsterbliche Seele des Kindes:

„Man kann das mit einer Gitarre vergleichen, deren Saiten gerissen sind, so dass man nicht auf ihr spielen kann. Genauso fragil und verletzlich ist das Instrument des Körpers, und die Seele kann sozusagen nicht auf ihm spielen, aber sie bleibt doch präsent.“

An einen Christen aus dem Irak gerichtet sagte er:

„Ich möchte vor allem aus ganzem Herzen alle Christen des Iraks grüßen: Ich bete jeden Tag für sie. Sie sind unsere leidenden Brüder, wie es sie auch in anderen Weltgegenden gibt, und wir müssen unser Möglichstes tun, damit sie im Land bleiben und der Versuchung zur Auswanderung widerstehen können, so verständlich diese Versuchung auch ist angesichts ihrer Lebensbedingungen. Wir sind euch nahe, liebe Brüder im Irak, wir wollen euch helfen – auch wenn ihr zu uns kommt, wollen wir euch wirklich als Brüder aufnehmen!“

Er sehe im Irak das Problem, dass sich die Menschen dort noch nicht wirklich „als einheitliches Volk mit gemeinsamer Geschichte“ sehen, „mit einem Platz für jeden“. Ähnlich sei das auch an der Elfenbeinküste, meinte er als Antwort auf die Frage einer Muslimin aus dem afrikanischen Land: Mit Gewalt lasse sich kein Staat formen, „selbst wenn ihr glaubt, recht zu haben“.

„Als Gott auf die Erde kam, hätte man erwarten können, dass er ein mächtiger Mensch sein würde, der die Gegner niederwirft. Aber nichts davon: Er kam in Schwachheit, nur mit der Kraft der Liebe, ganz ohne Gewalt bis hin zum Kreuz. Und das zeigt uns das wahre Gesicht Gottes: dass die Gewalt nie von Gott kommt und nie zu Gutem führt, sondern nur zerstört und nicht den Weg zeigt, um aus Schwierigkeiten herauszukommen.“

Seine Antwort zu einer Frage nach der Rolle Mariens in der Kirche lautete:

„Die Menschheit und die Christenheit haben immer mehr im Lauf der Zeit verstanden, dass Maria ihre Mutter ist und dass sie mit allem zu ihr kommen können. Einige, die Schwierigkeiten haben, sich Jesus in seiner Größe als Gottessohn anzuvertrauen, haben sogar die Erfahrung gemacht, dass ihnen das bei Maria ohne Schwierigkeiten gelingt. Da mag mancher sagen: Aber das hat doch kein biblisches Fundament! Darauf antworte ich mit dem heiligen Gregor dem Großen: Mit dem Gelesenwerden wachsen die Worte der Heiligen Schrift. Das heißt: Sie entwickeln sich in die Wirklichkeit hinein und wachsen immer mehr in der Geschichte.“