Papst begrüßt neue Gardisten der Schweizergarde

Empfang für neu vereidigte Rekruten und deren Familien

| 872 klicks

VATIKANSTADT, 7. Mai 2012 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. empfing am Vormittag in der „Sala Clementina“ des Apostolischen Palastes die neu vereidigten Rekruten der Schweizergarde und deren Familien. In seiner mehrsprachigen Rede wies er auf das Privileg hin, für einige Jahre im „Herzen der Christenheit“ zu arbeiten und die Erfahrung der Weltkirche machen zu dürfen. Die Aufgaben, die die Schweizergarde erfüllten, seien ein unmittelbarer Dienst am Heiligen Vater und dem Apostolischen Stuhl. Der Papst erinnerte an den 6. Mai 1527, an dem beim „Sacco di Roma“ (Plünderung Roms durch Karl V.) zahlreiche Vorgänger der heutigen Gardisten auf heroische Weise ihr Leben geopfert hätten.

Damals starben 147 von den 189 Schweizergardisten bei der Verteidigung von Papst Clemens VII.

Dieser Dienst fordere damals wie heute Festigkeit im katholischen Glauben, Treue und Liebe zur Kirche Jesu Christi, Gewissenhaftigkeit und Ausdauer in den kleinen wie in den großen täglichen Aufgaben, Mut und Demut, Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft, so der Papst.

Am Sonntag waren 26 neue Rekruten, 16 Deutschschweizer und jeweils 5 Gardisten aus den französisch- und italienischsprachigen Kantonen vereidigt worden.

Insgesamt nahmen rund 3.000 Gäste aus der Schweiz und der römischen Kurie an der Vereidigung teil. Die Vereidigung findet jedes Jahr am Jahrestag des Sacco di Roma statt.

Die zurzeit rund 110 Mann zählende Schweizergarde bewacht die Päpste und ihren Palast seit 1506. [jb]

[Wir dokumentieren den deutschsprachigen Teil der Ansprache des Heiligen Vaters im Wortlaut:]

***

Sehr geehrter Herr Kommandant, hochwürdiger Herr Gardekaplan, meine Herren Offiziere, liebe Schweizergardisten, verehrte Gäste, liebe Brüder und Schwestern!

Sehr herzlich begrüße ich Sie alle. Insbesondere heiße ich die Rekruten willkommen, heute im Kreis ihrer Eltern, Verwandten und Freunde. Ebenso grüße ich die offiziellen Repräsentanten aus der Schweiz, die zu diesem frohen Anlass gekommen sind. Ihr, liebe Gardisten, habt das Privileg, für einige Jahre im Herzen der Christenheit zu arbeiten und in der Ewigen Stadt zu leben. Eure Familienangehörigen und alle, die diese Festtage mit euch verbringen, haben die Teilnahme an der Feier der Vereidigung mit einer Wallfahrt zu den Gräbern der Apostel verbunden. Allen wünsche ich, dass sie hier in Rom die einzigartige Erfahrung der Universalität der Kirche machen und den Glauben stärken und vertiefen, vor allem in den Momenten des Gebets und in den Begegnungen, die diese Tage prägen.

Die Aufgaben, welche die Schweizergarde erfüllt, sind ein unmittelbarer Dienst am Heiligen Vater und am Apostolischen Stuhl. Die Tatsache, dass sich junge Menschen dazu entschließen, einige Jahre ihres Lebens ganz dem Nachfolger Petri und seinen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen, ist deshalb sehr zu schätzen. Eure Arbeit steht in der Linie einer unbestrittenen Treue zum Papst, die sich anlässlich des „Sacco di Roma" des Jahres 1527 heroisch erwiesen hat, als am 6. Mai eure Vorgänger ihr Leben opferten. Der besondere Dienst der Schweizergarde konnte damals und kann heute nicht erfüllt werden ohne jene Eigenschaften, die jedes Mitglied des Corps auszeichnen: Festigkeit im katholischen Glauben, Treue und Liebe zur Kirche Jesu Christi, Gewissenhaftigkeit und Ausdauer in den kleinen wie in den großen täglichen Aufgaben, Mut und Demut, Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. Von diesen Tugenden muss euer Herz erfüllt sein, wenn ihr den Ehren- und Sicherheitsdienst im Vatikan leistet.

[© 2012 Libreria Editrice Vaticana]