Papst Benedikt am Grab des heiligen Augustinus: Der Schüler begegnet seinem Meister

„Die Liebe ist die Seele des Lebens der Kirche und ihrer pastoralen Tätigkeit“

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PAVIA, 23. April 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. pilgerte am Sonntagabend zur Urne mit den sterblichern Überresten des heiligen Augustinus, vor der er eine Votivkerze entzündete. In der Basilika San Pietro in Ciel d’Oro in Pavia stand der Papst der Feier der Vesperliturgie vor. Das Gebet vor den Reliquien des wichtigsten geistigen und geistlichen Bezugspunktes des Papstes stellte den Höhepunkt seiner zweitätigen Pastoralreise in die Lombardei dar. Benedikt XVI. empfahl die Gestalt des Heiligen aus Afrika, dessen Reliquien seit dem 8. Jahrhundert in Pavia verehrt werden, als Modell für den Christen von heute.



In seiner Predigt bekräftigte der Papst den Charakter seiner Reise nach Pavia als einer Pilgerreise zu den sterblichen Überresten des heiligen Augustinus: Er wolle vor ihnen beten und die Ehrerbietung der ganzen katholischen Kirche sowie seine persönliche Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber einem ihrer größten Lehrer zum Ausdruck bringen, der an seinem Leben als Theologe, Hirt und Priester einen großen Anteil habe.

Vor dem Grab des „Doctor Gratiae“ wollte Benedikt XVI. eine wichtige Botschaft für den Weg der Kirche lancieren, die sich aus dem Wort Gottes und der persönlichen Gestalt des Bischofs von Hippo ergebe.

Der heilige Augustinus habe den Blick fest auf das Geheimnis der Erlösung gerichtet und in ihm die Wahrheit gefunden, die er so lange suchte: „Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, das geopferte und auferstandene Lamm, ist die Offenbarung des Antlitzes Gottes, der die Liebe ist – für jeden Menschen, der auf den Wegen der Zeit hin zur Unendlichkeit unterwegs ist.“

Die Botschaft von Gott-Liebe ist nach Worten Benedikts XVI. der zentrale Kern des Christentums. „Das Licht dieser Liebe hat die Augen des heiligen Augustinus geöffnet; es hat ihm die ‚alte und immer neue Schönheit‘ (Bekenntnisse X, 27) begegnen lassen, in der allein das Herz des Menschen Frieden findet.“

Vor dem Grab des heiligen Augustinus, so der Papst, „möchte ich der Kirche im ideellen Sinne erneut meine erste Enzyklika übergeben, die gerade diese zentrale Botschaft des Evangeliums enthält: Deus caritas est, Gott ist die Liebe.“

Der Papst erklärte, dass seine Enzyklika vor allem im ersten Teil weitgehend dem Denken des heiligen Augustinus verpflichtet sei, „der in die Liebe Gottes verliebt war, die er in all seinen Werken besang, meditierte, predigte und vor allem in seinem pastoralen Dienst bezeugte.“

Benedikt XVI. zeigte sich davon überzeugt, dass die Menschheit von heute diese wesentliche Botschaft benötigt, die in Jesus Christus Fleisch angenommen hat: „Gott ist Liebe. Alles muss von dort seinen Ausgang nehmen, und alles muss dorthin führen: jede pastorale Tätigkeit, jede theologische Abhandlung.“

Dies also sei die Botschaft, die der heilige Augustinus an die ganze Kirche richte: „Die Liebe ist die Seele des Lebens der Kirche und ihrer pastoralen Tätigkeit.“ Der Heilige Vater rief deshalb die Kirche dazu auf, in den Spuren des heiligen Augustinus zu wandeln und eine Kirche zu sein, die freimütig die Botschaft Christi vom Leben, von der Vergebung und der Versöhnung verkündet.