Papst Benedikt an G8-Gipfel: Krise ist keine Ausrede für Hilfestopp

Reformen angesichts aktueller Wirtschaftskrise erfordern ethische Werte

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ROM, 6. Juli 2009 (ZENIT.org).- Wenige Tage vor dem G8-Gipfel in Italien sind die Erwartungen an das Treffen der großen Weltwirtschaftsnationen noch einmal hochgeschraubt worden. Papst Benedikt XVI. mahnte die Teilnehmer, für nachhaltigen Fortschritt zu sorgen und die Hilfe für arme Länder in der Weltwirtschaftskrise zu verstärken. Die Krise dürfe nicht als Ausrede für einen Hilfestopp benützt werden, so der Papst.

Der Papst legte seine Forderungen in einem Brief an den italienischen Premierminister Silvio Berlusconi dar. Das Gipfeltreffen in der mittelitalienischen Stadt L'Aquila, die im April von einem schweren Erdbeben verwüstet wurde, ist dreigeteilt: Am Mittwoch bleiben die Staats- und Regierungschefs der G8 - also die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Russland - noch unter sich. Im Mittelpunkt ihrer Beratungen wird die Diskussion über die internationalen Krisenherde stehen, allen voran das weitere Vorgehen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe. US-Präsident Barack Obama, der direkt vom USA-Russland-Gipfel aus Moskau in die Abruzzen kommr, wird zum ersten Mal an einem G8-Gipfel teilnehmen.

Papst Benedikt XVI. mahnt die Politiker in seinem Schreiben, für einen nachhaltigen Fortschritt zu sorgen. Er verwiest auf seine morgen erscheinende Sozialenzyklika „Caritas in Veritate - Liebe in der Wahrheit“ und bekräftigt, dass sich die Maßnahmen zur Überwindung der aktuellen Wirtschaftskrise an ethischen Maßstäben orientieren müssten. In dem Brief erinnert der Papst die Teilnehmer des G8-Gipfels nachdrücklich an ihre Verpflichtungen gegenüber den armen Ländern der Welt.

Die Industriestaaten sollten sich bemühen, Arbeitsplätze zu schaffen, allgemeinen Zugang zu Bildung zu garantieren und die von den Vereinten Nationen aufgestellten sozialen Millenniums-Entwicklungsziele bis 2015 zu verwirklichen. Zu ihnen gehört die Halbierung der weltweiten Armut.

Die Weltwirtschaftskrise habe seit 2008 "das Finanz- und Wirtschaftssystem des ganzen Planten erfasst, und das weltweite Panorama lässt befürchten, dass nicht nur die Hoffnung auf eine baldige Beendigung extremer Armut beeinträchtigt ist, sondern dass Völker, die bisher zumindest ein Minimum an Wohlstand besessen haben, nun ins Elend abrutschen werden". Es gelte, die Hilfe zu intensivieren. Außerdem müssten Kredite zur Verfügung gestellt werden, um die Bedürfnisse der Wirtschaft und der privaten Haushalte besonders in den armen Ländern decken zu können, fordert der Papst.

Die Übernahme von Verpflichtungen sei eine Angelegenheit der ganzen internationalen Gemeinschaft, bekräftigt Benedikt XVI., besonders der UNO, in der jedes Land unabhängig von Größe und Einkommen eine Stimme habe.