Papst Benedikt: Die 40-tägige Bußzeit fördert das "Leben in der Wahrheit"

Generalaudienz am Aschermittwoch

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ROM, 1. März 2006 (ZENIT.org).- Am ersten Tag der 40-tägigen Vorbereitungszeit auf das Osterfest erklärte Benedikt XVI. in einer längeren Ansprache, was die Fastenzeit für den Christen bedeutet.



"Die Fastenzeit möchte uns vor allem dazu einladen, mit Christus jene vierzig Tage von neuem zu erleben, die er betend und fastend in der Wüste verbracht hat, bevor er sein öffentliches Wirken begonnen hat", sagte der Papst vor Tausenden von Pilgern, die an der Generalaudienz auf dem Petersplatz teilgenommen hatten. "Mit allen Christen der Welt treten wir auch heute einen Weg der Reflexion und des Gebetes an, um uns im Geiste zum Kalvarienberg zu begeben, indem wir die zentralen Geheimnisse des Glaubens betrachten. Auf diese Weise bereiten wir uns darauf vor, nach dem Geheimnis des Kreuzes die Osterfreude der Auferstehung zu erfahren."

Die Formel "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst" (vgl. Gen 3,19), die bei der Auflegung des Aschenkreuzes auf die Stirn des Gläubigen gesprochen wird, wolle dem Menschen daran erinnern, dass er vergänglich ist und Grenzen hat. Dieses Bewusstsein sollte "uns dazu führen, allein Gott zu vertrauen". Die zweite Formel des Aschenritus am Aschermittwoch: "Kehrt um, und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15), sei eine Aufforderung, "unerschütterlich und vertrauensvoll am Evangelium festzuhalten und darauf die persönliche und gemeinschaftliche Erneuerung zu gründen".

In diesem Zusammenhang erinnerte Benedikt XVI. die Gläubigen daran, dass das Leben des Christen mehr als alles andere ein "Glaubensleben" ist, dessen Kraft und Nahrung aus dem Wort Gottes kommt.

"In den Prüfungen des Lebens und in jeder Versuchung besteht das Geheimnis des Sieges darin, das Wort der Wahrheit zu hören und die Lüge des Bösen entschieden zurückzuweisen. Das ist das echte und zentrale Programm der Fastenzeit: das Wort der Wahrheit zu hören, in der Wahrheit zu leben, die Wahrheit zu sagen und zu tun sowie die Lüge, die die Menschlichkeit vergiftet und das Eingangstor für jedes Übel ist, von sich zu weisen."

In diesem Sinn rief der Heilige Vater dazu auf, "in diesen vierzig Tagen wieder das Evangelium zu hören, das Wort des Herrn, das Wort der Wahrheit, damit in jedem Christen – in jedem von uns – das Bewusstsein für die Wahrheit, die ihm gegeben worden ist – die uns gegeben worden ist –, gestärkt wird, um in der Wahrheit zu leben und ihre Zeugen zu sein". Die Fastenzeit sei eine vorzügliche Gelegenheit, Gott im eigenen Leben wieder neu Raum zu geben und zuzulassen, "dass das Wort Gottes unser Leben durchdringt und dass wir auf diese Weise die fundamentale Wahrheit kennen lernen: wer wir sind, woher wir kommen, wohin wir gehen müssen, welcher der Weg ist, den man im Leben nehmen soll. Auf diese Weise bietet uns die Fastenzeit einen asketischen und liturgischen Weg an, der uns hilft, die Augen für unsere eigenen Schwächen und das Herz für die barmherzige Liebe Christi zu öffnen."