Papst Benedikt ermahnt alle, sich der Einwanderer anzunehmen

Migrationen als Gelegenheit zu einer Begegnung der Kulturen

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ROM, 19. Januar 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, zum Angelusgebet gehalten hat.

Am Welttag der Migranten und Flüchtlinge verwies der Heilige Vater auf das leuchtende Vorbild des heiligen Paulus (vgl. auch die entsprechende Papstbotschaft) und appellierte an die Christen, die Botschaft der Liebe Christi besonders jenen zu vermitteln, die Jesus noch nicht kennten, in schwierigen Verhältnissen lebten oder unglücklich seien.

Mit Blick auf die Gebetswoche für die Einheit der Christen betonte Benedikt XVI.: „Wir wollen den Herrn mit all unseren Kräften darum bitten, dass er uns hilft, die Trennungen zu überwinden, und uns die Einheit der Kirche schenkt als Zeugnis vor der Welt, damit sie glauben kann an Jesus Christus, als den Herrn der einen Kirche.“ 

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute begehen wir den Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Da in diesem Jahr das Paulusjahr gefeiert wird, habe ich an den heiligen Paulus als großen Wandermissionar des Evangeliums gedacht und so das Thema gewählt: „Der heilige Paulus Migrant ‚Völker-Apostel‘“. Saulus – dies ist sein jüdischer Name – wurde in einer Familie von Juden geboren, die nach Tarsus, einer wichtigen Stadt Ziliziens, ausgewandert waren, und wuchs in einer dreifachen Kultur – der jüdischen, hellenistischen und römischen – und mit einer kosmopolitischen Mentalität auf. Nachdem er sich vom Verfolger der Christen zum Apostel des Evangeliums bekehrt hatte, wurde Paulus zum Botschafter des auferstandenen Christus, um ihn allen Menschen bekannt zu machen – in der Überzeugung, dass in ihm alle Völker dazu berufen sind, die große Familie der Kinder Gottes zu bilden.

Dies ist auch die Aufgabe der Kirche, mehr denn je in dieser unserer Zeit der Globalisierung. Als Christen müssen wir das Bedürfnis wahrnehmen, die Botschaft der Liebe Christi besonders an jene weiterzugeben, die ihn nicht kennen oder sich in schwierigen und unglücklichen Lebenslagen befinden. Heute denke ich insbesondere an die Migranten. Ihre Lebenswirklichkeit ist gewiss unterschiedlich: In einigen Fällen können sie – Gott sei Dank – in Ruhe leben und sind gut integriert; andere Male ist ihre Lage leider beklagenswert, schwierig und manchmal sogar dramatisch. Ich möchte allen versichern, dass die Gemeinschaft der Christen jeden einzelnen und jede Familie aufmerksam im Blick behält und dass sie den heiligen Paulus bittet, er möge ihr neuen Schwung verleihen, um überall auf der Welt das friedliche Zusammenleben von Männern und Frauen unterschiedlicher Ethnien, Kulturen und Religionen zu begünstigen. Der Apostel sagt uns, worin das Geheimnis seines neuen Lebens bestanden hat: „Auch ich“ – so schreibt er – „bin von Christus Jesus ergriffen worden“ (Phil 3,12). Und er fügt hinzu: „Ahmt auch ihr mich nach“ (Phil 3,17). Ja, ein jeder von uns ist entsprechend seiner eigenen Berufung und an dem Ort, wo er lebt und arbeitet, dazu aufgefordert, das Evangelium zu bezeugen, dies mit einer größeren Sorge für jene Brüder und Schwestern, die aus unterschiedlichen Gründen aus anderen Ländern gekommen sind, um unter uns zu leben, damit auf diese Weise das Phänomen der Migrationen als Gelegenheit zu einer Begegnung der Kulturen genutzt wird. Beten und wirken wir dafür, dass dies immer in friedlicher und konstruktiver Weise geschieht, unter gegenseitiger Achtung und im Dialog, um jeder Versuchung zu Konflikt und Unterdrückung zuvorzukommen.

Ich möchte ein besonderes Wort für die Seeleute und Fischer hinzufügen, die seit einiger Zeit unter größeren Belastungen leben. Neben den üblichen Schwierigkeiten leiden sie unter Beschränkungen, an Land gehen und Geistliche an Bord empfangen zu dürfen, und sie laufen zudem Gefahr, Opfer von der Piraterie oder auch jener Schäden zu werden, die durch den illegalen Fischfang entstehen. Ich bringe ihnen meine Nähe zum Ausdruck und den Wunsch, dass ihre Großherzigkeit, den Menschen in Seenot zu helfen, mit größerer Beachtung belohnt werde. Schließlich denke ich an das Welttreffen der Familien, das in Mexiko-Stadt abgeschlossen wird, sowie an die Gebetswoche für die Einheit der Christen, die heute beginnt. Liebe Brüder und Schwestern, ich lade euch ein, für all diese Anliegen zu beten und die mütterliche Fürsprache Mariens zu erbitten.

[Die deutschensprachigen Pilger begrüßte Benedikt XVI. mit den folgenden Worten:]

Einen frohen Gruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Im heutigen Evangelium hören wir von der Berufung der ersten Apostel. Vom Täufer Johannes wurden sie auf Jesus aufmerksam gemacht. Bei der Begegnung mit Jesus wurde jeder von ihnen persönlich zur Nachfolge berufen. Freudig wollen auch wir Christus nachfolgen, das heißt, bei Ihm bleiben und in eine Lebensgemeinschaft mit Ihm eintreten. Und dann möchte ich daran erinnern, dass heute die Weltgebetsoktav beginnt, die bis zum nächsten Sonntag – Fest der Bekehrung Pauli – dauert. Wir wollen den Herrn mit all unseren Kräften darum bitten, dass er uns hilft, die Trennungen zu überwinden, und uns die Einheit der Kirche schenkt als Zeugnis vor der Welt, damit sie glauben kann an Jesus Christus, als den Herrn der einen Kirche. So können wir mithelfen, Seine Gerechtigkeit und Seinen Frieden in der Welt zu verbreiten. Euch allen erbitte ich dazu Gottes reichen Segen!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2009 – Libreria Editrice Vaticana]