Papst Benedikt in Pavia: Umkehr ist kein einmaliges Ereignis, sondern der Weg des Lebens

„Leidenschaft für die Wahrheit“: Der Weg des Augustinus ist der Weg jedes Christen

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PAVIA, 23. April 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. widmete den ersten Tag seiner vierten Pastoralreise in Italien der Gestalt des heiligen Augustinus und dessen Leben als Suche nach der Wahrheit. Der Lebensweg des Heiligen ist nach Worten des Papstes der Weg, den jeder Christ beschreiten muss. Vor den Kranken und Ärzten der Poliklinik der Stadt Pavia (Lombardei) mahnte er darüber hinaus erneut die Achtung und den Schutz des menschlichen Lebens in jeder Phase an.



Nach seiner Ankunft am Samstagnachmittag im nahe gelegenen Vigevano bestand die erste Etappe des Heiligen Vaters in Pavia im Besuch der Poliklinik „San Matteo“. Benedikt XVI. betonte, dass das Krankenhaus ein Ort ist, „den wir in gewisser Weise als ‚heilig‘ bezeichnen können; ein Ort, wo die Gebrechlichkeit der menschlichen Natur erfahren wird, aber auch die großen Möglichkeiten und Ressourcen des Genies des Menschen und der Technik im Dienst des Lebens“.

Die große Gabe des menschlichen Leben bleibt – und mag man sie auch noch so weit erforschen – immer ein Geheimnis“, rief Benedikt XVI. aus, der seinen lebhaften Wunsch zum Ausdruck brachte, dass der notwendige wissenschaftliche und technologische Fortschritt immer vom Bewusstsein begleitet werde, zusammen mit dem Wohl des Kranken auch jene grundlegenden Werte zu fördern – wie die Achtung und die Verteidigung des Lebens in jeder seiner Phasen –, von denen die echt menschliche Qualität eines Zusammenlebens abhängt.

Nach seinem Besuch in der Poliklinik begab sich der Papst zu den Gärten des „Almo Collegio Borromeo“, wo er vor 20.000 Gläubigen die Heilige Messe feierte.

In seiner Predigt konzentrierte sich Benedikt XVI. im Ausgang von den Worten des Petrus vor dem Hohen Rat und der Erfahrung des heiligen Augustinus auf die Wirklichkeit der Umkehr.

Die Worte des Petrus über den auferstandenen Christus zeigten, so Benedikt XVI., dass Jesus zur Umkehr hinführe, den Raum und die Möglichkeit für die Reue und den Neuanfang schaffe und die Vergebung der Sünden schenke. Dies führe uns ein in die richtige Gottesbeziehung. „Die beiden Worte des Petrus, Umkehr und Vergebung der Sünden, die den Titel Christi ‚Oberhaupt‘ und ‚Heiland‘ entsprechen, sind die Schlüsselbegriffe der Katechese des Petrus“, erklärte der Bischof von Rom. Der Weg, den wir gehen müssten; „der Weg, den Jesus weist, heißt: Umkehr. Was aber ist das? Was muss man tun? In jedem Leben hat die Umkehr ihre eigene Form, weil ein jeder Mensch etwas Neues ist. Niemand ist einfach hin die Kopie eines anderen.“ Der Herr habe aber im Lauf der Jahrhunderte Vorbilder für die Umkehr geschickt. Ein besonderes Vorbild sei nach Petrus und Paulus der Weg des heiligen Augustinus. Gerade dieser Heilige lasse erkennen, „dass die Umkehr kein einmaliges Ereignis ist, sondern ein Weg“.

Anschließend ging Papst Benedikt auf den „wesentlichen Aspekt dieses Weges“ ein und sagte: „Augustinus war einerseits ein Kind seiner Zeit und zutiefst bestimmt von den in ihr vorherrschenden Gewohnheiten und Leidenschaften, wie auch von all den Fragen und Problemen eines jungen Mannes. Er lebte wie alle anderen, und dennoch war da in ihm etwas Besonderes: Er blieb immer ein Mensch auf der Suche. Er gab sich nie mit dem Leben zufrieden, so wie es sich ergab und wie alle es lebten. Er war immer gequält von der Frage nach der Wahrheit.“

Augustinus habe die Wahrheit wirklich finden wollen. „Er wollte, dass es ihm gelingt zu wissen, was der Mensch ist, woher die Welt kommt, woher wir selbst kommen, wohin wir gehen und wie wir das wahre Leben finden können. Er wollte den rechten Weg finden und nicht einfach blind, ohne Sinn und Ziel vor sich hin leben. Die Leidenschaft für die Wahrheit ist der Schlüsselbegriff seines Lebens. Und da ist noch etwas Besonderes: All das, was nicht den Namen Christi trug, reichte ihm nicht.“

Durch die platonische Philosophie habe Augustinus, wie er selbst erzähle, gelernt und erkannt, „dass am Anfang das Wort war, der Logos, die schöpferische Vernunft. Die Philosophie aber wies ihm keinen Weg, um ihn erreichen zu können; dieser Logos blieb fern und unberührbar. Nur im Glauben der Kirche fand er dann die zweite wesentliche Wahrheit: Das Wort ist Fleisch geworden. Und so berührt es uns, so berühren wir es. Der Demut der Fleischwerdung Gottes muss die Demut unseres Glaubens entsprechen, der den überklugen Hochmut ablegt und sich beugt, indem er Teil der Gemeinschaft des Leibes Christi wird, der mit der Kirche lebt und nur so in die konkrete, ja körperliche Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott eintritt.“

Benedikt XVI. hob hervor, dass Augustinus „den letzten Grad der Demut“ erlernt habe – „nicht nur die Demut, sein großes Denken in den Glauben der Kirche einzugliedern; nicht nur die Demut, seine großen Erkenntnisse in die Einfachheit der Verkündigung zu übertragen, sondern auch die Demut anzuerkennen, dass für ihn selbst und die ganze pilgernde Kirche ständig die barmherzige Güte eines Gottes notwendig ist, der vergibt.“

„In dieser Stunde“, so der Papst abschließend, „danken wir Gott für das große Licht, dass von der Weisheit und der Demut des heiligen Augustinus ausstrahlt. Und wir bitten den Herrn, damit er uns allen Tag für Tag die notwendige Umkehr schenke und uns so hinführe zum wahren Leben.“