Papst Benedikt über den wertvollen Dienst, den die Kirche für das Gemeinwohl leistet

Empfang des irischen Botschafters im Vatikan

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ROM, 17. September 2007 (ZENIT.org).- Die Grenzen der Vernünftigkeit ohne moralische Werte standen im Mittelpunkt der Ansprache Benedikts XVI. an den neuen Botschafter der irischem Republik beim Heiligen Stuhl.



Der Heilige Vater wies bei der Entegegennahme der Empfehlungsschreiben des Diplomaten darauf hin, dass der ethische Beitrag, den die Kirche zu leisten hat, für die pluralistischen demokratischen Gesellschaften von entscheidender Bedeutung sei. Aus diesem Grund bekräftigte der Papst vor Botschafter Noel Fahey, dass er den „strukturierten Dialog“ zwischen der Kirche und der irischen Regierung befürworte und unterstütze.

„In den letzten Jahren ist Irland in den Genuss eines noch nie da gewesenen wirtschaftlichen Wachstums gekommen. Diese Blüte hat zweifellos materiellen Wohlstand für viele mit sich gebracht, aber in seiner Folge hat der Säkularismus seine Invasion angetreten und seine Spuren hinterlassen.“

Papst Benedikt stellte anschließend die Frage in den Raum, ob die Kirche tatsächlich fähig ist, etwas zur Regierung eines demokratischen und pluralistischen Staates beizutragen, oder ob „Glaube und Religion im Bereich der Privatsphäre bleiben müssen“. Die Antwort des Heiligen Vaters war ausführlich und einfach zugleich: Die Vernunft allein sei nicht auf der Höhe der Komplexität und der Würde des menschlichen Seins. Und Benedikt XVI. verwies in diesem Zusammenhang auf die totalitären Regime der jungen Vergangenheit.

„Die Kirche bringt die offenbarte Wahrheit zum Ausdruck und hilft so allen Gliedern der Gesellschaft, indem sie die Grundlagen der Moralität und der Ethik erhellt und die Vernunft reinigt. Die Kirche stellt sicher, dass die Vernunft offen bleibt für die Betrachtung der letzten Wahrheiten und dass sie von der Weisheit abstammt.“

Gleichzeitig seien der moderne zeitgenössische Skeptizismus gegenüber der politischen Rhetorik sowie die wachsenden Schwierigkeiten und die fehlenden Bezugspunkte im Bereich der wissenschaftlichen Entdeckungen (und dabei vor allem im Bereich der Biotechnologie) zu erwähnen. All dies, so Benedikt XVI., zeige die Grenzen einer Rationalität auf, die allein auf sich angewiesen ist. Zugleich werde deutlich, wie wichtig die Wiederentdeckung von moralischen und ethischen Prinzipien ist sowie des Bedürfnisses, „diese Grenzen anzuerkennen und die wesentliche Beziehung der gegenseitigen Ergänzung mit Glaube und Religion zu verstehen.“

Papst Benedikt XVI. bekräftigte: „Wenn die Wahrheit vernachlässigt wird, so nimmt der Relativismus ihren Platz ein.“ Die politischen Entscheidungen würden in der Folge immer mehr von der öffentlichen Meinung bestimmt werden. Ebenso käme es dann zu Entscheidungen, die nicht auf der Abwägung des Guten und des Bösen beruhen, sondern „einem pragmatischen Kalkül von Vorteil und Nachteil“ den Vorrang geben.

Benedikt XVI. erinnerte den Diplomaten daran, dass die Christenheit für mehr als sechs Jahrhunderte Teil der Kultur und der moralischen und geistlichen Identität des irischen Volkes gewesen ist, und hob hervor, dass der christliche Glaube nichts an seiner gesellschaftlichen Bedeutung und Aktualität eingebüßt habe. „Er rührt an die tiefste Sphäre des Menschen und gibt seinem Leben in der Welt Sinn.“