Papst Benedikt von Jugendlichen begeistert empfangen

Die Wahrheit ist keine Ideologie und kein Slogan

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MADRID, 19. August 2011 (ZENIT.org). - Gestern Abend um 19.00 Uhr verließ der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. die päpstliche Nuntiatur in Madrid und begab sich mit dem Auto zum „Platz der Unabhängigkeit”. Dort wurde er vom Bürgermeister von Madrid, Alberto Ruiz-Gallardón, begrüßt, und ihm wurde ein Geschenk überreicht. Der Papst durchschritt dann, begleitet von mehreren jungen Vertretern aus allen Kontinenten und von Kardinal Rouco Varela den mittleren Bogen der Puerta de Alcalàmit mit einem Olivenzweig, der Hinweis auf das Thema des WJT 2011:  Verwurzelt in Christus und auf ihn gegründet  – fest im Glauben” (vgl. Kol 2,7). Pferde der Real Escuela de Caballeríavollführten einige Kunststücke vor dem Heiligen Vater und knieten vor ihm nieder, damit ein Reiter ihm ein Geschenk überreichen konnte.

Unmittelbar anschließend erreichte der Papst im Auto den Plaza de Cibeles, wo um 19.30 Uhr das Begrüßungsfest stattfand. Es war in der Form eines Wortgottesdienstes gestaltet und wurde vom Weltjugendtagshymus 2011 sowie mit den Grußworten des Erzbischofs von Madrid, Kardinal Antonio María Rouco Varela, eingeleitet.

Zu der Veranstaltung am Abend hatten sich die jungen Menschen seit dem Nachmittag auf dem Platz versammelt, der das große Herz Madrids darstellt und auf dem etwa auch der Fußballclub Real Madrid seine Siege feiert. Jugendliche aller Nationen sangen, tanzten und schwenkten Fahnen und verkürzten sich auf vielerlei Art die Wartezeit. Abkühlung kam aus der Bevölkerung: Aus den umliegenden Häusern gossen Anwohner zur Erfrischung Wasser auf die Wartenden. Der Papst selbst wurde von einem großen weißen Schirm vor der Abendsonne geschützt.

Zuvor hatten Jugendliche aus fünf Kontinenten dem Papst symbolische Geschenke aus ihrer Heimat überreicht. So erhielt er Brot und Salz, Reis und Kaffee. Ein lateinamerikanischer Teilnehmer überreichte ihm einen Sombrero, eine japanische Katholikin legte ihm einen Blütenkranz um den Hals.

In seiner Predigt warnte Papst Benedikt XVI. vor Unbeständigkeit und Egoismus. Viele hielten sich für Götter und meinten, keine anderen Fundamente zu brauchen als sich selbst, sagte der Papst bei einer Willkommensfeier am Donnerstagabend. Solche Menschen würden gerne selbst entscheiden, was Wahrheit und Gerechtigkeit sei sowie wer lebenswert sei und wer hingegen „auf dem Altar anderer Perspektiven geopfert werden“ könne. Versuchungen, sich immer dem Zufall zu überlassen, ohne einen festgesetzten Kurs zu leben und sich vom Impuls des Augenblicks leiten zu lassen, lauerten stets im Hinterhalt.

Diesem „Leben ohne Horizonte“ setzte Benedikt XVI. eine Freiheit mit Gott gegenüber. Die Menschen seien nicht bloß „blinde Vollstrecker“, sondern verantwortlich für ihr Handeln, da sie nach dem Bilde Gottes als Freie erschaffen seien. Damit seien sie „Protagonisten auf der Suche nach der Wahrheit und nach dem Guten“. Wenn die Jugendlichen ihr Leben auf dem „festen Grund“ Jesus Christus bauten, werde Weisheit und Klugheit ihre Schritte leiten. Fest im Glauben, würde ihr Leben auch ihren Altersgenossen eine wertvolle Alternative aufzeigen. Der Papst sagte, dass die Jugendlichen mit ihrer Freude auch andere anstecken würden. Sie strahlten auch auf diejenigen aus, deren Fundamente der Existenz nicht haltbar gewesen seien, weil sie der Modeströmung nach unmittelbarem Nutzen folgten.

Wenn sie Christus folgten, könnten die Jugendlichen sich nicht auf Wegen verlieren, die Leere und Enttäuschung hinterließen, sagte der Papst. Er warnte vor „blinden und egoistischen“ Impulsen und dem „Weg der verlockenden Vorschläge“, die jedoch eigennützig, trügerisch und unbeständig seien.

Der Heilige Vater begrüßte dann mit herzlichen Worten in sieben Sprachen die Jugendlichen aus aller Welt. Er äußerte den Wunsch und die Hoffnung, dass die Botschaft der Hoffnung und Liebe auch die erreichen möge, die nicht glauben oder die sich von der Kirche entfernt haben.

Sein besonderer Dank galt allen Verantwortlichen, die dieses Treffen vorbereitet und ermöglicht hatten. Ausdrücklich begrüßte er den Bürgermeister von Madrid, ebenso den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien, Kardinal Stanisław Ryłko, und den Erzbischof von Madrid, Kardinal Antonio María Rouco Varela. Ihnen, allen Verantwortlichen und Anwesenden dankte er von Herzen für die Vorbereitungen und die Teilnahme an diesem Treffen, das „ein Zeichen der Pilgerschaft auf die Begegnung mit Christus hin“ sei.

In sechs verschiedenen Sprachen – Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch und Polnisch – richtete sich der Heilige Vater daraufhin an die jungen Menschen. Die Jugendlichen französischer Sprache rief er auf, die Wahrheit zu suchen, „die nicht eine Idee, eine Ideologie oder ein Slogan ist, sondern eine Person, Christus“. Er ermutigte sie, ihr Leben auf Christus zu gründen, der sie liebt und jeden einzelnen besser kennt als jemand anderer.

Die englischsprachigen Jugendlichen ermutigte der Heilige Vater, das Wort Christi als Grundlage ihres Lebens zu nehmen. „Fest im Glauben und offen für die Kraft des Geistes werdet ihr euren Platz in Gottes Plan finden und die Kirche mit euren Gaben bereichern“, bestärkte er sie.

Die deutschsprachigen Jugendlichen rief er auf, Christus das Herz zu öffnen, der dem Leben den wirklichen Sinn gebe. Er ermutigte sie, den Glauben an Christus zu bekennen, zu vertiefen und weiterzugeben.

Mit großer Wärme grüßte der Papst die Jugendlichen italienischer Sprache und dankte ihnen für ihr Zeugnis der Lebendigkeit der Kirche in Italien. Er lud sie ein, die Weltjugendtage im Geist des intensiven Gebetes und der Brüderlichkeit zu verbringen.

Die jungen Menschen portugiesischer Sprache forderte der Heilige Vater dazu auf, zur ewigen Quelle ihrer Jugend zu kommen – zu Christus. Sein Wort möge in ihre Herzen dringen und dort Wurzeln schlagen. „Baut euer Leben darauf auf!“, rief er ihnen zu.

Die polnischsprachigen Jugendlichen begrüßte der Papst im Gedenken an Papst Johannes Paul II., dem Initiator der Weltjugendtage, und wünschte ihnen Tage des Gebetes und einer starken Erfahrung der Nähe Jesu. 

Wir dokumentieren den vollständigen Wortlaut der Grüße in der offiziellen Übersetzung:

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Liebe junge Freunde!

Es ist mir eine sehr große Freude, mich hier mit euch zu treffen, im Zentrum dieser schönen Stadt Madrid, deren Schlüssel der Herr Bürgermeister mir freundlicherweise übergeben hat. Heute ist sie auch die Hauptstadt der Jugendlichen aus aller Welt, und die Augen der ganzen Kirche sind auf sie gerichtet. Der Herr hat uns versammelt, um in diesen Tagen die schöne Erfahrung des Weltjugendtags zu machen. Durch eure Anwesenheit und die Teilnahme an den Feiern wird der Name Christi in jedem Winkel dieser berühmten Stadt ertönen. Beten wir, dass seine Botschaft der Hoffnung und der Liebe auch in den Herzen jener widerhalle, die nicht glauben oder die sich von der Kirche entfernt haben. Vielen Dank für den glänzenden Empfang, den ihr mir beim Einzug in die Stadt bereitet habt; er ist ein Zeichen eurer Liebe und eurer Nähe zum Nachfolger des heiligen Petrus.

Ich begrüße Kardinal den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien, sowie seine Mitarbeiter in diesem Dikasterium und sage Dank für alle geleistete Arbeit. Zugleich danke ich, dem Erzbischof von Madrid, für seine liebenswürdigen Worte und für alle Anstrengungen, die seine Erzdiözese – gemeinsam mit den anderen Diözesen Spaniens – bei der Vorbereitung dieses Weltjugendtags geleistet hat, für den auch in vielen anderen Teilkirchen der ganzen Welt mit Großherzigkeit gearbeitet worden ist. Ich danke den Vertretern des öffentlichen Lebens auf nationaler, regionaler und Ortsebene für ihre geschätzte Anwesenheit und für ihre großzügige Mitarbeit zugunsten eines positiven Ablaufs dieses großen Ereignisses. Dank auch den Mitbrüdern im Bischofsamt, den Priestern, den Seminaristen, den gottgeweihten Personen und den Laienhelfern, die hier zugegen sind und die als Begleiter der Jugendlichen mitgekommen sind, um diese intensiven Tage als Pilgerschaft auf die Begegnung mit Christus hin zu erleben. Euch alle grüße ich herzlich im Herrn, und ich sage euch noch einmal, dass ich sehr glücklich bin, hier bei euch zu sein. Möge die Flamme der Liebe Christi in euren Herzen niemals erlöschen!

Grüße in verschiedenen Sprachen

Französisch

Liebe junge Freunde französischer Sprache, in großer Zahl habt ihr dem Ruf des Herrn, zur Begegnung mit ihm nach Madrid zu kommen, Folge geleistet. Dazu gratuliere ich euch. Willkommen beim Weltjugendtag. Ihr bringt Fragen mit und sucht Antworten. Es ist gut, immer zu suchen. Vor allem sucht die Wahrheit, die nicht eine Idee, eine Ideologie oder ein Slogan ist, sondern eine Person, Christus, Gott selber, der zu den Menschen gekommen ist! Zu Recht wollt ihr euren Glauben in ihm verwurzeln, euer Leben auf Christus gründen. Er liebt euch seit jeher und kennt euch besser als jeder andere. Mögen diese Tage, die reich an Gebet, Erkenntnis und Begegnungen sind, euch helfen, das noch weiter zu entdecken, um ihn noch besser zu lieben. Christus begleite euch während dieser intensiven Zeit, in der wir alle gemeinsam ihn feiern und zu ihm beten.

Englisch

Einen herzlichen Gruß richte ich an die vielen englischsprachigen jungen Menschen, die nach Madrid gekommen sind. Mögen diese Tage des Gebetes, der Freundschaft und der Feier uns einander und dem Herrn Jesus näher bringen. Vertraut auf das Wort Christi als die Grundlage eures Lebens! In ihm verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben und offen für die Kraft des Geistes, werdet ihr euren Platz in Gottes Plan finden und die Kirche mit euren Gaben bereichern. Lasst uns füreinander beten, damit wir frohe Zeugen Christi sein können, heute und immer. Gott segne euch alle!

Deutsch

Liebe Freunde deutscher Sprache! Sehr herzlich grüße ich euch alle. Ich freue mich, dass ihr so zahlreich gekommen seid. Gemeinsam wollen wir in diesen Tagen unseren Glauben an Jesus Christus bekennen, vertiefen und weitergeben. Immer wieder erfahren wir: Er ist es, der unserem Leben wirklich Sinn gibt. Öffnen wir Christus unser Herz. Er schenke und allen eine frohe und gesegnete Zeit hier in Madrid.

Italienisch

Liebe junge Italiener! Ich begrüße euch mit großer Liebe, und ich freue mich über eure zahlreiche, von Glaubensfreude geprägte Teilnahme. Lebt diese Tage im Geist eines intensiven Gebetes und der Brüderlichkeit, und gebt so Zeugnis für die Lebendigkeit der Kirche in Italien, die Lebendigkeit der Pfarreien, der Vereine, der Bewegungen. Teilt diesen Reichtum mit allen. Danke!

Portugiesisch

Liebe junge Freunde aus den verschiedenen Ländern portugiesischer Sprache und alle, die euch begleiten, willkommen in Madrid! Ich grüße euch alle mit großer Freundschaft und lade euch ein, zur ewigen Quelle eurer Jugend zu kommen und den absoluten Protagonisten dieses Weltjugendtags und – so hoffe ich – eures Lebens kennenzulernen: Jesus Christus. In diesen Tagen hört ihr persönlich sein Wort erklingen. Lasst dieses Wort in eure Herzen eindringen und dort Wurzeln schlagen! Baut euer Leben darauf auf! Fest im Glauben werdet ihr ein Glied in der großen Kette der Gläubigen sein. Niemand kann glauben, wenn er nicht durch den Glauben der anderen gestützt wird, und durch meinen Glauben trage ich dazu bei, die anderen in ihrem Glauben zu stützen. Die Kirche braucht euch, und ihr braucht die Kirche.

Polnisch

Ich grüße die jungen Freunde, die aus Polen gekommen sind, die Landsleute des seligen Johannes Paul II., des Initiators der Weltjugendtage. Ich freue mich, dass ihr hier in Madrid dabei seid! Ich wünsche euch gute Tage: Tage des Gebetes und der Festigung der Verbindung mit Jesus. Der Geist Gottes leite euch.