Papst Benedikt XVI. am Hochfest Allerheiligen: „Alle Menschen sind zur Heiligkeit berufen“

„Der ‚Weg‘ ist Christus, der Sohn, der Heilige Gottes“

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2. November 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Hochfest Allerheiligen vor dem Angelus-Gebet gehalten hat.



Der Heilige Vater rief alle Menschen, aber insbesondere die Christen dazu auf, sich mit neuem Schwung auf die Suche der Heiligkeit zu machen. Vom Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast aus, erklärte der Papst, dass der Christ durch die Taufe zwar bereits heilig sei, dass er aber zugleich noch heilig werden müsse.

„Alle Menschen sind Kinder Gottes, und alle müssen werden, was sie sind – über den anspruchvollen Weg der Freiheit. Gott lädt alle ein, Teil seines heiligen Volkes zu sein. Der ‚Weg‘ ist Christus, der Sohn, der Heilige Gottes: Niemand kommt zum Vater außer durch ihn.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen Hochfest Allerheiligen überschreitet unser Herz die Grenzen von Zeit und Raum und weitet sich in die Dimension des Himmels aus. Zur Beginn des Christentums wurden die Mitglieder der Kirche auch „die Heiligen“ genannt. Im ersten Brief an die Korinther zum Beispiel wendet sich der heilige Paulus „an die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns“ (1 Kor 1,2). Der Christ ist nämlich schon heilig, da die Taufe ihn mit Jesus und seinem Ostergeheimnis vereint; gleichzeitig aber muss er es werden, indem er sich ihm immer inniger anschließt.

Manchmal meint man, dass die Heiligkeit ein privilegierter Zustand ist, der wenigen Auserwählten vorbehalten wäre. Heilig zu werden ist in Wirklichkeit Aufgabe eines jeden Christen. Ja, mehr noch, wir könnten sagen: eines jeden Menschen!

Der Apostel schreibt, dass Gott uns von je her gesegnet und uns in Christus erwählt hat, „damit wir heilig und untadelig leben vor Gott“ (Eph 1,3-4). Alle Menschen sind somit zur Heiligkeit berufen, die letztendlich in einem Leben als Kinder Gottes besteht, in jener „Ebenbildlichkeit“ mit ihm, nach der sie geschaffen worden sind. Alle Menschen sind Kinder Gottes, und alle müssen werden, was sie sind – über den anspruchvollen Weg der Freiheit. Gott lädt alle ein, Teil seines heiligen Volkes zu sein. Der „Weg“ ist Christus, der Sohn, der Heilige Gottes: Niemand kommt zum Vater außer durch ihn (vgl. Joh 14,6).

In ihrer Weisheit hat die Kirche das Fest Allerheiligen und den Gedenktag Allerseelen eng aneinandergereiht. Unserem Gebet des Lobpreises Gottes und der Verehrung der seligen Geister, die uns heute die Liturgie als „eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen“ vorstellt (Off 7,9), schließt sich das Fürbittgebet für all jene an, die uns im Übergang von dieser Welt zum ewigen Leben vorangegangen sind. Ihnen werden wir morgen in besonderer Weise unser Gebet widmen, und für sie werden wir das eucharistische Opfer darbringen. Tatsächlich lädt uns die Kirche jeden Tag dazu ein, für sie zu beten und dabei auch die Leiden und die alltäglichen Mühen aufzuopfern, damit sie, vollends geläutert, zum ewigen Genuss des Lichtes und des Friedens des Herrn zugelassen werden.

Inmitten der Schar der Heiligen erglänzt die Jungfrau Maria, „demütiger, höher als was je gewesen“ (Dante, Paradies XXXIII, 2). Mit unserer Hand in der ihrigen fühlen wir uns dazu beseelt, schwungvoller auf dem Weg der Heiligkeit voranzuschreiten. Ihr vertrauen wir unseren täglichen Einsatz an, und sie bitten wir heute auch für unsere lieben Verstorbenen – in der innigsten Hoffnung, dass wir uns eines Tages in der herrlichen Gemeinschaft der Heiligen alle zusammen wiederfinden werden.

[Nach dem Angelus sagte der Papst in seiner Muttersprache:]

Zum Hochfest Allerheiligen grüße ich ganz herzlich alle Pilger und Besucher hier auf dem Petersplatz. Die Heiligen sind Zeugen der unendlichen Liebe Gottes, die über den Tod hinausreicht. Wir wollen ihr Vorbild nachahmen und uns ihrer treuen Fürsprache anvertrauen. Der Heilige Geist bestärke uns dabei und führe uns zur vollkommenen Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem wahren Leben, und mit allen seinen Heiligen. – Liebe Freunde, euch und euren Familien erbitte ich den Beistand des Herrn auf allen Wegen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]