Papst Benedikt XVI. antwortet auf die Fragen der Priester (Teil 2)

„Wir müssen in unserer Generation, in unserer Kultur den Wert des Leidens wiederentdecken“

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ROM, 30. August 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Frage- und Antwortstunde, die Papst Benedikt XVI. am 24. Juli 2007 in der Kirche Santa Giustina Martire (Auronzo di Cadore) dem Klerus der Diözesen Belluno-Feltre und Treviso gewährte.



Der Heilige Vater kommt im vorliegenden zweiten Teil des ausführlichen Gesprächs auf die Pastoral mit Eheleuten, Geschiedenen und Wiederverheirateten zu sprechen, würdigt den Dienst der „Fidei-Donum“-Priester, die ihre Heimat verlassen, um anderswo auszuhelfen, und geht schließlich auf aktuelle Fragen der Jugendpastoral ein.

„Nur wenn wir dem Schmerz und dem Leiden Sinn geben können, kann unser Leben zur Reife kommen.“

Teil 1 dieser Katechese erschien am Dienstag, der dritte und letzte Teil wird morgen, Freitag, veröffentlicht.

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4. Ich bin Don Samuele. Wir haben Ihre Einladung zu beten, zu heilen und zu verkündigen angenommen. Wir haben uns erlaubt, sie sofort in die Tat umzusetzen und für Ihr Wohl zu sorgen, und als Zeichen unserer Zuneigung haben wir Ihnen einige Flaschen bekömmlichen Weines aus unserer Region mitgebracht, die unser Bischof ihnen überreichen wird. Ich komme zur Frage. Immer häufiger stehen wir vor der sehr stark ansteigenden Zahl von Situationen, in denen geschiedene und wiederverheiratete Personen, die zusammenleben, uns Priester um Beistand für ihr geistliches Leben bitten. Diese Menschen leiden oft unter der schwierigen Frage nach dem Empfang der Sakramente. Diese Realität verlangt von uns, daß wir uns ihr stellen und auch nachempfinden können, welches Leid sie mit sich bringt. Ich frage Sie, Heiliger Vater, durch welche menschliche, geistliche und seelsorgliche Haltung Barmherzigkeit und Wahrheit miteinander vereint werden können. Danke.

Benedikt XVI.: Ja, das ist ein schmerzliches Problem, und gewiß gibt es kein einfaches Rezept, mit dem es gelöst werden könnte. Wir alle leiden unter diesem Problem, weil wir alle in unserer Nähe Menschen haben, die sich in solchen Situationen befinden. Und wir wissen, daß es für sie schmerzhaft und leidvoll ist, weil sie in voller Gemeinschaft mit der Kirche stehen wollen.

Die Bindung der früheren Ehe ist eine Bindung, die ihre Teilnahme am Leben der Kirche einschränkt. Was soll man tun? Ich würde sagen, ein erster Punkt wäre natürlich die Vorsorge, soweit sie möglich ist. Die Ehevorbereitung wird daher immer wesentlicher und notwendiger. Das Kirchenrecht setzt voraus, daß der Mensch als solcher, auch ohne große Unterweisung, eine der menschlichen Natur entsprechende Ehe eingehen will, wie es in den ersten Kapiteln des Buches Genesis aufgezeigt wird. Er ist Mensch, er hat eine menschliche Natur und weiß daher, was die Ehe ist. Er will das tun, was die menschliche Natur ihm sagt. Von dieser Annahme geht das Kirchenrecht aus. Sie drängt sich geradezu auf: Der Mensch ist Mensch, es ist seine Natur, die es ihm sagt. Heute jedoch wandelt sich dieser Grundsatz, nach dem der Mensch das will, was in seiner Natur liegt – eine unwiederholbar einzige und treue Ehe – zu einem etwas anderen Grundsatz: »Volunt contrahere matrimonium sicut ceteri homines.« Es ist nicht mehr einfach die Natur, die spricht, sondern die »ceteri homines« – das, was alle tun. Und das, was heute alle tun, entspricht nicht mehr einfach nur der natürlichen Ehe gemäß dem Schöpfer, gemäß der Schöpfung. Das, was die »ceteri homines« tun, ist zu heiraten mit der Vorstellung, daß die Ehe eines Tages scheitern könnte und man so eine andere, eine dritte und eine vierte Ehe eingehen könne. Dieses Modell »wie alle es tun« wird so zu einem Modell, das im Gegensatz zu dem steht, was die Natur sagt.

So wird es normal, zu heiraten, sich scheiden zu lassen, sich wiederzuverheiraten, und niemand meint, daß es etwas sei, das gegen die menschliche Natur geht, oder wenigstens findet man nur sehr schwer jemanden, der so denkt. Daher müssen wir, um den Menschen dabei zu helfen, wirklich zur Ehe zu gelangen – zur Ehe nicht nur im Sinne der Kirche, sondern im Sinne des Schöpfers –, sie wieder fähig machen, auf die Natur zu hören.

Kehren wir zurück zum ersten Problem, zur ersten Frage: Wir müssen hinter dem, was alle tun, das wiederentdecken, was die Natur selbst uns sagt. Und sie sagt etwas anderes als das, was heute zur Gewohnheit geworden ist. Sie lädt uns nämlich ein zu einer Ehe für das ganze Leben, in lebenslanger Treue, auch mit den Leiden, die das gemeinsame Wachsen in der Liebe mit sich bringt.

Die Ehevorbereitungskurse sollten also die Stimme der Natur, des Schöpfers in uns wiederherstellen, damit wir hinter dem, was alle »ceteri homines« tun, das wiederentdecken, was uns unser eigenes Sein im Innersten sagt. In dieser Situation also – zwischen dem, was alle tun, und dem, was unser Sein uns sagt – müssen die Ehevorbereitungskurse ein Weg des Wiederentdeckens sein, um das wieder zu lernen, was unser Sein uns sagt. Sie sollen dabei helfen, zu einer wirklichen Entscheidung für die Ehe gemäß dem Schöpfer und gemäß dem Erlöser zu gelangen. Diese Vorbereitungskurse sind also sehr wichtig, um »sich selbst kennenzulernen«, um den wahren Ehewillen kennenzulernen. Aber die Vorbereitung allein genügt nicht; die großen Krisen kommen später. Daher ist eine ständige Begleitung, wenigstens in den ersten zehn Jahren, sehr wichtig.

In der Pfarrei muß also nicht nur für die Vorbereitungskurse Sorge getragen werden, sondern auch für die Gemeinschaft auf dem Weg nach der Eheschließung, für die gegenseitige Begleitung, die gegenseitige Hilfe. Die Priester, aber nicht nur sie, sondern auch die Familien, die diese Erfahrungen bereits gemacht haben, die diese Leiden und Versuchungen kennen, müssen in Krisenzeiten dasein. Es ist wichtig, daß es ein Netzwerk von Familien gibt, die einander helfen, und verschiedene Bewegungen können hier einen großen Beitrag leisten.

Der erste Teil meiner Antwort betrifft die Vorsorge, nicht nur im Sinne der Vorbereitung, sondern auch der Begleitung, das Vorhandensein eines Netzwerks von Familien, das in dieser heutigen Situation hilft, in der alles gegen die lebenslange Treue spricht. Man muß den Menschen helfen, diese Treue zu finden, sie auch durch das Leiden zu erlernen. Im Falle eines Scheiterns jedoch, wenn die Eheleute sich also nicht als fähig erweisen, am ursprünglichen Willen festzuhalten, stellt sich immer noch die Frage, ob es wirklich ein Wille war, im Sinne des Sakraments. Und daher gibt es eventuell noch das Ehenichtigkeitsverfahren. Wenn es eine wirkliche Ehe war und sie also nicht wieder heiraten können, dann hilft die ständige Gegenwart der Kirche diesen Personen, eine andere Form des Leidens zu tragen. Im ersten Fall ist es das Leiden, die Krise zu überwinden und eine schwer errungene und reife Treue zu erlernen. Im zweiten Fall ist es das Leiden, in einer neuen Bindung zu stehen, die nicht die sakramentale Bindung ist und die daher die volle Gemeinschaft in den Sakramenten der Kirche nicht zuläßt. Hier muß gelehrt und gelernt werden, mit diesem Leiden zu leben.

An diesem Punkt kehren wir zur ersten Frage der anderen Diözese zurück. Wir müssen im allgemeinen in unserer Generation, in unserer Kultur den Wert des Leidens wiederentdecken, müssen lernen, daß das Leiden eine sehr positive Wirklichkeit sein kann, die uns dabei hilft zu reifen, mehr zu uns selbst zu kommen, näher beim Herrn zu sein, der für uns gelitten hat und der mit uns leidet. Auch in dieser zweiten Situation ist daher die Gegenwart des Priesters, der Familien, der Bewegungen, die persönliche und gemeinschaftliche Nähe, die Hilfe der Nächstenliebe, eine ganz besondere Liebe, außerordentlich wichtig. Und ich glaube, daß nur diese tiefempfundene Liebe der Kirche, die in einer Begleitung in vielerlei Form umgesetzt wird, diesen Personen helfen kann, sich als von Christus geliebte Menschen zu erkennen, als Glieder der Kirche, auch wenn sie sich in einer schwierigen Situation befinden, und so den Glauben zu leben.

5. Heiligkeit, ich heiße Don Saverio, und bei meiner Frage geht es daher natürlich um die Missionen. In dieses Jahr fällt der 50. Jahrestag der Enzyklika „Fidei donum“. Auch in unserer Diözese sind viele Priester, so auch ich, der Einladung des Papstes gefolgt und haben die Erfahrung der Mission »ad gentes« gemacht oder machen sie zur Zeit. Es ist zweifellos eine wunderbare Erfahrung, die meiner bescheidenen Meinung nach viele Priester machen könnten unter dem Gesichtspunkt des Austauschs zwischen Schwesterkirchen. Wenn man jedoch den zahlenmäßigen Rückgang der Priester in unseren Ländern berücksichtigt, auf welche Weise ist dann die Anweisung der Enzyklika heute noch aktuell, und in welchem Geist soll sie entgegengenommen und gelebt werden, sowohl von seiten der entsandten Priester als auch von seiten der ganzen Diözese? Danke.

Benedikt XVI.: Danke. Ich möchte zunächst allen diesen »Fidei donum«-Priestern und den Diözesen danken. Ich hatte jetzt, wie bereits erwähnt, viele »Ad-limina«-Besuche von Bischöfen sowohl aus Asien als auch aus Afrika und aus Lateinamerika, und alle bitten mich: »Wir haben einen großen Bedarf an ›Fidei donum‹- Priestern, und wir sind sehr dankbar für die Arbeit, die sie leisten. Unter oftmals sehr schwierigen Bedingungen machen sie die Katholizität der Kirche gegenwärtig, machen sie die Tatsache sichtbar, daß wir eine große universale Gemeinschaft sind und daß es eine Liebe zum Nächsten gibt, der fern ist und der zum Nächsten wird in der Situation des ›Fidei donum‹-Priesters«.

Dieses große Geschenk wurde wirklich in diesen 50 Jahren gemacht, das habe ich sehr deutlich gehört und gesehen in all meinen Gesprächen mit den Priestern, die zu uns sagen: »Glaubt nicht, daß wir Afrikaner jetzt einfach nur selbständig sind; wir brauchen auch weiterhin die Sichtbarkeit der großen Gemeinschaft der universalen Kirche.« Ich würde sagen, daß wir alle diese Sichtbarkeit des Katholischseins brauchen, die Sichtbarkeit einer Nächstenliebe, die aus der Ferne kommt und so den Nächsten findet. Heute hat sich die Situation insofern geändert, als daß auch wir in Europa Priester aus Afrika, aus Lateinamerika, aus anderen Teilen Europas aufnehmen, und das erlaubt uns, die Schönheit dieses gegenseitigen Gebens zu sehen, dieses Geschenks des einen an den anderen, weil alle einander brauchen: So wächst der Leib Christi. Zusammenfassend möchte ich sagen, daß dieses Geschenk ein großes Geschenk war und ist und daß es als solches in der Kirche wahrgenommen wird.

In vielen Situationen, die ich jetzt nicht näher beschreiben kann – Situationen, in denen soziale Probleme vorhanden sind, Entwicklungsprobleme, Probleme mit der Verkündigung des Glaubens, Probleme der Isolierung, der Notwendigkeit der Gegenwart anderer –, sind diese Priester ein Geschenk, in dem die Diözesen und die Teilkirchen die Gegenwart Christi erkennen, der sich für uns hinschenkt. Und gleichzeitig erkennen sie, daß die eucharistische Gemeinschaft nicht nur eine übernatürliche Gemeinschaft ist, sondern daß sie zu einer konkreten Gemeinschaft wird durch die Selbsthingabe dieser Diözesanpriester, die sich in anderen Diözesen einsetzen, und daß das Netz der Teilkirchen so wirklich zu einem Netz der Liebe wird.

Ich danke allen, die dieses Geschenk gemacht haben. Die Bischöfe und Priester kann ich nur dazu ermutigen, uns auch weiterhin diese Gabe zu schenken. Ich weiß, daß es jetzt durch den Mangel an Berufungen in Europa immer schwieriger wird, dieses Geschenk zu machen, aber wir haben bereits die Erfahrung gemacht, daß andere Kontinente, wie Indien und vor allem Afrika, uns auch ihrerseits Priester geben. Die Wechselseitigkeit ist stets sehr wichtig, und die Erfahrung, daß wir als Kirche in die Welt gesandt sind und daß alle einander kennen und lieben, ist äußerst notwendig und gibt auch der Verkündigung Kraft. So wird sichtbar, daß das Senfkorn Früchte trägt und stets und immer wieder ein großer Baum wird, in dessen Zweigen die Vögel des Himmels nisten können. Danke und nur Mut!

6. Don Alberto. Heiliger Vater, die Jugendlichen sind unsere Zukunft und unsere Hoffnung. Manchmal jedoch betrachten sie das Leben nicht als eine Chance, sondern als eine Schwierigkeit, nicht als ein Geschenk für sich und für die anderen, sondern als etwas, das sofort konsumiert werden muß, nicht als ein Projekt, das man nach und nach verwirklicht, sondern als ein zielloses Umherwandern. Die heutige Mentalität erlegt den Jugendlichen auf, immer glücklich und perfekt zu sein. Infolgedessen betrachten sie das geringste Versagen und die kleinste Schwierigkeit nicht mehr als Gelegenheit, an der sie wachsen können, sondern als Niederlage. All das führt oft zu Taten – wie dem Selbstmord –, die nicht wieder rückgängig zu machen sind und die im Herzen derer, die sie lieben, und in der ganzen Gesellschaft großen Schmerz hervorrufen. Was können Sie uns Erziehern sagen, die wir oft spüren müssen, daß uns die Hände gebunden sind und wir keine Antworten haben? Danke.

Benedikt XVI.: Mir scheint, daß Sie sehr genau ein Leben beschrieben haben, in dem Gott nicht vorkommt. In einem ersten Augenblick scheint es, daß wir Gott nicht brauchen, daß wir ohne Gott sogar freier seien und die Welt größer sei. Aber nach gewisser Zeit sieht man in unseren jungen Generationen, was geschieht, wenn Gott verschwindet. Nietzsche hat gesagt: »Das große Licht ist erloschen, die Sonne ist erloschen.« Dann ist das Leben eine zufällige Sache, es wird zu einer Sache, und ich muß versuchen, aus dieser Sache das Beste zu machen und das Leben zu gebrauchen als wäre es etwas, das einem unmittelbaren, spürbaren und machbaren Glücklichsein dient.

Aber das große Problem ist folgendes: Wenn es Gott nicht gibt und er nicht der Schöpfer auch meines Lebens ist, dann ist das Leben in Wirklichkeit einfach nur ein Stück Evolution, weiter nichts, und es hat in sich selbst keinen Sinn. Ich muß jedoch versuchen, diesem Stück Sein einen Sinn zu geben.

Ich sehe, daß zur Zeit in Deutschland, aber auch in den Vereinigten Staaten, eine recht erbitterte Debatte geführt wird über den sogenannten Kreationismus auf der einen und den Evolutionismus auf der anderen Seite, die als einander ausschließende Alternativen dargelegt werden: Wer an den Schöpfer glaubt, müsse die Evolution ablehnen, und wer dagegen die Evolution befürwortet, müsse Gott ausschließen.

Diese Gegenüberstellung ist absurd, denn einerseits gibt es viele wissenschaftliche Beweise für eine Evolution. Sie zeigt sich als Realität, die wir erkennen müssen und die unser Wissen in bezug auf das Leben und das Sein als solches bereichert. Aber die Evolutionslehre beantwortet nicht alle Fragen, und sie beantwortet vor allem nicht die große philosophische Frage: Woher kommt alles? Und wie entwickelt sich schließlich alles zum Menschen hin?

Mir scheint sehr wichtig zu sein – das wollte ich auch in meiner Vorlesung in Regensburg sagen –, daß sich die Vernunft weiter öffnet, damit sie diese Fakten sieht. Gleichzeitig aber sollte sie auch erkennen, daß sie nicht ausreichen, um die ganze Wirklichkeit zu erklären. Es reicht nicht aus: Unsere Vernunft ist größer, und sie kann auch sehen, daß unsere Vernunft im Grunde nichts Irrationales ist, kein Produkt der Irrationalität, sondern daß die Vernunft allem vorausgeht, die schöpferische Vernunft, und daß wir wirklich der Widerschein der schöpferischen Vernunft sind.

Wir sind gedacht und gewollt, und daher gibt es eine Idee, die mir vorausgeht, einen Sinn, der mir vorausgeht und den ich entdecken, dem ich folgen muß und der meinem Leben letztendlich eine Bedeutung gibt. Das scheint mir der erste Punkt zu sein: zu entdecken, daß mein Sein wirklich vernünftig ist, daß es durchdacht ist, einen Sinn hat. Und meine große Sendung ist es, diesen Sinn zu entdecken, ihn zu leben und so der großen kosmischen Harmonie, die der Schöpfer gedacht hat, ein neues Element zu geben. Unter diesen Voraussetzungen werden auch die schwierigen Dinge zu Augenblicken des Heranreifens, der Entwicklung und des Fortschreitens meines eigenen Seins, das einen Sinn hat von seiner Empfängnis bis zum letzten Augenblick des Lebens.

Wir können diese Realität eines Sinnes, der uns allen vorausgeht, erkennen; wir können auch den Sinn des Leidens und des Schmerzes wiederentdecken. Gewiß gibt es einen Schmerz, den wir vermeiden und aus der Welt verbannen müssen: die vielen unnützen Schmerzen, die von Diktaturen hervorgerufen werden, von falschen Systemen, von Haß und Gewalt. Aber im Schmerz liegt auch ein tiefer Sinn, und nur wenn wir dem Schmerz und dem Leiden Sinn geben können, kann unser Leben zur Reife kommen.

Vor allem würde ich sagen, daß die Liebe ohne den Schmerz nicht möglich ist, weil die Liebe stets meinen Selbstverzicht voraussetzt, weil sie voraussetzt, daß ich mich von mir selbst löse und den anderen in seinem Anderssein annehme. Sie setzt voraus, daß ich mich hinschenke und daher aus mir selbst herauskomme. All das ist Schmerz, Leiden, aber gerade in diesem Leiden des Mich-Verlierens für den anderen, für den Geliebten und daher für Gott werde ich groß und findet mein Leben die Liebe und in der Liebe seinen Sinn. Auch die Untrennbarkeit der Liebe vom Schmerz, der Liebe von Gott sind Elemente, die in unser modernes Bewußtsein Eingang finden müssen, um uns im Leben zu helfen.

In diesem Sinne würde ich sagen, daß es wichtig ist, daß die Jugendlichen Gott entdecken, daß sie die wahre Liebe entdecken, die gerade im Verzicht groß wird, und daß sie so auch das Gute im Leiden entdecken, das mich freier und größer macht. Damit den Jugendlichen geholfen wird, diese Dinge zu finden, brauchen sie natürlich auch immer Weggefährten, entweder die Pfarrei oder die Katholische Aktion oder eine Bewegung. Nur gemeinsam mit den anderen können wir auch in den jungen Generationen diese große Dimension unseres Seins entdecken.

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