Papst Benedikt XVI.: Aufruf zum Gebet des Rosenkranzes und zum missionarischen Einsatz

Der Christ, „Verkünder des Evangeliums“

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ROM, 8. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag zum Angelus gehalten hat.



Am Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz forderte der Heilige Vater die Gläubigen dazu auf, den Rosenkranz zu beten – „für den Frieden in den Familien, den Nationen und auf der ganzen Welt“ – und missionarisch zu wirken. Mit Blick auf den Weltmissionssonntag (21. Oktober) bekräftigte er: „Die Verkündigung des Evangeliums bleibt der erste Dienst, den die Kirche der Welt schuldet.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Dieser erste Sonntag im Oktober bietet uns zwei Anstöße zum Gebet und zum Nachdenken: den Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, den wir gerade heute begehen, und das missionarische Engagement, dem dieser Monat in besonderer Weise gewidmet ist. Das traditionsreiche Bild der Muttergottes vom Rosenkranz zeigt Maria, wie sie in dem einen Arm das Jesuskind hält und mit dem anderen dem heiligen Dominikus den Rosenkranz überreicht. Diese bedeutsame bildliche Darstellung zeigt, dass der Rosenkranz ein Mittel ist, das uns die Jungfrau geschenkt hat, um auf Jesus zu schauen, ihn in der Betrachtung seines Lebens zu lieben und ihm immer treuer nachzufolgen. Das ist der Auftrag, den uns die Gottesmutter auch bei verschiedenen Erscheinungen hinterlassen hat. Ich denke da insbesondere an die Erscheinung von Fatima, die sich vor 90 Jahren ereignet hat: Sie stellte sich den drei Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco als die „Muttergottes vom Rosenkranz“ vor und empfahl dann eindringlich, den Rosenkranz jeden Tag zu beten, um das Ende des Krieges zu erlangen. Auch wir wollen das mütterliche Gesuch der Jungfrau aufnehmen und uns verpflichten, den Rosenkranz voller Glauben für den Frieden in den Familien, den Nationen und auf der ganzen Welt zu beten.

Wir wissen jedoch, dass der wahre Friede sich dort verbreitet, wo die Menschen und die Institutionen sich dem Evangelium öffnen. Der Monat Oktober hilft uns, uns diese grundlegende Wahrheit dank einer besonderen Initiative neu vor Augen zu führen, die darauf abzielt, den Wunsch nach Mission in jeder Gemeinde lebendig zu erhalten und die Arbeit der Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien zu unterstützen, die an den Vorposten der Mission der Kirche wirken. Mit besonderer Sorgfalt bereiten wir uns auf die Feier des Weltmissionssonntags am kommenden 21. Oktober vor, der unter dem Thema steht: „Alle Kirchen für die ganze Welt“. Die Verkündigung des Evangeliums bleibt der erste Dienst, den die Kirche der Welt schuldet, um dem Menschen unserer Zeit, der in vielerlei Weise erniedrigt und unterdrückt ist, das Heil Christi zu bringen und um den kulturellen, sozialen und ethischen Veränderungen, die sich in der Welt ereignen, eine Orientierung im christlichen Sinn zu verleihen.

Dieses Jahr drängt uns ein weiterer Anlass zu einem erneuerten missionarischen Engagement: der 50. Jahrestag der Enzyklika „Fidei donum“ des Dieners Gottes Pius XII., die die Kooperation unter den Kirchen für die Mission „ad gentes“ förderte und ermutigte. Ich erinnere dann auch gerne daran, dass vor 150 Jahren fünf Priester und ein Laie des Instituts Don Mazza aus Verona nach Afrika, genauer in den heutigen Sudan aufbrachen. Unter ihnen befand sich der heilige Daniele Comboni, der spätere Bischof von Zentralafrika und Patron jener Völker, dessen liturgischen Gedenktag wir am 10. Oktober begehen werden.

Der Fürsprache dieses Pioniers des Evangeliums und zahlreicher anderer Heiligen und Seligen, insbesondere aber dem mütterlichen Schutz der Königin des heiligen Rosenkranzes, wollen wir alle Missionare und Missionarinnen anempfehlen. Maria möge uns dabei helfen, stets im Gedächtnis zu behalten, dass jeder Christ dazu berufen ist, mit Wort und Leben Verkünder des Evangeliums zu sein.

[Nach dem Gebet des „Engel des Herrn“ erklärte Papst Benedikt:]

Es freut mich jetzt, die Jungendlichen zu grüßen, die in den letzten Tagen die vierte Runde der römischen Stadtmission gestaltet haben, die unter dem Namen „Jesus im Zentrum“ stattfand. Ich beglückwünsche euch, liebe Freunde, da ihr die Botschaft der Liebe Gottes auf die Straßen, in einige Krankenhäuser und Schulen der Stadt gebracht habt. Die Erfahrung der Mission ist Teil der christlichen Bildung, und es ist wichtig, dass die Jungendlichen und die jungen Menschen sie selbst erleben können. Fahrt fort, für das Evangelium jeden Tag Zeugnis abzulegen, und engagiert euch großherzig in den kommenden Missionsinitiativen der Diözese Rom.

Einen besonderen Gruß richte ich dann an die Tausenden von Jugendlichen, die in der Basilika St. Paul vor den Mauern versammelt sind, wo sie an Heiligen Messe teilnehmen, die Kardinal Fiorenzo Angelini zum „Dritten Fest des Sportlers“ zelebriert. Das Fest widmet sich dem Thema „Sport, Freundschaft, Gebet“. Liebe junge Freunde, ihr seid aus ganz Latium zu diesem bedeutenden Treffen gekommen: Versteht es immer, den Sport, die Freundschaft und das geistliche Leben miteinander zu verbinden. Ein schönes Fest!

Heute wird in Italien der Tag zum Abbau der architektonischen Schranken begangen. Ich wünsche, dass die Institutionen und die einzelnen Bürger diesem sozialen Ziel immer mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen, und ich ermuntere die Arbeit, die zu diesem Zweck von der Vereinigung FIABA unter der Schirmherrschaft der höchsten staatlichen Stellen geleistet wird.

[Auf Deutsch sagte der Heilige Vater]

Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Pilger aus dem deutschen Sprachraum. Im Monat Oktober verehren wir Maria in besonderer Weise als die Königin des heiligen Rosenkranzes. Im Rosenkranzgebet schauen wir mit Maria auf Christus. Die Mutter zeigt uns ihren Sohn und will, dass auch wir ihm immer ganz nahe sind und in Gemeinschaft mit ihm leben. Vertrauen wir der Macht des Gebetes und bitten wir Maria, unsere himmlische Mutter, um ihre Fürsprache. Der Herr schenke euch allen seine Gnade.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]