Papst Benedikt XVI. begegnet der Welt der Kunst

Kunst und Kirche unterwegs zu einem neuen Bündnis

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ROM, 10. September 2009 (ZENIT.org).- Anlässlich des zehnten Jahrestages des Briefes an die Künstler von Papst Johannes Paul II. (4. April 1999) und 45 Jahre nach der historischen Begegnung Papst Pauls VI. mit der Welt der Kunst (7. Mai 1964) hat der Päpstliche Rat für die Kultur eine neue „Begegnung der Künstler mit dem Papst" organisiert. Diese wird am 21. November 2009 in der Sixtinischen Kapelle stattfinden.

Intention dieser Initiative sei es, so der Präsident des Rates, Erzbischof Gianfranco Ravasi, die Freundschaft und den Dialog zwischen der Kirche und der Welt der Kunst zu erneuern und neue Gelegenheiten zur Zusammenarbeit anzustoßen. Die Initiative wurde am heutigen Vormittag im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt, an der neben Erzbischof Ravasi der Direktor des Vatikanischen Museen, Prof. Antonio Paolucci, sowie der Verantwortliche für die Abteilung „Arte & Fede" des Päpstlichen Rates für die Kultur, Msgr. Pasquale Iacobone, teilgenommen haben.

Die zur Begegnung eingeladenen Künstler aus diversen Kontinenten vertreten die unterschiedlichen Bereiche, aus denen sich die Welt der Künste zusammensetzt. Die Zahl der geladenen Gäste ist hinsichtlich des in der Sixtinischen Kapelle vorhandenen Platzes beschränkt.
 
Vor der Begegnung mit dem Papst sind die Künstler zum Besuch der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst der Vatikanischen Museen eingeladen, die Papst Paul VI. zu verdanken.

Am Vormittag des 21. Novembers findet die Begegnung mit Papst Benedikt XVI. statt. Zur Eröffnung und zum Abschuss sind kurze Musikeinlagen geplant. Erzbischof Ravasi wird sich auch im Namen der anwesenden Künstler mit einem Grußwort an den Papst wenden, der darauf hin eine Ansprache halten wird. Nach der Verabschiedung durch den Papst wird die Begegnung mit einem Empfang im „Braccio Nuovo" der Vatikanischen Museen ihren Abschluss finden.

Während der Pressekonferenz rief Erzbischof Ravasi die von Paul VI. so bezeichnete „große Herausforderung des Künstlers" in Erinnerung, das heißt: „aus dem Himmel des Geistes dessen Schätze zu erfassen und sie in Worte, Farben, Formen und Zugangsmöglichkeiten zu kleiden". Paul VI. habe einen neuen Bund zwischen der göttlichen Inspiration des Glaubens und der schöpferischen Inspiration der Kunst wiederherstellen wollen - einen Bund, der, wie Erzbischof Ravasi erläuterte, schon seit langem zerbrochen gewesen sei.

„Die Kunst hat den Tempel verlassen, sie hat die biblischen Erzählungen, Symbole, Gestalten und sakralen Parabeln auf einem staubigen Regal verstaut und sich auf die ‚säkularen' Straßen der heutigen Zeit begeben", so Ravasi. Die Kunst habe das Konzept aufgegeben, nach der das Kunstwerk eine transzendente Sicht des Seins habe Fleisch annehmen lassen; sie habe sich sprachlichen Experimenten, komplexen Stilforschungen, selbstbezogenen Ausarbeitungen und simplen Provokationen gewidmet.
 
Ziel des Papstes sei es nun, einen Dialog der Hoffnung wiederaufzunehmen, der einem fruchtbaren Bund entspringe. Gerade auch mit Blick auf den „Brief an die Künstler" von Johannes Paul II. wolle Benedikt XVI. auf diese Weise seine Hochachtung für die Kunst bekunden und einen Beitrag zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Kunst und Kirche leisten.
 
Kunst bedeute, wie der Kurienerzbischof mit einem Wort Hermann Hesses erklärte, „in allen Dingen Gott zu zeigen". So habe die Begegnung der Kunst mit der Liturgie und der Spiritualität jenes außerordentliche Erbe hervorgebracht, das Jahrhunderte an abendländischer Geschichte bereichert habe.

Der Direktor der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, stellte seinerseits fest, dass sich bei der Begegnung „die Welt der Künste dem Nachfolger Petri mit vorhersehbarem Stolz und Genugtuung nähern wird". Eine Einladung des Papstes sei bereits an und für sich Zeichen für einen Status, der für viele mit Neugier, Misstrauen und Verlegenheit verbunden sei.

Paolucci verwies auf die Ansprache Pauls VI. zur Einweihung des Museums für moderne religiöse Kunst im Jahr 1973, als der damalige Papst zwischen sakraler und religiöser Kunst unterschieden und betont hatte, dass erstere eine ganz klar definierte Rolle einnehme, da sie für den Gottesdienst bestimmt sei. Die religiöse Kunst hingegen biete dem Künstler ein Spektrum von schöpferischen Möglichkeiten, die potentiell unendlich sind.

Paolucci hob hervor, dass „ein großer intellektueller Papst wie Benedikt XVI., ein Philosoph und Theologe seines Niveaus, gegenüber den Fragestellungen nicht unsensibel sein konnte, denen Paul VI. mit außerordentlichem prophetischen Mut entgegengetreten ist". Diese Fragestellungen sind für den Direktor der Vatikanischen Museen nach wie vor hoch aktuell. Heute gebe es nach seinen Worten besonders günstige Voraussetzungen, „dass die Kirche erfolgreich ins Spiel eintreten kann". Und kritisch merkte er an: „Es kann nicht sein, dass die Schätze der christlichen Spiritualität endgültig und unumkehrbar in einen Abgrund gestürzt werden."

Man könne jetzt nicht wissen, welche Formen von Kunst im dritten Jahrtausend auftreten würden, so Paolucci abschließend. Heute sei es nur möglich, die „Fragmente der Weisheit und der Schönheit anzuerkennen, zu ehren und in ihrem Wert hervortreten zu lassen, die eines Tages die neue ästhetische Ordnung werden bauen können".