Papst Benedikt XVI. besuchte das Krankenhaus von Pater Pio

Das Geheimnis von Krankheit und Schmerz

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ROM, 22. Juni 2009 (ZENIT.org).- Gestern Nachmittag besuchte Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Pilgerreise zum Grab des heiligen Pater Pio von Pietrelcina das Krankenhaus „Casa Sollievo della Sofferenza" (Haus zur Linderung der Leiden), das der Kapuziner 1956 eröffnet hatte.

In seiner Ansprache an die Kranken, das Gesundheitspersonal und die Pastoralbetreuer der Einrichtung rief Benedikt XVI. zu einem Dienst an den Kranken auf, der von Hingabe und Nächstenliebe durchdrungen ist. Der Papst nahm das Geheimnis der menschlichen Person in den Blick und betrachtete das „Rätsel der Krankheit", das die menschliche Vernunft nicht ergründen könne.

Pater Pio habe sich das Krankenhaus als einen „Ort des Gebetes und der Wissenschaft" vorgestellt. Er habe sich einen Ort gewünscht, „an dem sich das Menschengeschlecht im gekreuzigten Christus als eine Herde mit einem einzigen Hirten vorfinde". Diesbezüglich verwies Benedikt XVI. auf die Bedeutung der Gebetsgruppen des heiligen Pio, die in dieser Einrichtung den Mittelpunkt ihrer Sendung im Dienst der Kirche fänden.

„Pater Pio wollte", so Benedikt XVI., „dass man in dieser gut ausgestatteten Gesundheitseinrichtung gewissermaßen leibhaftig erfahren kann, dass der Einsatz der Wissenschaft bei der Behandlung von Kranken nie von einem kindhaften Vertrauen zu Gott getrennt werden darf, der unendlich zart und barmherzig ist."

Jedes Mal, wenn man einen Ort der Krankenpflege betrete, richte sich der Gedanke auf das Geheimnis von Krankheit und Schmerz, „auf die Hoffnung auf Heilung sowie auf den unschätzbaren Wert der Gesundheit, dessen man sich oft erst dann bewusst wird, wenn sie abhanden gekommen ist". Der Papst betonte, dass es die Kirche von ihren Ursprüngen an als eine ihr eigene Pflicht und ihr eigenes Privileg erachte, dem Leidenden nahe zu sein und den Kranken in besonderer Weise zu dienen.

Die Krankheit rufe beunruhigende existentielle Fragen wach: „Warum leiden wir? Kann die Erfahrung des Schmerzes für positiv erachtet werden? Wer kann uns von Leid und Tod befreien?" All diese Fragen seien auf menschlicher Ebene zumeist nicht zu beantworten.

Mit Worten aus seiner zweiten Enzyklika Spe salvi betonte der Papst, dass das Leid Teil des Geheimnisses der menschlichen Person sei: „Es folgt zum einen aus unserer Endlichkeit, zum anderen aus der Masse der Schuld, die sich in der Geschichte angehäuft hat und auch in der Gegenwart unaufhaltsam wächst... Natürlich muss man alles tun, um Leid zu mindern... aber ganz aus der Welt schaffen können wir es nicht - einfach deshalb nicht, weil... niemand von uns imstande ist, die Macht des Bösen... aus der Welt zu schaffen, die immerfort... Quell von Leiden ist" (Nr. 36).

Nur Gott könne die Macht des Bösen aus der Welt schaffen, so Papst Benedikt, der anschließend auf die innige Verbindung hinwies, die „zwischen dem Kreuz Jesu - Symbol des höchsten Schmerzes und Preis unserer wahren Freiheit - und unserem Schmerz" bestehe, „der sich verwandelt und erhöht wird, wenn er im Bewusstsein der Nähe und Solidarität Gottes erfahren wird".

Papst Benedikt XVI. schloss mit dem eindringlichen Appell, „Liebesreservoirs" zu sein. Pater Pio selbst hatte nämlich einmal erklärt, dass die Patienten, Ärzte und Priester in seinem Krankenhaus solche „Reservoirs der Liebe" seien und dass man als ein solcher Vorratsbehälter umso voller sei, je mehr Liebe man an die anderen Menschen austeile.