Papst Benedikt XVI. bittet Frankreich, Gleichheit und Brüderlichkeit vorzuleben

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ROM, 20. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich des Antrittsbesuch des neuen offiziellen Repräsentanten der Republik Frankreich beim Heiligen Stuhl rief Papst Benedikt XVI. am Montag die französischen Politiker dazu auf, auf die im Oktober ausgebrochenen Krawalle zu antworten und angesichts der anwachsenden Zahl von Einwanderern den Werten Gleichheit und Brüderlichkeit zum Durchbruch zu verhelfen.



In seiner Ansprache nahm der Heilige Vater auf die \"große Unzufriedenheit\" vieler junger Menschen Bezug, die am 27. Oktober in einem Pariser Vorort den 22 Tage währenden Reigen gewalttätiger Ausschreitungen ausgelöst hatte. Einen traurigen Höhepunkt erreichten sie an jenem Wochenende, an dem rund 1.300 Autos sowie mehrere Kirchen, Schulen und Geschäfte in Brand gesteckt wurden. Mehrere Polizisten wurden verletzt, rund 400 aufgebrachte Jugendliche wurden festgenommen (vgl. ZENIT vom 7. November 2005)).

Für die schwersten Ausschreitungen in Frankreich seit Mai 1968 hatte man in der Folge das Problem der Verstädterung, die hohe Arbeitslosigkeit unter den jungen Menschen sowie die Instabilität der Familien verantwortlich gemacht.

Benedikt XVI. verurteilte die Gewalttätigkeit, wies aber zugleich darauf hin, dass sie ein Warnsignal sei und dazu auffordere, die Wünsche der jungen Menschen \"bewusst in Betracht zu ziehen\" Wie Erzbischof Jean-Pierre Ricard von Bordeaux, Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz, gesagt habe, müsse man bedenken, \"dass die Jugend eine Antwort auf die dramatischen gesellschaftlichen Spannungen erwartet\".

Die Familien vieler Einwanderer hätten \"nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg maßgeblich zur Entwicklung der französischen Nation beigetragen\", betonte der Papst. Nun sei es an der Zeit, ihnen und ihren Nachkommen für diesen \"wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Beitrag zu danken\". Die meisten dieser Einwanderer seien zu wirklichen Franzosen geworden, fuhr der Heilige Vater fort. Deshalb stehe Frankreich heute vor der Herausforderung, \"die Werte Gleichheit und der Brüderlichkeit zu fördern, die ein konstituierender Bestandteil der französischen Identität sind\". Nur so könne man einander friedlich begegnen und sich mit allen vorhandenen Unterschieden annehmen. Die so entstehende \"Kultur des Miteinanders\" könne dann zum Träger \"grundlegender moralischer und geistiger Werte\" werden.

Benedikt XVI. sprach in seiner Ansprache vor dem französischen Botschafter auch die fundamentale Bedeutung der Familie an. Dieser Institution müsse man in der Politik besondere Aufmerksamkeit schenken, denn sie durch keine andere Form des Miteinanders ersetzen werden könne.

Angesichts der zunehmenden Tendenz, \"den Menschen insbesondere in den ersten Augenblicken des Lebens als bloßen Gegenstand der Forschung zu betrachten\", sei es wichtig, \"ethische Fragen nicht nur aus wissenschaftlicher, sondern auch aus menschlicher Sicht zu betrachten\". Diese Sichtweise müsse im öffentlichen Diskurs respektiert werden. Wenn dem nicht so ist, \"ist es schwierig, eine Gesellschaft aufzubauen, in der alle Mitglieder unterschiedslos akzeptiert werden\".