Papst Benedikt XVI.: Christen und Juden, Zeugen der Liebe Gottes

Empfang für die Delegation des „Jewish Committee on Interreligious Consultations” im Vatikan

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ROM, 30. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Christen und Juden sollen in der von Armut, Gewalt und Ausbeutung geprägten Welt ein gemeinsames Zeugnis von der Liebe Gottes ablegen. Mit dieser Bschaft wandte sich Papst Benedikt XVI. am heutigen Vormittag an eine Delegation der jüdischen Organisation „International Jewish Committee on Interreligious Consultations“. Die Delegation wurde vom Rabbiner David Rosen angeführt.



In seiner Ansprache vor dem Komitee betonte der Papst das wachsende gegenseitige Verständnis unter Katholiken und Juden. Er bekräftigte erneut den Einsatz der Kirche für die Prinzipien, die in der historischen Erklärung des II. Vatikanischen Konzils Nostra aetrate erklärt worden sind. Die Erklärung verurteile eindeutig alle Formen von Antisemitismus. Dieses Dokument repräsentiere einen bedeutsamen Meilenstein in der langen Geschichte der katholisch-jüdischen Beziehungen. Gleichzeitig sei es „eine Einladung zu einem erneuerten theologischen Verständnis der Beziehungen zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“.

Die Christen seien sich heute immer mehr des geistlichen Erbes bewusst, das sie mit dem Volk der Torah teilten, „dem von Gott in seiner unaussprechlichen Barmherzigkeit erwählten Volk, ein Erbe, das zu größerer gegenseitiger Wertschätzung, Achtung und Liebe aufruft“.

Auf der anderen Seite, so der Papst, seien auch die Juden dazu aufgerufen, das zu entdecken, was sie mit jenen gemeinsam hätten, die an den Herrn glauben, an den Gott Israels, der sich durch sein Wort offenbart hat. Dieses Wort dränge dazu, „gemeinsames Zeugnis für die Barmherzigkeit, Wahrheit und Liebe Gottes abzulegen“. Dabei handle es sich um einen lebenswichtigen Dienst in unserer Zeit, die Gefahr laufe, jene geistlichen und moralischen Werte zu verlieren, die die Würde des Menschen, die Solidarität, die Gerechtigkeit und den Frieden gewährleisten.

„In unserer unruhigen Welt, die so oft von Armut, Gewalt und Ausbeutung gekennzeichnet ist, muss der Dialog zwischen den Kulturen und Religionen immer mehr als eine heilige Pflicht gesehen werden, die allen auferlegt ist, die sich für den Aufbau einer menschenwürdigen Welt einsetzen.“ Die Fähigkeit, einander zu akzeptieren und zu respektieren und dabei die Wahrheit in der Liebe zu sagen, ist für Benedikt XVI. wesentlich, um Unterschiede zu überwinden, Unverständnis vorzubeugen und unnütze Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Ein Dialog aber sei nur dann aufrichtig und ehrlich, wenn er die Unterscheide respektiere und die anderen gerade in ihrer Andersheit anerkenne. Ein aufrichtiger Dialog erfordere von beiden Seiten sowohl Offenheit als auch ein ausgeprägtes Bewusstsein der eigenen Identität, um es einem jeden zu gestatten, durch die Geschenke des anderen bereichert zu werden.

Benedikt XVI. erinnerte seine Gäste an die Begegnungen, die er in den letzten Monaten mit den jüdischen Gemeinden in New York, Paris und im Vatikan hatte. Diese Begegnungen spiegelten die Fortschritte in den katholisch-jüdischen Beziehungen wieder.

Abschließend ermunterte der Papst das Komitee, mit seiner wichtigen Arbeit fortzufahren, dies auch im Ausblick auf das Treffen im kommenden Monat in Budapest mit einer Delegation der vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum. Die Begegnung wird unter dem Thema „Religion und Zivilgesellschaft heute stehen.

Rabbiner David Rosen dankte dem Heiligen Vater für sein Engagement gegen jede Form von Antisemitismus und brachte seine Zufriedenheit hinsichtlich der klärenden Worte zum Ausdruck, die der Änderung der Karfreitagsfürbitte für die Juden im Alten Ritus gefolgt waren. Rosen beräftigte die Bitte, dass Forschern Zugang zu den vatikanischen Archiven gewährt werde, in denen die Dokumente der Zeit des Nationalsozialismus und Faschismus aufbewahrt werden, und verlieh abschließend seiner Solidarität für jene Christen Ausdruck, die in Indien, im Irak und in Süd-Ost-Asien der Gewalt zum Opfer fallen.