Papst Benedikt XVI.: Christliche und menschliche Ideale in Europa stärken

Empfang für den neuen ungarischen Vatikan-Botschafter

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ROM, 19. Februar 2009 (ZENIT.org).- Beim Empfang des neuen Botschafters der Republik Ungarn beim Heiligen Stuhl, János Balassa, bekräftigte Papst Benedikt XVI. am 2. Februar eines seiner großen Anliegen: Neben der Stärkung der christlichen und menschlichen Werte in Europa sollte die Politik Wege finden, um die Familie - „diesen Grundbaustein unserer Gesellschaft, das Herzstück jeder Kultur und Nation" - zu schützen.

„Insbesondere kann die Regierung die Familie unterstützen, indem sie sicherstellt, dass die Eltern ihr Grundrecht wahrnehmen können, die ersten Erzieher ihrer Kinder zu sein, was die Möglichkeit einschließt, ihre Kinder in Konfessionsschulen zu schicken, wenn sie es wünschen."

Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Ansprache des Heiligen Vaters an den ungarischen Botschafter.

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Exzellenz!

Ich freue mich, Sie zu Beginn Ihrer Mission willkommen zu heißen und das Beglaubigungsschreiben entgegenzunehmen, durch das Sie als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Ungarn beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Ich danke Ihnen für Ihre freundlichen Worte und für die Grüße von seiten des Staatspräsidenten, Herrn László Sólyom. Bitte übermitteln Sie ihm meine hochachtungsvollen guten Wünsche und die Versicherung meines Gebets für das ganze Volk Ihrer Nation.

Die Wiederaufnahme der vollen diplomatischen Beziehungen zu den Ländern des ehemaligen Ostblocks nach den einschneidenden Ereignissen von 1989 hat neue Horizonte der Hoffnung für die Zukunft eröffnet. In den 20 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat Ungarn große Fortschritte gemacht beim Aufbau der Strukturen einer freien und demokratischen Gesellschaft, die in der Lage und bereit ist, in einer zunehmend globalisierten Weltgemeinschaft ihren Beitrag zu leisten. Wie Sie gesagt haben, müssen die Kräfte, die Wirtschaft und Politik in der modernen Welt lenken, die richtige Ausrichtung erhalten. Mit anderen Worten, sie müssen auf eine ethische Grundlage gestellt werden, die der Würde und den Rechten der menschlichen Person sowie dem Gemeinwohl der Menschheit Priorität gibt. Angesichts seines starken christlichen Erbes, das über 1000 Jahre zurückreicht, besitzt Ungarn gute Voraussetzungen, um zur Förderung dieser humanen Ideale in der Europäischen Gemeinschaft und in der größeren Weltgemeinschaft beizutragen, und ich hoffe, daß unsere diplomatischen Beziehungen dazu dienen werden, diese lebenswichtige Dimension des Beitrags Ihres Landes zu den internationalen Angelegenheiten zu unterstützen.

Die Wiedererlangung der Freiheit hat manchmal die Gefahr mit sich gebracht, daß diese christlichen und menschlichen Ideale, die in der Geschichte und Kultur einzelner Völker sowie des ganzen europäischen Kontinents so tief verwurzelt sind, durch andere ersetzt werden, die auf falschen Vorstellungen vom Menschen und seiner Würde gründen und für die Entwicklung einer wirklich gedeihenden Gesellschaft schädlich sind. In meiner Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2008 habe ich die grundlegende Bedeutung der Familie für den Aufbau friedlicher gemeinschaftlicher Beziehungen auf jeder Ebene hervorgehoben.

In großen Teilen des modernen Europa wird die entscheidende Rolle, die die Familie für das menschliche Zusammenleben spielt, durch falsche Denkweisen in Frage gestellt oder sogar gefährdet, was manchmal in aggressiven Strategien im sozialen und politischen Bereich zum Ausdruck kommt. Ich hoffe ernsthaft, daß Wege gefunden werden, um diesen Grundbaustein unserer Gesellschaft, das Herzstück jeder Kultur und Nation, zu schützen. Insbesondere kann die Regierung die Familie unterstützen, indem sie sicherstellt, daß die Eltern ihr Grundrecht wahrnehmen können, die ersten Erzieher ihrer Kinder zu sein, was die Möglichkeit einschließt, ihre Kinder in Konfessionsschulen zu schicken, wenn sie es wünschen.

Die katholische Kirche in Ungarn hat den Übergang von der Zeit der totalitären Herrschaft zur Freiheit, die Ihr Land jetzt genießt, besonders intensiv erlebt. Nach jahrzehntelanger Unterdrückung, getragen vom heroischen Zeugnis so vieler Christen, ist sie hervorgetreten, um in einer veränderten Gesellschaft ihren Platz einzunehmen, wieder in der Lage, frei das Evangelium zu verkünden. Sie sucht keine Privilegien für sich selbst, sondern ist darauf bedacht, ihre Rolle im Leben der Nation zu spielen, getreu ihrem Wesen und ihrer Sendung. Der Prozeß zur Umsetzung der Vereinbarungen zwischen Ungarn und dem Heiligen Stuhl geht weiter – ich denke an das kürzlich unterzeichnete Memorandum über die religiöse Betreuung der Streitkräfte und der Grenzpolizei –, und ich bin zuversichtlich, daß alle noch ungeklärten Fragen, die das Leben der Kirche in Ihrem Land betreffen, im Geist des Wohlwollens und des fruchtbaren Dialogs gelöst werden, der unsere diplomatischen Beziehungen seit ihrer so glücklichen Wiederherstellung geprägt hat.

Exzellenz, ich hoffe, daß die diplomatische Mission, die Sie heute antreten, die bereits bestehenden Bande der Freundschaft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Ungarn weiter festigen möge. Ich versichere Ihnen, daß die verschiedenen Ämter der Römischen Kurie stets bereit sind, Hilfe und Unterstützung bei der Erfüllung Ihrer Pflichten anzubieten. Mit meinen aufrichtigen guten Wünschen rufe ich auf Sie, Ihre Familie und alle Ihre Mitbürger reichen Segen des Friedens und des Wohlergehens herab. Gott segne Ungarn!

   

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