Papst Benedikt XVI.: Christus ist der wahre Arzt des Leibes und der Seele

Angelusgebet im Zeichen des Welttags der Kranken

| 1330 klicks

ROM, 9. Februar 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, am fünften Sonntag im Jahreskreis, zum Angelus gehalten hat. Der Heilige Vater betonte angesichts des bevorstehenden Welttags der Kranken (11. Februar), dass Christus der wahre Arzt des Leibes und der Seele sei.

„Jesus lässt keinen Zweifel daran: Gott – dessen Antlitz er selbst uns offenbart hat – ist der Gott des Lebens, der uns von allem Bösen befreit. Die Zeichen dieser seiner Macht der Liebe sind die Heilungen, die er vollbringt... Sie führen zur Botschaft Christi, sie führen uns zu Gott und lassen uns verstehen, dass die wahre und schlimmste Krankheit des Menschen die Abwesenheit Gottes ist, des Quells der Wahrheit und der Liebe. Und allein die Versöhnung mit Gott kann uns die wahre Heilung, das wahre Leben schenken, denn ein Leben ohne Liebe und ohne Wahrheit wäre kein Leben.“

* * *

Liebe Brüder und Schwestern!

In engem Zusammenhang mit dem letzten Sonntag stellt uns das heutige Evangelium (vgl. Mk 1,29-39) Jesus vor, der nach seiner Predigt am Sabbat in der Synagoge von Kafarnaum viele Kranke heilt, angefangen bei der Schwiegermutter Simons. Als er in sein Haus kam, findet er sie mit Fieber im Bett vor, und sofort fasst er sie an der Hand und richtet sie auf. Als die Sonne untergegangen war, heilt er eine Schar von Menschen, die an allen möglichen Krankheiten leiden. Die Erfahrung der Heilung der Kranken hat einen Großteil der öffentlichen Sendung Christi eingenommen und lädt uns erneut ein, über den Sinn und den Wert der Krankheit in jeder Lebenslage nachzudenken, in die ein Mensch geraten kann. Diese Gelegenheit gibt uns auch der Welttag der Kranken, den wir am kommenden Mittwoch, den 11. Februar, begehen werden, dem liturgischen Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes.

Obwohl die Krankheit Teil der menschlichen Erfahrung ist, gelingt es uns nicht, uns an sie zu gewöhnen, dies nicht allein deshalb, weil sie manchmal wirklich hart und schwer wird, sondern im Wesentlichen weil wir für das Leben geschaffen sind, für das vollkommene Leben. Zurecht lässt uns unser „innerer Instinkt“ an Gott als die Fülle des Lebens denken, ja, mehr noch: als ewiges und vollkommenes Leben. Wenn wir vom Übel geprüft werden und unsere Gebete nutzlos zu sein scheinen, so steigt in uns Zweifel hoch, und verängstigt fragen wir uns dann: Was ist der Wille Gottes? Gerade auf diese Frage finden wir im Evangelium die Antwort. So lesen wir zum Beispiel im heutigen Abschnitt: „Jesus heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus“ (Mk 1,34). An einer anderen Stelle des Matthäusevangeliums heißt es: „Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 4,23). Jesus lässt keinen Zweifel daran: Gott – dessen Antlitz er selbst uns offenbart hat – ist der Gott des Lebens, der uns von allem Bösen befreit. Die Zeichen dieser seiner Macht der Liebe sind die Heilungen, die er vollbringt: So zeigt er uns, dass das Reich Gottes nahe ist, indem er Männern und Frauen ihre volle seelische und leibliche Unversehrtheit zurückerstattet. Ich sage, dass diese Heilungen Zeichen sind: Sie führen zur Botschaft Christi, sie führen uns zu Gott und lassen uns verstehen, dass die wahre und schlimmste Krankheit des Menschen die Abwesenheit Gottes ist, des Quells der Wahrheit und der Liebe. Und allein die Versöhnung mit Gott kann uns die wahre Heilung, das wahre Leben schenken, denn ein Leben ohne Liebe und ohne Wahrheit wäre kein Leben. Das Reich Gottes ist nämlich die Gegenwart von Wahrheit und Liebe, uns so ist es Heilung in der Tiefe unseres Seins.

Dank des Wirkens der Heiligen Geistes setzt sich das Werk Jesu in der Sendung der Kirche fort. Durch die Sakramente ist es Christus, der sein Leben einer Vielzahl von Brüdern und Schwestern mitteilt, während er zahlreiche Kranke durch viele Hilfs-Initiativen für Kranke heilt und tröstet, die die christlichen Gemeinden in brüderlicher Nächstenliebe voranbringen und auf diese Weise das Antlitz Gottes sehen lassen, seine Liebe. In der Tat: Wie viele Christen – Priester, Ordensleute und Laien – haben überall auf der Welt ihre Hände, ihre Augen und ihre Herzen Christus, dem wahren Arzt des Leibes und der Seele, zur Verfügung gestellt und tun dies weiter! Beten wir für alle Kranken, besonders für die Schwerstkranken, denen es in keiner Weise möglich ist, für sich selbst zu sorgen, sondern die völlig von der Fürsorge anderer abhängig sind: Ein jeder von ihnen möge in der Sorge jener, die ihnen beistehen, die Macht der Liebe Gottes und den Reichtum seiner rettenden Gnade erfahren können. Maria, Heil der Kranken, bitte für uns!

[Nach dem „Engel des Herrn“ begrüßte der Heilige Vater die Gläubigen. Auf Deutsch sagte er:]

Ein herzliches Grüß Gott sage ich allen Pilgern und Besuchern aus den Ländern deutscher Sprache. Der Evangelist Markus berichtet uns, wie Jesus in der Stille betet und Krankheiten heilt.

Die Gemeinschaft mit dem Vater, die sich im Gebet verwirklicht, ist die Voraussetzung dafür, dass Heilung geschehen kann. Christus offenbart die Liebe Gottes. Und er will, dass auch wir mit ihm eins sind und lernen, aus einer tiefen Gottesbeziehung zu leben und so das wirkliche Leben und die Liebe für die anderen zu erlernen, die die heilende Kraft in der Welt ist. Schöpfen wir unentwegt aus diesem Lebensquell, dann können wir wirklich Gutes tun und für die Menschen da sein. Der Herr gebe euch Kraft und schenke euch seinen Segen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2009 – Libreria Editrice Vaticana]