Papst Benedikt XVI.: Das Geschenk einer wahren Umkehr

„Es ist der Glaube, der den Menschen rettet“

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ROM, 15. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater, der das Tagesevangelium betrachtete (Jesus heilt zehn Aussätzige), wies auf die grundlegende Bedeutung von Glauben und Dankbarkeit hin und ermutigte die Gläubigen zu einer wahren Umkehr. „Es ist der Glaube, der den Menschen rettet, indem er ihn in seiner tiefen Beziehung mit Gott, mit sich selbst und mit den anderen wiederherstellt; und der Glaube kommt in der Dankbarkeit zum Ausdruck.“

Im Hinblick auf die Abschlussfeiern zur 90-Jahr-Feier der Marienerscheinungen von Fatima (Portugal) gab Benedikt XVI. den Zehntausenden von Pilgern den Rat, in ihrem Bemühen um ein immer tieferes christliches Leben die Hilfe der Mutter Jesu zu suchen. „Maria ist die Zuflucht und der Weg, der zu Gott führt.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Das Evangelium des heutigen Sonntags zeigt uns Jesus, wie er zehn Aussätzige heilt, von denen nur einer, ein Samariter und somit ein Fremder, umkehrt, um ihm zu danken (vgl. Lk 17,11-19). Zu ihm sagt der Herr: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen“ (Lk17,19). Dieser Abschnitt des Evangeliums lädt uns zu einer zweifachen Überlegung ein. Vor allem lässt er uns an zwei Ebenen der Heilung denken: die eine – sie ist oberflächlicher – betrifft den Leib, und die andere – sie ist tiefer – berührt das Innerste des Menschen, das, was die Bibel das „Herz“ nennt und von dort auf das ganze Dasein ausstrahlt.

Die vollständige und radikale Heilung ist das „Heil“. Die Umgangsprache, in der zwischen „Gesundheit“ und „Heil“ unterschieden wird, lässt uns erkennen, dass das Heil bedeutend mehr ist als Gesundheit. Es ist nämlich ein neues, vollkommenes, endgültiges Leben. Darüber hinaus spricht Jesus hier wie bei anderen Gelegenheiten das Wort aus: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Es ist der Glaube, der den Menschen rettet, indem er ihn in seiner tiefen Beziehung mit Gott, mit sich selbst und mit den anderen wiederherstellt; und der Glaube kommt in der Dankbarkeit zum Ausdruck. Wer es wie der geheilte Samariter versteht zu danken, beweist, dass er nicht alles so betrachtet, als hätte er einen Anspruch darauf, sondern als ein Geschenk, das – auch dann, wenn es vom Menschen kommt oder von der Natur – im Letzten von Gott stammt. Der Glaube bringt also die Öffnung des Menschen für die Gnade Gottes mit sich; die Erkenntnis, dass alles Geschenk, alles Gnade ist. Welch großen Schatz birgt das kleine Wort „Danke“!

Jesus heilt zehn Menschen, die an Aussatz leiden, einer Krankheit, die damals als „ansteckende Unreinheit“ galt, die eine rituelle Reinigung erforderte (Lev 14,1-37). Der Aussatz, der den Menschen und die Gesellschaft wirklich entstellt, ist in Wahrheit die Sünde. Es sind der Stolz und der Egoismus, die im Gemüt des Menschen Gleichgültigkeit, Hass und Gewalt hervorbringen. Diesen Aussatz des Geistes, der das Antlitz der Menschheit verunstaltet, kann niemand heilen, es sei denn Gott, der die Liebe ist. Wenn der Mensch, der umkehrt, sein Herz Gott öffnet, wird er innerlich von Übel geheilt.

„Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (vgl. Mk 1,15). Jesus hat sein öffentliches Leben mit dieser Aufforderung begonnen, die in der Kirche weiterhin erklingt, so dass sogar die allerseligste Jungfrau diesen Aufruf bei ihren Erscheinungen vor allem in der jüngsten Vergangenheit immer erneuert hat. Heute denken wir vor allem an Fatima, wo die Jungfrau genau vor 90 Jahren, vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917, den drei Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco erschienen ist. Dank Radio und Fernsehen möchte ich in jenem Marienheiligtum geistig anwesend sein, wo Kardinal-Staatsekretär Tarcisio Bertone in meinem Namen den Abschlussfeierlichkeiten zum so bedeutsamen Jahrestag vorgestanden hat. Ihn, die anderen anwesenden Kardinäle und Bischöfe, die Priester, die im Heiligtum arbeiten, und die Pilger, die zu dieser Gelegenheit aus allen Teilen der Welt hingekommen sind, grüße ich herzlich. Die Muttergottes bitten wir für alle Christen um das Geschenk einer wahren Umkehr, auf dass die ewige Botschaft des Evangeliums, die der Menschheit den Weg des wahren Friedens weist, mit Wahrhaftigkeit und Treue verkündet und bezeugt werde.

[Nach dem Gebet des „Engel des Herrn“ erklärte der Heilige Vater auf Portugiesisch:]

In diesen meinen Segen für alle, die mit mir das Gebet des Angelus beten – sei es, dass sie persönlich anwesen sind, sei es, dass sie über die Medien mit uns verbunden sind – schließe ich alle Pilger ein, die im Heiligtum von Fatima in Portugal versammelt sind. Auch nach 90 Jahren erklingen dort die Aufrufe der Jungfrau Maria, die ihren Kindern aufträgt, ihre Taufweihe in jedem Augenblick ihrer Existenz zu leben. Alles wird möglich und alles leichter, wenn man den Auftrag erfüllt, den Jesus vom Kreuz aus Maria mitgegeben hat, als er sagte: „Frau, siehe dein Sohn!“ Maria ist die Zuflucht und der Weg, der zu Gott führt. Konkretes Zeichen dieses Auftrags ist das tägliche Gebet der Terz.

Während ich den Legaten Kardinal Tarcisio Bertone, den Bischof von Leiria-Fatima und den gesamten portugiesischen Episkopat sowie die anwesenden Bischöfe und jeden Pilger in Fatima grüße, rufe ich alle auf, ihre Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens persönlich zu erneuern und diesen Moment des Kultes in einer immer größeren Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen, in einer Dienstgesinnung, wie ihn die Kinder haben, und in einem Geist der frommen Nachahmung seiner himmlischen Königin zu leben. Vergesst nie den Papst!

[Auf Deutsch sagte der Papst]:

Mit Freude heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Besonders begrüße ich heute die Musiker, Förderer und Gäste des Internationalen Festivals der Stiftung „Pro Musica e Arte Sacra“, die Chorgemeinschaft Pörtner aus dem Westerwald und den Singkreis Bad Hofgastein. Im Tagesgebet dieses Sonntags bitten wir Gott um seine Gnade, damit wir sein Wort im Herzen bewahren und immer bereit sind, das Gute zu tun. Die selige Jungfrau Maria sei uns dabei Vorbild und Helferin. – Der Herr segne euch und eure Familien!

[Mit Blick auf die Situation im Irak formulierte Benedikt XVI. abschließend auf Italienisch folgenden Appell]:

Tagtäglich erreichen uns aus dem Irak nach wie vor ernst zu nehmende Nachrichten über Attentate und Gewalttätigkeiten, die die Gewissen derer erschüttern, denen das Wohl dieses Landes und der Frieden in der Region am Herzen liegt. Heute habe ich unter anderem von der Entführung zweier guter Priester der syro-katholischen Erzdiözese von Mosul erfahren, die mit dem Tod bedroht werden. Ich appelliere an die Entführer, dass sie die beiden Priester frei lassen, betone von neuem, dass Gewalt die Spannungen nicht vermindert, und erhebe für ihre Befreiung, für alle, die unter Gewalt leiden, und für den Frieden ein flehendliches Gebet zum Herrn.

[ZENIT-Übersetzung; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]