Papst Benedikt XVI.: Das Kreuz ist der Mittelpunkt des Lebens

Generalaudienz im Zeichen des heiligen Theologen und Ordensmanns Petrus Damiani

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ROM, 9. September 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat dazu ermutigt, den Blick immer fest auf das Kreuz zu richten, diesen höchsten Akt der Liebe Gottes zum Menschen, durch den den Menschen das Heil geschenkt wurde, und es zu verstehen, in sich still zu sein, um im Gebet und in


der Betrachtung der Heiligen Schrift die Stimme Gottes zu hören: Das sei auch heute eine wichtige Aufgabe, und zwar nicht nur für Ordensleute.

Mit dieser Botschaft wandte sich der Papst heute, Mittwoch, an die Teilnehmer der Generalaudienz. Er setzte die Vorstellung bedeutender heiliger Theologen von den Anfängen des Christentums bis hinein ins Mittelalter fort und stellte den Gläubigen Petrus Damiani (*um 1006 in Ravenna; † 22./23. Februar 1072 in Faenza) vor.
 
Petrus Damiani, ein Mönch, Liebhaber der Einsamkeit und gleichzeitig ein gänzlich unerschrockener Kirchenmann, habe sich persönlich für das Reformwerk der Päpste seiner Zeit eingesetzt. Indem Benedikt XVI. die Charakterzüge eines Mannes nachzeichnete, den er als „eine der bedeutendsten Gestalten des 11. Jahrhunderts“ bezeichnete, rief er den Audienzteilnehmern ins Gedächtnis, dass für den heiligen Petrus Damiani die Zelle des Einsiedlers ein Gesprächsraum gewesen sei, „wo
sich Gott mit dem Menschen unterhält“. Für Damiani sei das Eremitendasein der Höhepunkt des christlichen Lebens und aller Lebenszustände gewesen.

„Dies ist auch heute wichtig für uns, die wir keine Mönche sind“, fügte der Papst in freier Rede hinzu: „Es in uns still werden lassen zu können, um die Stimme Gottes zu hören, um sozusagen einen Gesprächsraum zu suchen, wo Gott mit uns spricht, und in der Stille des Gebetes und der Betrachtung das Wort Gottes und den Weg des Lebens zu lernen“ - darum gehe es gerade heute.

Während Benedikt XVI. über das „ideale Bild der heiligen Kirche“ sprach, das Petrus Damiani umrissen habe, merkte er an, dass dieses nicht der Wirklichkeit seiner Zeit entsprochen habe, was der Heilige auch gewusst hätte. Aus diesem Grund „hat er keine Angst davor, den bestehenden Zustand der Korruption in den Klöstern und unter dem Klerus anzuklagen“. Er habe dies auch dann getan, als Bischöfe und Äbte sich eher als Regenten von Untertanen benommen hätten denn als Seelenhirten, und als nicht selten ihr moralisches Leben verroht gewesen sei.

Unter Zuhilfenahme der Ausdrucksformen der „tiefen Theologie“ des heiligen Petrus Damiani, zitierte der Papst die Sicht der universalen Kirche als der „einen Braut Christi in der Einzahl“. Nicht nur im Inneren der universalen Kirche, sondern auch in einem jeden Christen sollte die Kirche in ihrer Totalität gegenwärtig sein.

Der Papst ermahnte die Gläubigen, sich von den Tätigkeiten, Problemen und Sorgen des Alltags nicht vollständig vereinnahmen zu lassen und so zu vergessen, dass Jesus wirklich im Mittelpunkt des Lebens stehen müsse.

Petrus Damiani, „ein feiner Theologe“, ziehe aus der Lehre über die göttliche Dreifaltigkeit „asketische Schlüsse für das Leben in Gemeinschaft und für die Beziehungen unter den lateinischen und griechischen Christen, die diesbezüglich getrennt waren“. Christus müsse, wie der Heilige bekräftigt habe, „im Mittelpunkt des Lebens des Ordensmannes stehen“. Aber diese innige Einheit mit Christus nehme nicht nur Ordensleute in die Pflicht, sondern ebenso jeden Getauften.
 
Im Studium und in der täglichen Betrachtung der Heiligen Schrift habe Petrus Damiani die mystischen Bedeutungen des Wortes Gottes entdeckt und in ihnen „Nahrung für sein geistliches Leben“ gefunden. So habe der Heilige „aus dem monastischen Leben ein beredtes Zeugnis des Primats Gottes gemacht“, und so habe er alle dazu aufgefordert, frei von allen weltlichen Kompromissen mit dem Bösen in Richtung Heiligkeit voranzuschreiten, wie Benedikt XVI. zum Abschluss seiner Katechese bekräftigte.

Es sei eine große Gnade, dass Gott im Leben der Kirche derartig überschwängliche, reiche und vielschichtige Persönlichkeiten zum Vorschein bringe, fügte er hinzu. „Er war Mönch bis ins Letzte“, und ihn charakterisiere auch eine besondere Strenge, „die uns heute als übermäßig erscheinen könnte“. Auf diese Weise habe der Heilige aber aus dem monastischen Leben ein beredtes Zeugnis für die Vorherrschaft Gottes gemacht.