Papst Benedikt XVI.: Das Sakrament der Versöhnung, eine Art innere Auferstehung

Jesu selbslose Dienstbereitschaft sollte das Herz jedes Menschen erfüllen

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ROM, 16. Februar 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, am sechsten Sonntag im Jahreskreis, zum Angelus gehalten hat. Der Heilige Vater betrachtete das Sonntagsevangelium über die Heilung eines Aussätzigen. Was den Menschen von Gott trenne, sei aber nicht die Krankheit, sondern die Sünde.

„Die Sünden, die wir begehen, entfernen uns von Gott. Wenn sie nicht demütig im Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit bekannt werden, bewirken sie sogar den Tod der Seele.“ Im Sakrament der Vergebung reinige Jesus den Menschen, versöhne ihn mit Gott und den Brüdern und Schwestern und schenke alle seine Liebe, seine Freude und seinen Frieden.

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Liebe Brüder und Schwestern!

An diesen Sonntagen hat uns der Evangelist Markus dazu eingeladen, über eine ganze Reihe verschiedener Wunderheilungen nachzudenken. Heute legt er uns eine ganz besondere vor: die Heilung des Aussätzigen. (vgl. Mk 1,40-45), der zu Jesus kam und ihn auf Knien anflehte: „Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde." Jesus hatte Mitleid mit ihm, streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Ich will es - werde rein!" Sofort war jener Mann geheilt, den Jesus bat, zu niemandem über das, was geschehen war, zu sprechen und sich den Priestern zu zeigen, um das Reinigungsopfer darzubringen, welches das Gesetz des Moses anordnete. Dem geheilten Aussätzigen hingegen gelang es nicht zu schweigen; er ging ganz im Gegenteil davon und erzählte allen, was ihm geschehen war, so dass die Kranken - wie der Evangelist berichtet - noch zahlreicher von überall her zu Jesus kamen, bis dieser gezwungen war, sich außerhalb der Städte aufzuhalten, um nicht von den Leuten bedrängt zu werden.

Jesus sagte zum Aussätzigen: „Werde rein!" Nach dem alten jüdischen Gesetz (vgl. Lev 13-14) wurde der Aussatz nicht nur als eine Krankheit, sondern als die schwerste Form der „Unreinheit" gesehen. Es war Sache der Priester, ihn zu diagnostizieren und den Kranken für unrein zu erklären, der von der Gemeinschaft entfernt werden und außerhalb des Wohngebietes bleiben musste - bis zu seiner eventuellen und mit Gewissheit bestätigten Heilung. Der Aussatz bildete somit eine Art religiösen und gesellschaftlichen Tod, und die Heilung davon war eine Art Auferstehung. Im Aussatz kann ein Symbol für die Sünde wahrgenommen werden, die die eigentliche Unreinheit des Herzens darstellt und uns von Gott entfernt. Es ist nämlich nicht die körperliche Krankheit des Aussatzes, wie es die alten Gesetze annahmen, die uns von ihm trennt, sondern es ist die Schuld, das geistliche und moralische Böse. Daher ruft der Psalmist aus: „Wohl dem, dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist." Und an Gott gewandt fügt er hinzu: „Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. Und du hast mir die Schuld vergeben" (Ps 32,1.5). Die Sünden, die wir begehen, entfernen uns von Gott. Wenn sie nicht demütig im Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit bekannt werden, bewirken sie sogar den Tod der Seele.

Dieses Wunder hat somit einen starken symbolischen Wert. Jesus ist, wie Jesajas prophezeite, der Knecht Gottes, der „unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen" hat (Jes 53,4). In seinem Leiden wird er wie ein Aussätziger, den unsere Sünden unrein gemacht und von Gott getrennt haben: All dies tut er aus Liebe, um für uns die Versöhnung, die Vergebung und das Heil zu erlangen. Im Sakrament der Buße reinigt uns der gekreuzigte und auferstandene Christus durch seine Priester; er reinigt uns mit seiner unendlichen Barmherzigkeit, er führt uns wieder in die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater und mit den Brüdern ein, er schenkt uns seine Liebe, seine Freude und seinen Frieden.

Liebe Brüder und Schwestern, bitten wir die Jungfrau Maria, die Gott von allem Makel der Sünde bewahrt hat, dass sie uns helfen möge, die Sünde zu meiden und häufig das Beichtsakrament in Anspruch zu nehmen, das Sakrament der Vergebung, das heute noch mehr in seinem Wert und in seiner Bedeutung für unser christliches Leben neu zu entdecken ist.

[Nach dem Angelus grüßte der Heilige Vater die Pilger aus dem deutschen Sprachraum mit den folgenden Worten:]

Einen herzlichen Gruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. In der zweiten Lesung des heutigen Sonntags sagt der heilige Paulus: „Ich suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden" (1 Kor 10, 33). Der Apostel lädt uns ein, ihn in dieser Haltung nachzuahmen. Die selbstlose Bereitschaft, den Mitmenschen zu helfen, muss sich in unserer Herzensmitte ausbreiten, denn auf diese Weise willigen wir in das Liebeshandeln Gottes an uns ein. Das ist meine Hirtensorge, und ich bitte euch, mich in diesem Dienst mit eurem Gebet und durch eure guten Werke zu unterstützen. Der Herr segne euch und eure Lieben.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]