Papst Benedikt XVI.: Der Blick auf den Gekreuzigten gibt Kraft!

„Wann werden die Menschen lernen, dass das Leben heilig ist und allein Gott gehört?“

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ROM, 6. Juli 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Sonntag, beim Angelusgebet gehalten hat.

Der Papst beklagte die Tatsache, dass aufgrund von Gewalt, Ungerechtigkeit und Hass menschliches Blut fließe, und ermutigte die Gläubigen gerade vor diesem Hintergrund zur Verehrung des kostbarsten Blutes Christi. Auf das Böse habe Jesus mit dem Guten geantwortet, mit seiner unendlichen Liebe, hob Benedikt XVI. hervor. „Öffnen wir Christus unser Herz. Dann werden wir mit ihm Werkzeuge des Guten in der Welt sein!“

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Liebe Brüder und Schwestern!

In der Vergangenheit zeichnete sich der erste Sonntag im Juli durch die Verehrung des kostbarsten Blutes Christi aus. Einige meiner verehrten Vorgänger des letzten Jahreshunderts bestätigten sie, und der selige Johannes XXIII. erklärte mit dem Apostolischen Schreiben „Inde a primis“ (30. Juni 1960) deren Sinn und approbierte ihre Litanei. Das Thema des Blutes, das mit dem des Paschalammes verbunden ist, ist in der Heiligen Schrift von erstrangiger Bedeutung. Die Besprengung mit dem Blut der Opfertiere repräsentierte im Alten Testamten den Bund zwischen Gott und dem Volk und setzte ihn ein, wie im Buch Exodus zu lesen ist: „Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der Herr aufgrund all dieser Worte mit euch geschlossen hat“ (Ex 24,8).

Auf diese Formel nimmt Jesus beim Letzten Abendmahl explizit Bezug, als er den Kelch den Jüngern reicht und sagt: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28). Und tatsächlich hat Christus als wahres Opferlamm sein ganzes Blut für die universale Erlösung vergossen, angefangen bei der Geißelung bis hin zum Lanzenstoß der Lanze in seine Seite nach dem Tod. Die Heilsbedeutung seines Blutes wird in vielen Abschnitten des Neuen Testaments ausdrücklich hervorgehoben. Es mag genügen, in diesem Priester-Jahr die schönen Worte aus dem Brief an die Hebräer zu zitieren: „Christus… ist ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen, nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut, und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt. Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst kraft ewigen Geistes Gott als makelloses Opfer dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen?“ (9,11-14).

Liebe Brüder und Schwestern, im Buch Genesis steht geschrieben, dass das Blut Abels, der von seinem Bruder Kain getötet worden war, vom Ackerboden zu Gott schreit (vgl. 4,19). Und leider hört dieser Schrei heute wie damals nicht auf, da aufgrund von Gewalt, Ungerechtigkeit und Hass nach wie vor menschliches Blut fließt. Wann werden die Menschen lernen, dass das Leben heilig ist und allein Gott gehört? Wann werden sie verstehen, dass wir alle Brüder sind? Auf den Schrei, der sich aufgrund des vergossenen Blutes von so vielen Teilen der Erde erhebt, antwortet Gott mit dem Blut seines Sohnes, der das Leben für uns hingegeben hat. Christus hat nicht mit Bösem auf das Böse geantwortet, sondern mit dem Gutem, mit seiner unendlichen Liebe. Das Blut Christi ist das Unterpfand der treuen Liebe Gottes für die Menschheit. Jeder Mensch kann, wenn er den Blick fest auf die Wunden des Gekreuzigten richtet, auch im Zustand äußersten moralischen Elends sagen: „Gott hat mich nicht verlassen; er liebt mich, er hat sein Leben für mich gegeben!“ –, und so kann er die Hoffnung wiederfinden. Die Jungfrau Maria, die das Vermächtnis des Blutes Jesu zusammen mit dem Apostel Johannes unter dem Kreuz aufnahm, helfe uns, den unermesslichen Reichtum dieser Gnade wiederzuentdecken und für sie eine innige und ewig währende Dankbarkeit zu empfinden.

[Nach dem Angelusgebet erklärte Papst Benedikt XVI. in seiner Muttersprache:]

Einen frohen Gruß richte ich an die Gläubigen deutscher Sprache. Gott ist unsere Kraft, sagt uns Paulus in der zweiten Lesung des heutigen Sonntags. Im Glauben und im Vertrauen auf seine Gnade können wir unsere persönlichen Schwächen ertragen und selbst unter widrigen Umständen im Dienst des Herrn ausharren. Gott lässt uns in unserer Schwachheit nicht allein. Vielmehr will er, dass seine Heil bringende Macht unter uns wirksam wird. Öffnen wir Christus unser Herz. Dann werden wir mit ihm Werkzeuge des Guten in der Welt sein. Der Herr schenke euch allezeit seine Gnade und seinen Frieden.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]