Papst Benedikt XVI.: Der neue Advent ist voller Einsatz für das Reich Gottes

Die Kirche erhebt ihre Stimme für alle, deren Rechte auf gewalttätige und systematische Weise verletzt werden

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ROM, 9. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am zweiten Adventssonntag vor dem Angelusgebet gehalten hat.

 

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Liebe Brüder und Schwestern!

Seit einer Woche stehen wir in der liturgischen Zeit des Advents: In einer Zeit der Öffnung hin auf die Zukunft Gottes, in einer Zeit der Vorbereitung auf das heilige Weihnachtsfest, da er, der Herr, der die absolute Neuheit ist, gekommen ist, um inmitten dieser gefallenen Menschheit zu wohnen, um sie, von Innen her, zu erneuern. In der Liturgie des Advents erklingt eine Botschaft voller Hoffnung, die uns einlädt, den Blick auf den letzten Horizont zu richten, gleichzeitig jedoch in der Gegenwart die Zeichen des Gott-mit-uns zu erkennen.

An diesem zweiten Adventssonntag überträgt das Wort Gottes die bewegenden Anliegen des so genannten Deuterojesaja, der den Israeliten, die durch Jahrzehnte bitteren Exils in Babylonien geprüft waren, endlich die Befreiung ankündigt: „Tröstet, tröstet mein Volk", ruft der Prophet im Namen Gottes, „redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht“ (Jes 40,1-2). Das will der Herr im Advent wirken: Um das Heil zu verkünden, will er seinem Volk zu Herzen reden und durch dieses Volk der ganzen Menschheit.

Auch heute erhebt sich die Stimme der Kirche: „Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste!“ (Jes 40,3). Für die durch Elend und Armut geschwächten Völker, für die Flüchtlingsscharen, für alle, deren Rechte auf gewalttätige und systematische Weise verletzt werden, stellt sich die Kirche als Wächter auf den hohen Berg des Glaubens und verkündet: „Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht“ (Jes 40,9-10).

Diese prophetische Verkündigung hat sich in Jesus Christus verwirklicht. Mit seiner Predigt und mit seinem Tod und seiner Auferstehung hat er die alten Verheißungen erfüllt, und einen tieferen und weltumgreifenden Sinn geoffenbart.

Er hat einen neuen, nicht mehr nur irdischen, geschichtlichen und somit vorläufigen Exodus begonnen, sondern einen radikalen und endgültigen: Einen Übergang vom Reich des Bösen zum Reich Gottes, von der Herrschaft der Sünde und des Todes zum Primat der Liebe und des Lebens.

Daher geht die christliche Hoffnung über die berechtigte Erwartung einer sozialen und politischen Befreiung hinaus. Das, was Jesus begonnen hat, ist eine neue Menschheit, die zwar „von Gott“ abstammt, gleichzeitig aber in dem Maß in dieser unserer Erde keimt und wächst, als sie sich vom Geist des Herrn berühren und befruchten läßt. Deshalb geht es darum, ganz und gar in die Logik des Glaubens einzutreten, an Gott und seinen Heilsplan zu glauben, und sich gleichzeitig für den Aufbau seines Reiches einzusetzen.

Die Gerechtigkeit und der Friede sind nämlich ein Geschenk Gottes. Dafür bedarf es aber notwendigerweise Männer und Frauen, die zur „guten Erde“ werden, die willig ist, das gute Samenkorn seines Wortes aufzunehmen.

Erstlingsfrucht dieser neuen Menschheit ist Jesus, Sohn Gottes und Sohn Marias. Sie, die Jungfrau und Mutter, ist der „Weg“, den Gott selbst sich bereitet hat, um in die Welt zu kommen. Demütig schreitet Maria an der Spitze des Exodus des neuen Israel aus jeglichem Exil, aus jeder Unterdrückung, aus aller moralischen und materiellen Knechtschaft voran, hinein in „einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ (2 Petr 3,13). Ihrer mütterlichen Fürsprache vertrauen wir die Erwartung des Friedens und des Heils für die Menschen unserer Zeit an.  

[Die deutschen Pilger begrüßte Benedikt XVI. mit den folgenden Worten:]

Mit frohem Herzen grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Die Botschaft des Advents ruft uns auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Fangen wir damit bei uns an, indem wir das Neue zulassen, das Christus in uns bewirken will. Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden, seine Kraft stärkt die Schwachen und seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung. Öffnen wir dem Herrn die Türen unseres Herzens und tun wir Gutes denen, die unsere Hilfe brauchen. Der Heilige Geist geleite euch auf Wegen der Gnade.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]