Papst Benedikt XVI.: Der Weg, der zum Leben führt

Wahrer Glaube verlangt opferbereite Taten der Nächstenliebe

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ROM, 14. September 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Sonntag, in Castel Gandolfo zum Angelusgebet gehalten hat.

„Jesus Christus sucht Menschen, die ihm wirklich nachfolgen, die auf seine Weise denken, reden und handeln. Aber die Nachfolge ist noch mehr, sie ist Liebe, so wie er uns geliebt hat, als er sogar Leiden und Tod auf sich genommen hat.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

An diesem Sonntag, dem 24. Sonntag im Jahreskreis, richtet das Evangelium zwei entscheidende Fragen an uns, die ich so zusammenfassen würde: „Wer ist Jesus von Nazareth für dich?". Und: „Schlägt sich dein Glaube in konkreten Werken nieder oder nicht?" Die erste Frage finden wir im heutigen Evangelium, als Jesus seine Jünger fragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" (Mk 8,29). Die Antwort des Petrus ist klar und direkt: „Du bist der Messias", das heißt der von Gott Gesalbte, der zu seinem Volk gesandt wurde, um es zu retten. Petrus und die anderen Apostel glauben also im Unterschied zum größten Teil der Leute, dass Jesus nicht nur ein großer Lehrer, ein Prophet ist, sondern bedeutend mehr. Sie sind gläubig: Sie glauben, dass Gott in ihm gegenwärtig ist und wirkt. Unmittelbar nach diesem Glaubensbekenntnis jedoch, als Jesus zum ersten Mal offen ankündigt, dass er leiden muss und getötet werden wird, widersetzt sich Petrus selbst der Aussicht auf Leiden und Tod. Jesus also muss ihn scharf tadeln, um ihn verstehen zu lassen, dass es nicht genügt zu glauben, dass er Gott ist, sondern dass man ihm, getrieben von der Liebe, auf demselben Weg nachfolgen muss, dem Weg des Kreuzes (vgl. Mk 8,31-33). Jesus ist nicht gekommen, um uns eine Philosophie zu lehren, sondern um uns einen Weg oder besser den Weg zu zeigen, der zum Leben führt.

Dieser Weg ist die Liebe, die der Ausdruck des wahren Glaubens ist. Wenn jemand den Nächsten mit reinem und großzügigem Herzen liebt, so heißt das, dass er wahrhaftig Gott kennt. Wenn einer hingegen sagt, dass er glaubt, seine Brüder jedoch nicht liebt, so ist er kein wirklich Gläubiger. Gott wohnt nicht in ihm. Der heilige Jakobus erklärt das klar und deutlich in der zweiten Lesung der heutigen Sonntagsmesse: „So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat" (Jak 2,17). Diesbezüglich möchte ich eine Schrift des hl. Johannes Chrysostomus zitieren, eines der großen Kirchenväter, zu dessen Gedenken der liturgische Kalender am heutigen Tag einlädt. Er schreibt bei der Auslegung des erwähnten Abschnitts aus dem Jakobusbrief: „Einer kann auch einen rechten Glauben an den Vater und den Sohn sowie den Heiligen Geist haben, wenn er aber kein rechtes Leben führt, so wird ihm sein Glaube nichts für sein Heil nutzen. Wenn du also im Evangelium liest: ‚Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen' (Joh 17,3), dann denke nicht, dass dieser Vers ausreicht, uns zu retten: ein mehr denn reines Leben und Verhalten sind notwendig" (zit. in: J.A. Cramer, Catenae graecorum Patrum in N.T., vol. VIII: In Epist. Cath. et Apoc., Oxford 1844).

Liebe Freunde, morgen werden wir das Fest der Kreuzerhöhung feiern, und am Tag darauf das Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Die Jungfrau Maria, die an das Wort des Herrn geglaubt hat, verlor ihren Glauben an Gott nicht, als sie sah, wie ihr Sohn verstoßen, beleidigt und gekreuzigt wurde. Sie blieb vielmehr bis zum Ende bei Jesus, leidend und im Gebet. Und sie sah den glänzenden Morgen seiner Auferstehung. Lernen wir von Ihr, durch ein Leben demütigen Dienens Zeugnis für unseren Glauben abzulegen, dazu bereit, es uns persönlich etwas kosten zu lassen, um dem Evangelium der Liebe und der Wahrheit treu zu bleiben - in der Gewissheit, dass nichts von dem, was wir tun, vergebens sein wird.

[Auf Deutsch sagte Papst Benedikt XVI.:]

Ein herzliches „Grüß Gott" sage ich den Pilgern und Gästen deutscher Sprache. Jesus Christus sucht Menschen, die ihm wirklich nachfolgen, die auf seine Weise denken, reden und handeln. Aber die Nachfolge ist noch mehr, sie ist Liebe, so wie er uns geliebt hat, als er sogar Leiden und Tod auf sich genommen hat. Lassen wir uns von Christus im Innersten anrühren. Begegnen wir ihm im Gebet und tragen wir das Licht seiner Liebe in die Welt hinein. Der Herr geleite euch auf all euren Wegen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]