Papst Benedikt XVI.: Die Eucharistie macht uns zu neuen Menschen

„Wir werden in die Gottheit dessen aufgenommen, der unsere Menschheit angenommen hat“

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ROM, 18. August 2009 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag zum Angelusgebet gehalten hat.

Gott bitte jeden Menschen, ihn anzunehmen und sich ihm ganz zur Verfügung zu stellen wie die Jungfrau Maria, bekräftigte der Papst mit Blick auf das Hochfest Aufnahme Mariens in den Himmel, das am 15. August begangen worden war. „Er ruft uns, dass wir uns ihm im Sakrament der Eucharistie anschließen, dem Brot, das für das Leben der Welt gebrochen wird, um gemeinsam die Kirche zu bilden, seinen geschichtlichen Leib.“ 

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Liebe Brüder und Schwestern!

Gestern haben wir das große Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert, und heute lesen wir im Evangelium, diese Worte Jesu: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,51). Diese Übereinstimmung, die um das Symbol des „Himmels“ kreist, kann einen nicht unbeeindruckt lassen: Maria wurde in dem Ort „aufgenommen“, von dem ihr Sohn „herabgekommen“ war. Natürlich bringt diese Sprache, die biblisch ist, in figürlichen Worten etwas zum Ausdruck, was nie vollends in die Welt unserer Begriffe und unserer Bilder Eingang findet. Halten wir jedoch ein, um etwas nachzudenken! Jesus stellt sich als das „lebendige Brot“ vor, das heißt als die Nahrung, die das Leben Gottes selbst enthält und fähig ist, es dem zu geben, der von ihr isst, die wahre Speise, die das Leben schenkt und wirklich in der Tiefe nährt. Jesus sagt: „Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Von wem nun hat der Sohn Gottes sein „Fleisch“, seine konkrete und irdische Menschheit angenommen? Er hat sie von der Jungfrau Maria. Gott hat von ihr den menschlichen Leib angenommen, um in unsere Wesensart der Sterblichkeit einzugehen. Seinerseits ist der Leib der Jungfrau am Ende des irdischen Daseins von Gott in den Himmel aufgenommen worden und hat in die himmlische Wesensart Eingang gefunden. Es ist dies eine Art Tausch, bei dem Gott immer die volle Initiative übernimmt, aber, wie wir bei anderen Gelegenheiten gesehen haben, auch er braucht in einem gewissen Sinn Maria, das „Ja“ des Geschöpfes, ihres Fleisches, ihres konkreten Daseins, um die Materie seines Opfers vorzubereiten: den Leib und das Blut, die am Kreuz als Mittel des ewigen Lebens und im Sakrament der Eucharistie als geistliche Speise und geistlicher Trank dargebracht werden können.

Liebe Brüder und Schwestern, das, was in Maria geschehen ist, gilt auf andere Weise, aber wahrhaftig auch für jeden Mann und für jede Frau, denn Gott bittet einen jeden von uns, ihn anzunehmen, ihm unser Herz und unseren Leib, unser ganzes Sein, unser Fleisch – so sagt die Bibel – zur Verfügung zu stellen, damit er in der Welt wohnen kann. Er ruft uns, dass wir uns ihm im Sakrament der Eucharistie anschließen, dem Brot, das für das Leben der Welt gebrochen wird, um gemeinsam die Kirche zu bilden, seinen geschichtlichen Leib. Und wenn wir wie Maria „Ja“ sagen, oder vielmehr: in demselben Maß dieses unseres „Ja“ geschieht auch für uns und in uns dieser geheimnisvolle Tausch: Wir werden in die Gottheit dessen aufgenommen, der unsere Menschheit angenommen hat. Die Eucharistie ist das Mittel, das Instrument dieser gegenseitigen Verwandlung, die stets Gott als Ziel und Protagonisten hat: Er ist das Haupt und wir die Glieder, er ist der Rebstock und wir die Reben. Wer von diesem Brot isst und in Gemeinschaft mit Jesus lebt und sich so von ihm und in ihm verwandeln lässt, wird vom ewigen Tod gerettet werden: Gewiss stirbt er wie alle und hat auch am Geheimnis des Leidens und des Kreuzes Christi Anteil, er ist jedoch kein Knecht des Todes mehr und wird am jüngsten Tag auferstehen, um sich des ewigen Festes zusammen mit Maria und allen Heiligen zu erfreuen.

Dieses Geheimnis, dieses Fest Gottes beginnt hier unten: Es ist Geheimnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das im Leben und besonders in der eucharistischen Liturgie gefeiert wird und in der brüderlichen Gemeinschaft sowie im Dienst am Nächsten zum Ausdruck kommt. Bitten wir die Heilige Jungfrau, auf dass sie uns helfe, uns immer mit Glauben vom Brot des ewigen Lebens zu nähren, um bereits auf Erden die Freude des Himmels zu erfahren.

[Die deutschsprachigen Pilger und Besucher grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:]

Von Herzen grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher hier in Castel Gandolfo. Das Brot und der Wein dieser Welt können uns nur eine vergängliche Freude bereiten. Wer hingegen im Sakrament des Altares den Leib und das Blut des Herrn empfängt, der bleibt in Christus, und Christus bleibt in ihm. Die Eucharistie schenkt uns Anteil an seinem Leben und führt uns auf dem Weg der wahren Weisheit und der Hingabe zur ewigen Herrlichkeit. Danken wir Gott jederzeit für alles, war er uns in Christus geschenkt hat. Der Herr segne euch und eure Familien.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Ludwig Ritter;
© Die Tagespost vom 18. August 2009]