Papst Benedikt XVI.: Die Familie ist für die Gesellschaft unersetzlich

Eucharistiefeier mit rund 45.000 Gläubigen in Nazareth

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NAZARETH, 14. Mai 2009 (ZENIT.org).- Der Mount Precipice („Berg des Absturzes") in Nazareth, der sich wie ein Amphitheater über der Hügellandschaft Galiläas erhebt, bildete den Rahmen für die heilige Messe, der Papst Benedikt XVI. am heutigen Vormittag anlässlich des Abschlusses des „Jahres der Familie" vorstand. Über 45.000 Gläubige nahmen an der Eucharistiefeier teil. Am Ende der Messe segnete der Heilige Vater die Grundsteine des internationalen Familienzentrums, des Gedenkparks „Johannes Paul II." und der Mar-Elias-Universität.

In seiner Predigt bekräftigte Benedikt XVI., dass die Familie als Grundstein einer wohlgeordneten und aufnahmebereiten Gesellschaft unersetzlich sei und vom Staat unterstützt werden müsse.

Gerade in Nazareth sei es besonders einfach, „am Beispiel Marias, Josefs und Jesu die Heiligkeit der Familie zu würdigen, die im Plan Gottes auf der im heiligen Bund der Ehe geschlossenen Beziehung zwischen Mann und Frau basiert, die sich ein Leben lang die Treue halten und das von Gott geschenkte neue Leben annehmen. Wie notwendig ist es doch, dass sich die Männer und Frauen unserer Zeit wieder diese grundlegende Wahrheit zu Eigen machen, die das Fundament der Gesellschaft bildet; wie wichtig ist doch das Zeugnis von Ehepaaren für die Bildung gesunder Gewissen und den Aufbau einer Kultur der Liebe!"

Erneut betonte der Papst die Pflicht, die besondere Rolle der Frau und die ihr von Gott gegebene Würde anzuerkennen und zu respektieren. Dazu gehöre auch die Wertschätzung ihrer besonderen Charismen und Talente.

Das Zweite Vatikanische Konzil lehre, so Benedikt XVI., dass die Kinder bei der Heiligung ihrer Eltern eine besondere Rolle spielten. Er bat die Gläubigen eindringlich, über diesen Punkt nachzudenken und sich vom Vorbild Jesu leiten zu lassen - „also euren Eltern nicht nur Respekt zu zollen, sondern ihnen auch zu helfen, jene Liebe in ihrer ganzen Fülle zu erkennen, die unserem Leben erst seinen tiefsten Sinn gibt."

Der Heilige Vater zeigte sich davon überzeugt, dass die heutige Etappe seiner Pilgerreise die Aufmerksamkeit der ganzen Kirche auf die Stadt Nazareth lenken werde. Alle Menschen müssten nach Nazareth „zurückkehren", um immer neu die Stille und die Liebe der Heiligen Familie zu betrachten. Sie sei das Vorbild allen christlichen Familienlebens.

Die Familie ist nach Worten Benedikts XVI. die erste Schule der Weisheit: eine Schule, die ihre Mitglieder in der Übung jener Tugenden unterrichte, die zu wahrem Glück und dauerhafter Erfüllung führten. „Im Plan Gottes für die Familie trägt die Liebe zwischen dem Ehemann und der Ehefrau Frucht in neuem Leben; eine Liebe, die Tag für Tag in dem liebevollen Bemühen der Eltern zum Ausdruck kommt, ihren Kindern eine umfassende menschliche und spirituelle Bildung zu geben." Die Familie sei als Grundstein einer wohlgeordneten und aufnahmebereiten Gesellschaft anzuerkennen.

Die Berufung der Familie bestehe darin, „Hauskirche" zu sein, das heißt „ein Ort des Glaubens, des Gebets und der liebevollen Sorge um das wahre und dauerhafte Wohl jedes ihrer Glieder".

Maria als Mutter der Heiligen Familie und unsere Mutter mahne die Menschen an die Pflicht, die besondere Rolle der Frau anzuerkennen und zu achten. „Die Frauen spielen stets eine unersetzliche Rolle dabei, jene ‚Humanökologie' zu schaffen, derer unsere Welt und dieses Land so dringend bedürfen: ein Umfeld, in dem Kinder lernen zu lieben und für andere Sorge zu tragen, zu allen ehrlich und respektvoll zu sein, sich in der Tugend der Barmherzigkeit und Vergebung zu üben."

Josef sei als „gerechter Mann" das Haupt seines Hauses. Sein starkes, väterliches Vorbild habe Jesus die Tugenden einer mannhaften Frömmigkeit, der Treue zum Wort, der Integrität und der harten Arbeit gelehrt.

Benedikt XVI. erinnerte die Christen mit Blick auf die Heilige Familie an ihre Pflicht, in der Welt Sauerteig des Respekts und der Liebe zu sein. „Der Berg des Absturzes gemahnt uns, wie schon Generationen von Pilgern, daran, dass die Botschaft unseres Herrn für jene, die sie hörten, manchmal eine Quelle des Widerspruchs und Konflikts war."

Der Papst rief Christen und Muslime dazu auf, den bereits angerichteten Schaden wieder gutzumachen sowie in der Treue im Glauben an den einen Gott, den Vater der Menschheitsfamilie, Brücken zu bauen und den Weg zu einem friedlichen Zusammenleben zu finden. „Mögen wir alle der zerstörerischen Macht von Hass und Vorurteil, die zuerst die Seelen der Menschen und dann ihre Körper tötet, eine klare Absage erteilen!"

Abschließend dankte der Heilige Vater allen, die sich in Nazareth darum bemühen, den Kindern die Liebe Gottes zu bringen und neue Generationen in den Wegen des Friedens zu unterweisen.