Papst Benedikt XVI.: Die Gottesmutterschaft Mariens und der wahre Friedenseifer

Erste Angelus-Anssprache des Jahres 2008

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ROM, 1. Januar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. heute zum Angelus-Gebet gehalten hat.



Der Heilige Vater erklärte nach dem Pontifikalhochamt zum Hochfest der Gottesmutter Maria und zum Weltfriedenstag im Petersdom die Bedeutung des Titels Gottesmutter, um anschließend darauf hinzuweisen, dass die Menschen nicht zufällig nebeneinander leben, sondern vielmehr als Brüder und Schwestern denselben Weg gehen, nämlich den Weg zu Gott, dem letzten gemeinsamen Ziel. In diesem Zusammenhang appellierte er an alle, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden und in Gott „den Urquell der eigenen Existenz wie auch jener der anderen“ zu erkennen. Aus dieser Einsicht erwachse der wahre Friedenseifer.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Wir haben ein neues Jahr begonnen, und ich spreche den Wunsch aus, dass es für alle ruhig und fruchtbringend sein möge. Ich vertraue es dem himmlischen Schutz Mariens an, die uns die heutige Liturgie unter ihrem ältesten und wichtigsten Titel anrufen lässt, dem der Mutter Gottes. Als die Jungfrau dem Engel am Tag der Verkündigung Ja sagte, hat sie in ihrem Schoß, durch das Wirken des Heiligen Geist, das ewige Wort empfangen, und in der Weihnachtsnacht hat sie es zur Welt gebracht. In Bethlehem wurde in der Fülle der Zeiten aus Maria Jesus geboren: Der Sohn Gottes ist Mensch geworden zu unserem Heil, und die Jungfrau wahre Mutter Gottes. Dieses übergroße Geschenk, das Maria empfangen hat, ist nicht ihr allein vorbehalten, sondern es ist für uns alle. In ihrer fruchtbaren Jungfräulichkeit hat Gott nämlich „der Menschheit das ewige Heil geschenkt… (Sie hat) uns den Urheber des Lebens geboren“ (vgl. Tagesgebet). Nachdem Maria also dem eingeborenen Sohn Gottes sterbliches Fleisch gegeben hat, ist sie zur Mutter der Gläubigen und der ganzen Menschheit geworden.

Und gerade im Namen Mariens, der Mutter Gottes und der Menschen, wird seit 40 Jahren am ersten Tag des Jahres der Weltfriedenstag begangen. Das Thema, das ich zum heutigen Anlass gewählt habe, lautet: „Die Menschheitsfamilie, eine Gemeinschaft des Friedens“. Dieselbe Liebe, die die Familie aufbaut und vereint hält, Lebenszelle der Gesellschaft, begünstigt unter den Völkern der Erde die Schaffung jener Beziehungen der Solidarität und der Zusammenarbeit, wie sie sich für die Glieder der einen Menschheitsfamilie geziemen. Daran erinnert das II. Vatikanische Konzil, wenn es sagt: „Alle Völker sind (…) eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung...; auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel“ (Erklärung Nostra aetate, 1). Es besteht somit eine enge Verbindung zwischen Familie, Gesellschaft und Frieden. „Wer die Einrichtung der Familie behindert – und sei es auch unbewusst –“, so merke ich in der Botschaft zu diesem Weltfriedenstag an, „macht also den Frieden in der gesamten nationalen und internationalen Gemeinschaft brüchig, denn er schwächt das, was tatsächlich die wichtigste ‚Agentur’ des Friedens ist“ (5). Und weiter: „Wir leben nicht zufällig nebeneinander; als Menschen sind wir alle auf demselben Weg und darum gehen wir ihn als Brüder und Schwestern“ (6). So ist es wirklich wichtig, dass ein jeder Gott gegenüber seine Verantwortung übernimmt und in Ihm den Urquell der eigenen Existenz wie auch jener der anderen erkennt. Diesem Bewusstsein entspringt ein Engagement dafür, aus der Menschheit eine wahre Gemeinschaft des Friedens zu machen, die von einem „gemeinsamen Gesetz“ geleitet wird, „das der Freiheit hilft, wirklich sie selbst zu sein…, und das den Schwachen vor Übergriffen des Stärkeren schützt“ (11).

Maria, die Mutter des Friedensfürsten, erhalte die Kirche in ihrem unermüdlichen Wirken im Dienst des Friedens, und sie helfe der Völkergemeinschaft, die 2008 den 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte begeht, einen Weg wahrer Solidarität und beständigen Friedens zu beschreiten.

[Nach dem Angelus-Gebet sprach der Heilige Vater seine Anerkennung für die zahlreichen kirchlichen Initiativen zum Weltfriedenstag aus:]

Anlässlich des Weltfriedenstag haben die kirchlichen Gemeinschaften auf allen Kontinenten zahlreiche Initiativen unternommen. An alle Förderer und Teilnehmer ergeht meine Wertschätzung, verbunden mit der Ermutigung, immer und überall Zeugen des Friedens und der Versöhnung zu sein. Ich grüße insbesondere alle, die die Veranstaltung „Frieden auf der ganzen Welt“ ins Leben gerufen haben, die von der Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom und in vielen anderen Städten der Welt organisiert worden ist.

[Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum grüßte der Papst wie folgt:]

Einen frohen Neujahrsgruß richte ich an alle deutschsprachigen Brüder und Schwestern. Unter ihnen grüße ich besonders die Sternsinger aus Deutschland und ihre Begleiter, die in diesen Tagen die 50. Aktion Dreikönigssingen des Kindermissionswerkes durchführen. Gott ist Mensch geworden, um durch sein Licht und seine Liebe unser Leben hell zu machen. Im Licht seines Angesichts wollen wir in diesem neuen Jahr unseren Weg gehen. Dabei schauen wir vertrauensvoll auf Maria, die uns Jesus Christus, den Urheber des Lebens, geboren hat und so zur Mutter des Heils für uns alle geworden ist. Von ganzem Herzen erbitte ich euch allen Gottes Segen für ein gutes und friedliches Neues Jahr.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]