Papst Benedikt XVI.: Die Heiligen sind Gottes Meisterwerke

Heiligsprechung am Dreifaltigkeitssonntag

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ROM, 4. Juni 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. erhob am Dreifaltigkeitssonntag vier neue Heilige zu Ehren der Altäre: Giorgio Preca (1880-1962), Priester und Gründer der „Societas Doctrinæ Christianæ“; Simon von Lipnica (1435-1482), Franziskanerpater; Karel van Sint Andries Houben (1821-1893), Priester und Angehöriger der Kongregation der Passionisten, und Marie Eugénie de Jésus Milleret (1817-1898), Gründerin des „Instituts der Schwestern von der Himmelfahrt“, der Gemeinschaft der „Assumptionistinnen“.

An der Heiligen Messe, die der Papst unter strömenden Regen auf dem Petersplatz zelebrierte, nahmen neben Tausenden von Pilgern auch der maltesische Staatspräsident Edward Fenech Adami, die irische Staatspräsidentin Mary McAleese, der polnische Präsident Lech Kaczynski und die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo teil. Anwesend waren auch die französische Kulturministerin Christine Albanel, der belgische Minister für europäische Angelegenheiten, Franciscus Timmermans, sowie die Frau des amtierenden mexikanischen Staatspräsidenten, Margarita Zavala.

Der Gottesdienst, in dessen Rahmen die Heiligsprechung stattfand, begann mit einer Prozession, die der Heilige Vater leitete. Sie führte vom „Portale di Bronzo“ über den Petersplatz zum Sagrat vor der Basilika. „Die Weisheit Gottes zeigt sich im Kosmos, in der Mannigfaltigkeit und in Schönheit seiner Elemente; seine Meisterwerke aber sind die Heiligen“, erläuterte Papst Benedikt. Gott liebe es, mitten unter den Menschen zu wohnen, weil er in ihnen das Ebenbild des Schöpfers erkenne. „Gott Vater offenbart seinen Plan der Liebe durch die Heiligen.“

In seiner Predigt zeichnete der Bischof von Rom die Charakterbilder der neuen Heiligen. Benedikt XVI. betonte, dass jeder Heilige am Reichtum Christi teilhabe, der vom Vater stamme und zu gegebener Zeit mitgeteilt werde. „Es ist immer die Heiligkeit Jesu; es ist immer er, der ‚Heiligeٔ, den der Heilige Geist in den ‚heiligen Seelenٔ formt und auf diese Weise Freunden Jesu und Zeugen seiner Heiligkeit Gestalt verleiht.“

Ein solcher Freund Jesu und Zeuge seiner Heiligkeit war Giorgio Preca, ein Priester, der sich nach Worten Benedikts XVI. „ganz in den Dienst der Evangelisierung stellte: in seiner Predigt, in seinen Schriften, als geistlicher Leiter und Spender der Sakramente, vor allem aber durch das Beispiel seines Lebens“. Die Worte aus dem Johannesevangelium: „Das Wort ist Fleisch geworden“ hätten dem Heiligen als Richtschnur gedient: „So konnte sich der Herr seiner bedienen, um ein wohlverdientes Werk ins Leben zu rufen, die ‚Gesellschaft der christliche Lehreٔ (Societas Doctrinæ Christianæ).“ Ihr Ziel sei es, in den Pfarreien den qualitativ hochwertigen Dienst gut vorbereiteter und großherziger Katecheten sicherzustellen.

Der aus Polen stammende Franziskanerpater Simon von Lipnica wird der Kirche als ein Christ vor Augen geführt, der, wie Papst Benedikt XVI. bekräftigte, bereit gewesen ist, sein Leben für die Brüder hinzugeben. Seine ganze Kraft habe er aus der Eucharistie geschöpft; „er zögerte nicht, den Pestkranken zu Hilfe zu kommen, wobei er sich mit dieser Krankheit ansteckte, die auch ihn sterben ließ.“

Das Leben des Karel van Sint Andries Houben veranschauliche, wie es in einem ganz der Seelsorge verschrieben Leben zum Überfließen der Liebe Gottes komme. Der Heilige aus Munstergeleen (Niederlande) habe im Leidenden das Antlitz des gekreuzigten Christus aufleuchten sehen. „Schon die Menschen haben ihn zum Heiligen erklärt“, stellte Papst Benedikt XVI. mit einem Zitat fest, das Karels Ordensoberer bei dessen Beerdigung geprägt hatte.

Marie-Eugénie Milleret erinnere die Christen an die große Bedeutung der Eucharistie für den Alltag beziehungsweise für das geistliche Leben. Christus sei stets im Innersten ihrer Herzens gegenwärtig gewesen; so habe er sie dazu veranlasst, in seinem Rhythmus voranzuschreiten, und zur vollständigen Hingabe an ihn geführt. Die Ordensfrau habe erkannt, wie wichtig die intellektuelle, sittliche und geistliche Bildung für die jungen Menschen sei, insbesondere für Mädchen. Die Kraft, um ihrem Auftrag nachzukommen, habe Marie-Eugénie Milleret aus dem Gebet erhalten, indem sie Kontemplation und Aktion miteinander verband.

Nach der Heiligsprechung begrüßte Benedikt XVI. die zahlreichen Gläubigen, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten. An die Pilger aus dem deutschsprachigen Raum richtete er folgende Worte: „Sehr herzlich grüße ich die Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache. Mit der ganzen Kirche wollen wir die Größe des Dreifaltigen Gottes preisen und in den neuen Heiligen Giorgio Preca, Szymon z Lipnicy, Karel von Sint Andries Houben und Marie Eugénie de Jésus Milleret das wunderbare Werk der Gnade erkennen, das Menschen teilhaben lässt an Gottes Herrlichkeit. Euch allen, liebe Brüder und Schwestern, wünsche ich eine gesegnete Zeit hier in Rom!“

Unter den italienischen Besuchern befanden sich auch die Mitglieder der nationalen Vereinigung des Militärgesundheitswesen. Der Papst brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass sich der Leitspruch dieser Vereinigung: „arma pietati cedant“ – „die Waffen mögen der Barmherzigkeit weichen“, in der ganzen Welt verwirkliche. Benedikt XVI. erinnerte in seinen Grußworten auch daran, dass die Kirche in Bologna am Dreifaltigkeitssonntag den 750. Jahrestag der Abschaffung der Sklaverei beging, wie sie vom damaligen Stadtsenat beschlossen worden war. „Diese Initiative“, so der Papst, „möge eine erneuerte Bemühung zur Überwindung der neuen Formen von Sklaverei herbeiführen.“