Papst Benedikt XVI.: Die Hoffnung ist die „Seele der Erziehung“

Brief des Bischofs von Rom an seine Diözese: Über die dringliche Aufgabe der Erziehung

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ROM, 24. Januar 2008 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat den hohen Stellenwert von Erziehung bekräftigt und dazu aufgerufen, diesem Thema mehr Beachtung zu schenken.



In seinem Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom, das am Mittwoch vom Heiligen Stuhl veröffentlicht wurde, widmet sich der Papst der dringlichen Aufgabe der Erziehung. Der auf den 21. Januar datierte Brief war der Diözese bereits am Sonntag nach dem Angelus-Gebet überstellt worden. Am „Tag der katholischen Schulen“ hatte der Bischof von Rom die Eltern, Erzieher und Schüler aufgefordert, ihre Bemühungen zur ganzheitlichen Bildung des Menschen „trotz aller Schwierigkeiten“ fortzusetzen und dabei immer das Evangelium im Blick zu haben.

Benedikt XVI. schreibt nun, dass Erziehung heute immer schwieriger zu werden scheine. Aus diesem Grund sei immer wieder von einem „Notstand der Erziehung“ die Rede, der von den Misserfolgen bestätigt werde, von denen unsere Anstrengungen für die Bildung gefestigter Menschen gezeichnet seien, „die fähig sind, mit anderen zusammenzuarbeiten und dem eigenen Leben einen Sinn zu geben“. Der Papst erinnert in diesem Zusammenhang auch an den „Generationskonflikt“, der „zweifellos existiert und sein Gewicht hat, der aber eher die Wirkung als die Ursache für die mangelhafte Weitergabe von Sicherheiten und Werten ist“.

Eltern und Erzieher spürten die starke Versuchung, auf ihre Rolle zu verzichten bzw. sie nicht zu verstehen. Dabei gehe es nicht nur um die persönliche Verantwortung der Erwachsenen und jungen Menschen, sondern um ein weit verbreitetes Klima, „eine Mentalität und eine Kulturform, die dazu führen, am Wert des Menschen, an der Bedeutung der Wahrheit und des Guten und schließlich an der Güte des Lebens zu zweifeln“.

Deshalb bekräftigt der Heilige Vater: „Habt keine Angst!“ Keine Schwierigkeiten seien unüberwindbar. Auch die größten Werte der Vergangenheit könnten nicht einfache ererbt werden; man müsse sich diese vielmehr durch eine oft schwierige persönliche Entscheidung aneignen. Nur so würden sie von neuem aktuell.

Wenn aber die Grundlagen erschüttert sind und die wesentlichen Gewissheiten abhanden kommen, so werde das Bedürfnis nach jenen Werten besonders spürbar. Und so wachse auch die Nachfrage nach einer Erziehung, die wirklich diesen Namen verdiene.

Um seinen Überlegungen konkrete Gestalt zu geben, erwähnt Benedikt XVI. einige Erfordernisse für wahre Erziehung. Diese verlange vor allem „jene Nähe und jenes Vertrauen, die der Liebe entspringen“.

Für den Papst ist eine Erziehung dann arm, wenn sie sich darauf beschränkt, nur Begriffe und Informationen zu vermitteln, die große Frage der Wahrheit aber beiseite lässt.

Der delikateste Punkt bei der Erziehung besteht nach Worten des Heiligen Vaters darin, ein „rechtes Gleichgewicht zwischen Freiheit und Disziplin zu finden“. Beim Erziehungsprozess gehe es um die die Begegnung von zwei Freiheiten, und „die gut gelungene Erziehung besteht in der Bildung zum rechten Gebrauch der Freiheit“. Das Risiko der Freiheit müsse immer eingegangen werden; stets sollte man bereit sein, dem Menschen zu helfen und falsche Ideen und Entscheidungen zu korrigieren.

Erziehung könne somit nicht des Respekts entbehren, der die Ausübung von Autorität glaubwürdig mache. „Es ist Ergebnis von Erfahrung und Kompetenz, wird aber vor allem mit einer konsequenten Lebensführung erworben.“ Deshalb sei das Verantwortungsbewusstsein von großer Bedeutung.

„Die Ideen, die Lebensstile, die Gesetze, die allgemeinen Strömungen innerhalb der Gesellschaft, in der wir leben, und das Bild, das sie von sich über die Kommunikationsmittel verbreitet, üben einen großen Einfluss auf die Bildung der neuen Generationen aus - zum Wohl, aber oft auch zum Schlechten“, mahnt Benedikt XVI. Die Gesellschaft sei aber niemals etwas Abstraktes: „Am Ende sind wir selbst es, alle zusammen, mit den Orientierungen, Regeln und Vertretern, die wir uns geben, auch wenn die Rollen und Verantwortungen eines jeden verschieden sind.“

Zum Schluss weist der Papst darauf hin, dass die Hoffung die „Seele der Erziehung“ sei. „Heute ist unsere Hoffnung von vielerlei Seiten bedroht, und wir laufen Gefahr, in dieser Welt wie die alten Heiden zu werden: Menschen ohne Hoffnung und ohne Gott.“

An der Wurzel der „Krise der Erziehung“, so beschließt Benedikt XVI. seine Überlegungen, „steht eine Krise des Vertrauens in das Leben. Die Hoffnung, die sich an Gott richtet, ist nie eine Hoffnung nur für mich allein; sie ist immer auch Hoffnung für die andere. Sie isoliert uns nicht, sondern sie macht uns solidarisch im Guten. Sie regt uns dazu an, uns gegenseitig zur Wahrheit und zur Liebe zu erziehen.“