Papst Benedikt XVI.: Die Kirche ist auch heute zur Evangelisation berufen.

Ansprache vor dem Regina-Caeli-Gebet am 5. Sonntag nach Ostern

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VATIKANSTADT, Montag, 30. Mai 2011 (ZENIT.org). – „Es ist möglich, dass die Menschheit die wahre Freude kennenlernt, weil dort, wo das Evangelium ankommt, das Leben blüht.“ Mit diesen Worten hat der Papst bei seiner traditionellen Ansprache zum Sonntagsevangelium vor dem Regina Caeli an die Berufung der Kirche zur Evangelisierung erinnert.

Wir dokumentieren die vollständige Ansprache in einer eigenen deutschen Übersetzung:

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Liebe Brüder und Schwestern!

In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass die Jerusalemer Urgemeinde sich – mit Ausnahme der Apostel - nach einer ersten gewaltsamen Verfolgung in die umliegenden Gebiete zerstreute und dass Philippus, einer der Diakone, eine Stadt in Samaria erreichte. Dort verkündete er den auferstandenen Christus, und seine Verkündigung wurde von zahlreichen Heilungen begleitet, so dass der Schluss der Episode sehr vielsagend lautet: „Und es war eine große Freude in jener Stadt“ (Apg 8,8). Jedes Mal berührt uns dieser Ausdruck, der in seinem Wesenskern ein Gefühl der Hoffnung vermittelt; als wenn er sagen würde: Es ist möglich! Es ist möglich, dass die Menschheit die wahre Freude kennenlernt, weil dort, wo das Evangelium ankommt, das Leben blüht; wie ein dürres Land, das, vom Regen bewässert, sofort wieder grün wird. Philippus und die anderen Jünger taten mit der Kraft des Heiligen Geistes in den Dörfern Palästinas das, was Jesus getan hatte: Sie predigten die Gute Nachricht und vollbrachten wundersame Zeichen. Es war der Herr, der durch sie handelte. Wie Jesus die Ankunft des Reiches Gottes verkündete, so verkündeten die Jünger den auferstandenen Jesus. Dabei bekannten sie, dass er der Christus, der Sohn Gottes, ist; sie tauften in seinem Namen und trieben jede Krankheit des Leibes und des Geistes aus.

„Und es war eine große Freude in jener Stadt“ (Apg 8,8). Wenn man diesen Ausschnitt liest, muss man spontan an die heilende Kraft des Evangeliums denken, das im Lauf der Jahrhunderte wie ein heilsamer Fluss viele Völker „bewässert“ hat. Einige große Heilige haben Hoffnung und Frieden in ganze Städte gebracht – denken wir an den heiligen Karl Borromäus in Mailand zur Zeit der Pest, an die selige Mutter Theresa in Kalkutta und an die vielen Missionare, deren Namen Gott kennt, die ihr Leben hingegeben haben, um Christus zu verkündigen und um unter den Menschen eine tiefe Freude aufblühen zu lassen. Während die Mächtigen dieser Welt versuchten, neues Land zu erobern wegen politischer und wirtschaftlicher Interessen, gingen die Boten Christi überall hin mit dem Ziel, Christus zu den Menschen zu tragen und die Menschen zu Christus. Dabei wussten sie, dass nur er die wahre Freiheit und das ewige Leben geben kann. Die Berufung der Kirche ist auch heute die Evangelisation: sowohl bei den Völkern, die noch nicht mit dem lebendigen Wasser des Evangeliums „bewässert“ wurden, als auch bei jenen, die, obwohl sie alte christliche Wurzeln haben, einer neuen Inspiration bedürfen, um neue Früchte zu tragen und die Schönheit und die Freude des Glaubens wiederzuentdecken.

Liebe Freunde, der selige Johannes Paul II. war ein großer Missionar, wie auch die derzeit in Rom stattfindende Ausstellung dokumentiert.  Er hat die Sendung „ad gentes“ (zu den Völkern) wieder in Gang gebracht und zur gleichen Zeit die Neuevangelisation gefördert. Vertrauen wir die eine wie die andere der Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria an. Die Mutter Christi möge immer und überall die Verkündigung des Evangeliums begleiten, damit sich in der Welt die Räume vermehren und ausbreiten, in denen die Menschen die Freude, als Kinder Gottes zu leben, wiederfinden.  

Liebe Brüder und Schwestern, gestern wurde Schwester Maria Serafina vom Heiligen Herzen Jesu, mit weltlichem Namen Clothilde Micheli, in Cerreto Sannita seliggesprochen. Aus der Umgebung von Trient stammend, gründete sie in Kampanien das Institut der Schwestern der Liebe zu den Engeln. Während wir des hundertsten Jahrestages ihrer Geburt für den Himmel gedenken, freuen wir uns mit ihren geistlichen Töchtern und mit allen ihren Verehrern.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Die liturgischen Lesungen des heutigen Sonntags lenken unser Augenmerk auf den Heiligen Geist. Die Menschen, die uns in der Apostelgeschichte begegnen, zeigen den Willen und die Bereitschaft, Gottes Wort zu hören. Aber um es zu beherzigen, um es im Herzen aufgehen und Frucht bringen zu lassen, brauchen sie den Geist der Wahrheit und der Stärke, den Jesus den Seinen versprochen hat. Bitten wir in diesen österlichen Tagen den Auferstandenen um seine Gabe: Herr, schenke uns den Heiligen Geist, dass wir dich immer besser verstehen und dich wirklich lieben. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Dr. Edith Olk ©Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]