Papst Benedikt XVI.: Die Liebe entschlüsselt das Geheimnis der Dreifaltigkeit

„Unerschöpfliche Quelle des Lebens, die sich unaufhörlich schenkt und mitteilt"

| 2207 klicks

ROM, 8. Juni 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, am Dreifaltigkeitssonntag, zum Angelus-Gebet gehalten hat.

Der Heilige Vater erklärte das Geheimnis der Dreifaltigkeit, die jeder Mensch erahnen könne. „Der stärkste Beweis dafür, dass wir nach dem Bild der Dreifaltigkeit gemacht sind, ist dieser: Nur die Liebe macht uns glücklich, denn wir leben in Beziehung; und wir leben, um zu lieben und geliebt zu werden."

In seiner Muttersprache betonte Benedikt XVI. die Bedeutung des Kreuzzeichens und bekräftige anschließend: „Mit ganzem Herzen wollen wir Gott lieben und so das Geheimnis seiner Liebe den Menschen verkünden."

* * *

Liebe Brüder und Schwestern!

Nach der Osterzeit, die mit dem Pfingstfest ihr Ende gefunden hat, sieht die Liturgie diese drei Herrenfeste vor: heute das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit; am kommenden Donnerstag das Fronleichnamsfest, das in vielen Ländern, darunter auch Italien, am kommenden Sonntag gefeiert werden wird, und schließlich das Fest des Heiligsten Herzens Jesu. Jeder dieser liturgischen Festtage offenbart eine Perspektive, die das gesamte Geheimnis des christlichen Glaubens umfasst, nämlich die Wirklichkeit des einen und dreifaltigen Gottes, das Sakrament der Eucharistie und die gottmenschliche Mitte der Person Christi. Sie sind in Wahrheit Aspekte des einen Heilsgeheimnisses, die in gewisser Weise den ganzen Verlauf der Offenbarung Jesu zusammenfassen, von der Menschwerdung angefangen über den Tod und die Auferstehung bis hin zur Himmelfahrt und zum Geschenk des Heiligen Geistes.

Heute betrachten wir die Heiligste Dreifaltigkeit, wie sie uns Jesus zu verstehen gegeben hat. Er hat uns offenbart, dass Gott „nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens" (Präfation) die Liebe ist. Die Dreifaltigkeit ist Schöpfer und barmherziger Vater; sie ist der eingeborene Sohn, ewige fleischgewordene Weisheit, gestorben und auferstanden für uns; und schließlich ist sie der Heilige Geist, der alle, den Kosmos und die Geschichte, zur abschließenden Vereinigung hin bewegt. Drei Personen, die ein Gott sind, denn der Vater ist Liebe, der Sohn ist Liebe und der Heilige Geist ist Liebe. Gott ist Liebe und Liebe allein - reinste, unendliche und ewige Liebe. Die Dreifaltigkeit lebt in keiner großartigen Einsamkeit, sondern ist vielmehr unerschöpfliche Quelle des Lebens, die sich unaufhörlich schenkt und mitteilt.

Wir können das in einem gewissen Maß erahnen, wenn wir den Makrokosmos betrachten: unsere Erde, die Planeten, die Sterne, die Galaxien, oder aber den Mikrokosmos: die Zellen, die Atome, die Elementarteilchen. In allem, was ist, ist in einer gewissen Weise der „Name" der Heiligsten Dreifaltigkeit eingeprägt, da das ganze Sein, bis hin zum letzten Teilchen, ein Sein in Beziehung ist. Und so wird der Gott erkennbar, der Beziehung ist, so wird letztlich die schöpferische Liebe erkennbar. Alles geht aus der Liebe hervor, strebt hin zur Liebe und bewegt sich angetrieben von der Liebe - natürlich mit verschiedenen Graden des Bewusstseins und der Freiheit. „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!" Ps 8,2), ruft der Psalmist aus. Wenn die Bibel vom „Namen" spricht, verweist sie auf Gott selbst, seine wahrste Identität - eine Identität, die über der ganzen Schöpfung aufleuchtet, die auf die ganze Schöpfung ausstrahlt, wo jedes Sein - alleine aufgrund der Tatsache, dass es ist, und aufgrund des „Stoffs", aus dem es gemacht ist - auf ein transzendentes Prinzip verweist: auf das ewige und unendliche Leben, das sich schenkt, mit einem Wort: auf die Liebe. „In ihm", so sagte der heilige Paulus im Areopag in Athen, „leben wir, bewegen wir uns und sind wir" (Apg 17,28). Der stärkste Beweis dafür, dass wir nach dem Bild der Dreifaltigkeit gemacht sind, ist dieser: Nur die Liebe macht uns glücklich, denn wir leben in Beziehung; und wir leben, um zu lieben und geliebt zu werden. Unter Verwendung einer Analogie, die der Biologie entstammt, könnten wir sagen, dass das Sein des Menschen die tiefe Spur der Dreifaltigkeit - des Gottes, der die Liebe ist - in seinem „Genom" trägt.

Die Jungfrau Maria hat sich in ihrem demütigen Gehorsam zur Magd der göttlichen Liebe gemacht: Sie hat den Willen des Vaters angenommen und den Sohn durch den Heiligen Geist empfangen. In ihr hat sich der Allmächtige einen Tempel gebaut, der seiner würdig ist, und er hat aus ihr das Vorbild und Bild der Kirche gemacht, Geheimnis und Haus der Gemeinschaft für alle Menschen. Möge Maria, Spiegel der Heiligsten Dreifaltigkeit, uns helfen, im Glauben an das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu wachsen.

[Nach dem Angelus richtete sich der Heilige Vater an die deutschsprachigen Pilger:]

Gerne grüße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache, die heute am Dreifaltigkeitssonntag zum Angelusgebet gekommen sind. Mit dem Kreuzzeichen bekennen wir unseren Glauben an den Dreifaltigen Gott: Der Vater hat im Sohn seine Liebe zu uns Menschen offenbart und schenkt uns im Heiligen Geist das neue Leben als Kinder Gottes. Mit ganzem Herzen wollen wir Gott lieben und so das Geheimnis seiner Liebe den Menschen verkünden. Der Dreifaltige Gott erhalte uns alle in seiner Gnade.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]