Papst Benedikt XVI.: Die Quelle des lebendigen Wassers

„Der Messias, dein Heiland, bin ich - ich, der mit dir spricht.“

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ROM, 25. Februar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, am dritten Fastensonntag, vor dem Angelus-Gebet gehalten hat.

Der Heilge Vater betrachtete das Sonntagsevangelium und erklärte, dass Gott zum Dürstenden geworden sei, um den Durst des Menschen nach Liebe und Erfüllung zu löschen. Die deutschsprachigen Pilger lud er ein, den Herrn während der Fastenzeit immer wieder neu um das Wasser des Lebens und die Frische des Glaubens zu bitten.

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Liebe Brüder und Schwestern!

An diesem dritten Fastensonntag legt uns die Liturgie dieses Jahr einen der schönsten und tiefsten Texte der Bibel vor: den Dialog zwischen Jesus und der Samariterin (vgl. Joh 4,5-42).

Der heilige Augustinus, über den ich während der Mittwochskatechesen ausführlich spreche, war zu Recht von dieser Erzählung beeindruckt, und schrieb einen ihrer denkwürdigen Kommentare. Es ist unmöglich, in einer kurzen Erklärung den ganzen Reichtum dieser Evangeliumsstelle wiederzugeben. Man muss ihn selbst lesen und betrachten, und sich dabei in jene Frau versetzen, die an einem Tag, der jedem anderen glich, ging, um Wasser vom Brunnen zu schöpfen, und dort auf Jesus traf, der – „müde von der Reise“ –  in der Mittagshitze am Brunnen saß. „Gib mir zu trinken!“, sagte er ihr und überraschte sie damit sehr: Es war nämlich ungewöhnlich, dass ein Jude das Wort an eine Samariterin richtete, die ihm noch dazu unbekannt war. Das Staunen der Frau jedoch sollte noch größer werden: Jesus sprach zu ihr von einem „lebendigen Wasser“, das den Durst löschen könne und in ihr „zur sprudelnden Quelle wird, deren Wasser ewiges Leben schenkt“; er zeigte ihr, dass er ihr ganzes Leben kannte, und offenbarte ihr, dass die Stunde gekommen sei, den einen wahren Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Und schließlich sagte er ihr – was sehr selten ist –, dass er der Messias sei - all dies im Ausgang von der wirklichen und fühlbaren Erfahrung des Durstes.

Das Thema des Durstes durchzieht das ganze Evangelium des Johannes: angefangen bei der Begegnung mit der Samariterin über die große Verheißung während des Laubhüttenfestes (Joh 7,37-38) bis hin zum Kreuz, als Jesus vor seinem Sterben, „damit sich die Schrift erfüllte“, erklärte: „Mich dürstet“ (Joh 19,28).

Der Durst Christi ist ein Eingangstor zum Geheimnis Gottes, der zum Dürstenden geworden ist, um unseren Durst zu löschen, so wie er arm geworden ist, um uns reich zu machen (vgl. 2 Kor 8,9). Ja, Gott hat Durst nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Wie ein guter und barmherziger Vater wünscht er für uns alles mögliche Wohl, und dieses Gut ist er selbst. Die Frau aus Samarien dagegen stellt die existentielle Unzufriedenheit dessen dar, der nicht gefunden hat, was er sucht: Sie hatte „fünf Männer“ gehabt und lebte nun mit einem anderen Mann zusammen. Ihr ständiges Wasserschöpfen am Brunnen drückt ein immer gleiches und mutloses Leben aus. Alles aber wird anders für sie an jenem Tag, dank des Gesprächs mit dem Herrn Jesus, das sie so tief erschütterte, so dass sie veranlasst war,  den Wasserkrug stehen zu lassen und zu eilen, um den Leuten im Ort mitzuteilen: „Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?“ (Joh 4,28-29).

Liebe Brüder und Schwestern, auch wir öffnen das Herz für das vertrauensvolle Hören des Wortes Gottes, um wie die Samariterin Jesus zu begegnen, der uns seine Liebe offenbart und uns sagt: Der Messias, dein Heiland „bin ich, ich, der mit dir spricht“ (Joh 4,26). Dieses Geschenk erlange uns Maria, die erste und vollkommene Jüngerin des Mensch gewordenen Wortes.

[Nach dem Angelus grüßte der heilige Vater die Pilger aus dem deutschen Sprachraum mit folgenden Worten:]

Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Brüder und Schwestern deutscher Sprache. Besonders grüße ich heute die Pilger und Musiker aus dem Pustertal. – Ohne Nahrung und Wasser kann der Mensch nicht leben. Ebenso aber braucht er Liebe und Zuwendung. In Jesus Christus schenkt Gott uns seine Liebe. Er ist die Quelle des lebendigen Wassers, das uns immer Frische und Kraft gibt in einer Welt, die durch die Sünde dürr und trocken geworden ist. So wollen wir in dieser Fastenzeit den Herrn wieder neu um das Wasser des Lebens und die Frische des Glaubens bitten. Der Heilige Geist geleite euch heute und durch die neue Woche.


[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]