Papst Benedikt XVI.: Die Treue der Jesuiten ist für die Kirche heute noch notweniger als früher

Dankesbrief an den scheidenden Generaloberen der Gesellschaft Jesu, P. Kolvenbach

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ROM, 18. Januar 2008 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat dem scheidenden Generaloberen der Gesellschaft Jesu, P. Peter-Hans Kolvenbach SJ, einen Dankesbrief geschrieben, der nun von der 35. Generalkongregation der Jesuiten veröffentlicht worden ist.



Der „General“ der Jesuiten wird auf Lebenszeit gewählt. Kolvenbach bat den Heiligen Vater im vergangenen Jahr, nach über 20 Jahren an der Spitze des mit 19.564 Mitgliedern größten Ordens der katholischen Kirche, sein Amt niederlegen zu dürfen. Die Gesellschaft Jesu wurde 1540 vom heiligen Ignatius von Loyola gegründet und ist heute in 127 Ländern verbreitet.

Über den Inhalt des Schreibens Benedikts XVI., das vom 19. Januar datiert ist, unterrichtete P. Kolvenbach in diesen Tagen die Delegierten der 35. Generalkongregation und die Jesuiten in aller Welt. P. Kolvenbach übermittelte ihnen „die Zuneigung, die geistliche Nähe, die hohe Wertschätzung und die Dankbarkeit, mit denen die Nachfolger Petri auf die Gesellschaft Jesu geblickt haben und blicken“. Die Päpste erwarteten sich auch für die Zukunft „einen treuen Dienst bei der unversehrten und sicheren Verkündigung des Evangeliums in unserer Zeit“.

In seinem Brief erinnert Benedikt XVI. den Generaloberen, dessen Nachfolger morgen, Samstag, gewählt werden wird, an das besondere Band, das die Gesellschaft Jesu mit dem Nachfolger Petri vereint und wie es im „vierten Gelübde“ des besonderen Gehorsams gegenüber dem Papst zum Ausdruck kommt. „Diese Treue, die das unterscheidende Merkmal des Ordens bildet, benötigt die Kirche heute noch mehr“, schreibt Benedikt XVI. mit Blick auf „eine Zeit, in der die Dringlichkeit wahrgenommen wird, in unversehrter Weise unseren Zeitgenossen, die aufgrund von vielen widersprüchlichen Stimmen verwirrt sind, die eine und unveränderte Heilsbotschaft mitzuteilen, die das Evangelium ist - nicht als Menschenwort, sondern wie es wirklich ist: als Gotteswort, das in denen wirkt, die glauben.“

Der Papst erklärt, dass die Evangelisierungstätigkeit der Kirche sehr auf die verantwortungsbewusste Ausbildung der Gesellschaft Jesu im Bereich der Theologie, der Spiritualität und der Mission zähle. Er bittet die Generalkongregation deshalb, im Geist des heiligen Ignatius die vollkommene Treue zur katholischen Lehre erneut zu bekräftigen, vor allem dort, wo sie den Angriffen der säkularen Kultur ausgesetzt sei. Dazu gehören nach Worten Benedikts XVI. die Beziehung zwischen Christus und den Religionen, einige Aspekte der Befreiungstheologie sowie verschiedene Aspekte der Sexualmoral, insbesondere jene, die sich auf die Unauflöslichkeit der Ehe und die Seelsorge für Homosexuelle beziehen.

Wahrer Erfolg beim apostolischen und missionarischen Einsatz setze eine innige Gemeinschaft mit Christus voraus, betont der Papst; eine Einheit des Lebens und des Handelns, die sich vom Hören seines Wortes, von Kontemplation und Gebet, von einem gewissen Abstand zur weltlichen Mentalität und einer steten Bekehrung zur Liebe nähre, damit Christus in jedem einzelnen lebe und wirke.

Benedikt XVI. spricht in seinem Brief den Wunsch aus, dass die Generalskongregation „das wahre Charisma des Gründers wieder klar und deutlich bejahe, um alle Jesuiten zu ermutigen, die wahre und gesunde katholische Lehre zu fördern“.

In diesem Zusammenhang fordert der Papst die Mitglieder der Kongregation auf, „unzweideutig und ohne Zögern“ die liebende Anhängerschaft an das vom heiligen Ignatius gewiesene Charisma als Quelle sicherer und neuer Fruchtbarkeit zu bekräftigen. Die „fundamentale Identität des Jesuiten, wie sie in der Formula Instituti beschrieben ist, wie sie die Geschichte und die Spiritualität des Ordens vorlegt und wie sie die authentische Interpretation der Erfordernisse der Zeiten heute zu erfordern scheint, soll nicht entstellt werden“.

P. Kolvenbach versichert in seinem Antwortschreiben seinen Willen, den Aufforderungen und Einladungen Benedikts XVI. Folge zu leisten. Die Kongregation werde ihre Aufmerksamkeit auf die vom Papst erwähnten Themen der Identität und der Sendung der Jesuiten sowie des Gehorsams im Allgemeinen und des Gehorsams gegenüber dem Papst im Besonderen lenken.

Morgen, am 19. Januar, werden die versammelten 220 Vertreter des Ordens aus aller Welt einen neuen Oberen wählen.