Papst Benedikt XVI. drängt zu Verantwortlichkeit gegenüber der Schöpfung

Dekalog für die Umwelt

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Von Pater John Flynn, LC

ROM, 27. April 2010 (Zenit.org).- In den fünf Jahren seit seiner Wahl zum Papst hat sich Benedikt XVI. wiederholt zu Fragen der Ökologie geäußert. In der Folge haben sich einige Beobachter dazu entschlossen, ihn den „Grünen Papst" zu nennen, aber diese Bezeichnung wird seinen Stellungnahmen nicht ganz gerecht.

Eine nützliche Einführung in das, was der derzeitige Pontifex bezüglich der Schöpfung und unserer Verantwortung dafür sagt, stellt das im vergangenen Jahr veröffentlichte Buch der Journalistin Woodeene Koenig-Bricker dar. Unter dem Titel "Zehn Gebote für die Umwelt: Papst Benedikt XVI. meldet sich zu Schöpfung und Gerechtigkeit "(Ave Maria Press), stellt sie die Kommentare des Papstes zusammen und streut ihre persönliche Meinung zu Umweltfragen ein.

Die Formulierung "Zehn Gebote für die Umwelt" stammt nicht von Benedikt XVI., war jedoch der Titel einer Ansprache aus dem Jahr 2005 von damaligen Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Bischof Giampaolo Crepaldi. [Erzbischof Giampaolo Crepaldi ist derzeit Bischof von Triest, Italien.]

Die wichtigste Botschaft dieser Gebote ist, dass wir verantwortliche Verwalter für Gottes Schöpfung sein müssen, und dies entspricht laut Koenig-Bricker dem, was der Papst zu späterem Zeitpunkt sagte. "Heute sehen wir alle, dass der Mensch die Grundlagen seiner Existenz und die Erde zerstören kann. Daher können wir nicht mehr einfach mit dieser unserer Erde, mit der uns anvertrauten Realität tun, was wir möchten oder was gerade nützlich und vielversprechend aussieht", sagte der Papst am 24. Juli 2007, als Antwort auf Anfragen von Priestern der norditalienischen Diözesen Belluno-Feltre und Treviso.

Diese Sorge um die Schöpfung fußt auf einer Überzeugung, die viel tiefer geht als die Sorge um die Umwelt. Benedikt XVI. machte dies deutlich, als er eine Frage während der Sommerferien des folgenden Jahres beantwortete. Bei seinem Treffen mit dem Klerus der Diözese Bozen-Brixen am 6. August 2008 erklärte er, dass es eine "unauflösliche Bindung" zwischen Schöpfung und Erlösung gebe.

"Der Erlöser ist der Schöpfer und wenn wir nicht Gott in seiner ganzen Größe verkündigen - als Schöpfer und als Erlöser - schmälern wir auch den Wert der Erlösung ", bekräftigte der Pontifex, nachdem er erwähnt hatte, dass unglücklicherweise in den letzten Jahrzehnten die Lehre von der Schöpfung aus der Theologie fast verschwunden sei.

Christen wurden wegen des Genesis-Wortes „Macht Euch die Erde untertan" beschuldigt, für die Zerstörung der Schöpfung verantwortlich zu sein, analysierte der Papst. Dieser Vorwurf sei falsch, argumentierte er, als ob wir die Erde als Schöpfung Gottes sehen: "Die Aufgabe der 'Unterwerfung' sei nie als Auftrag gemeint gewesen, sie zu versklaven, sondern als Auftrag, Hüter der Schöpfung und der Entwicklung ihrer Gaben zu sein; selbst aktiv zusammenzuarbeiten in Gottes Werk, in dem natürlichen Werden, dass er in der Welt errichtete, so dass die Gaben der Schöpfung geschätzt werden können, anstatt zertreten und vernichtet zu werden. "

Diese Verknüpfung zwischen dem Natürlichen und Übernatürlichen, zwischen dem Glauben an Gott und der Achtung vor der Schöpfung war etwas, worauf Benedikt XVI. in seinem Interview mit Journalisten auf dem Flug nach Sydney in Australien am 12. Juli 2008 wieder zu sprechen kam.

"Wir benötigen das Geschenk der Erde, das Geschenk des Wassers, wir brauchen den Schöpfer, der Schöpfer ist in seiner Schöpfung wiederzufinden. Und so kommen wir auch dazu zu verstehen, dass wir nicht wirklich glücklich sein können, nicht wirklich Gerechtigkeit weltweit fördern können, ohne ein Kriterium bei der Arbeit in unseren eigenen Vorstellungen zu haben, ohne einen Gott, der gerecht ist, und der uns Licht gibt, und uns das Leben gibt ", sagte er.

Die Rolle des Erlösers erwähnte der Papst in seiner Predigt während der Mitternachtsmesse von 2007. Christus sei ins Universum gekommen, „um die Schönheit und die Würde der Schöpfung wiederherzustellen. Das ist das, was an Weihnachten begann und was die Engel jubilieren lässt." Weihnachten sei ein Fest der wiederhergestellten Schöpfung, die Erde sei erneuert worden und wir feierten, dass Himmel und Erde, und Mensch und Gott vereint sind, kommentierte er.

Kurz nach der Veröffentlichung von Koenig-Brickers Buch kam die Enzyklika des Papstes „Caritas in Veritate" heraus. Einige Abschnitte in der Enzyklika widmeten sich der Umwelt und unter anderem warnte der Papst ,die Natur aus rein materialistischer Sicht zu betrachten. Er wies darauf hin, dass das Heil des Menschen nicht aus der Natur allein kommen könne. Wir hätten ein rechtmäßiges Verwalteramt über die Natur inne, das die Pflicht miteinbeziehe, künftigen Generationen eine Erde zu hinterlassen, die in gutem Zustand ist, bekräftigte Benedikt XVI.. Dies sei nicht nur eine Angelegenheit für die Wissenschaft oder Wirtschaft, sondern müsse in eine Humanökologie miteinbezogen werden, die alles, was unsere Existenz kennzeichne, mit einbeziehe.

"Das Buch der Natur ist eines und unteilbar: Es schließt nicht nur die Umwelt mit ein, sondern auch Leben, Sexualität, Ehe, die Familie, soziale Beziehungen: in einem Wort, ganzheitliche menschliche Entwicklung ", sagte der Papst.

Es sei ein grundsätzlicher Widerspruch in unserer Geisteshaltung, wenn wir einerseits auf der Achtung vor der natürlichen Umwelt bestehen, während wir andererseits nicht das Recht auf Leben und auf einen natürlichen Tod achten, betonte Benedikt.

Diese Verknüpfung zwischen dem Respekt für die Umwelt und der Achtung vor dem Leben ist ein wiederkehrendes Thema in die Äußerungen des Papstes über die Ökologie.

"Die großen und wichtigen moralischen Themen wie Frieden, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit und Respekt vor der Schöpfung können nicht allein für sich genommen dem Menschen Würde verleihen ", sagte er am 15. September 2007 dem damals neuen irischen Botschafter beim Heiligen Stuhl.

Das menschliche Leben habe eine angeborene Würde, erklärte er. "Wie störend ist es, dass nicht selten genau die sozialen und politischen Gruppen, die in bewundernswerter Weise am meisten auf die Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung ausgerichtet sind, dem Wunder des Lebens im Mutterleib kaum Beachtung schenken", kommentierte der Papst.

Zu Beginn desselben Jahres, in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2007, verband Benedikt XVI. zudem den Respekt für die Umwelt mit dem Frieden.

"Neben der Ökologie der Natur gibt es etwas, das man eine "menschliche" Ökologie nennen kann, was wiederum nach einer "sozialen" Ökologie verlangt", bemerkte er. „Die Erfahrung zeigt, dass Missachtung der Umwelt immer dem menschlichen Zusammenleben schadet, und umgekehrt ", fuhr er fort.

"Es wird mehr und mehr offensichtlich, dass es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen dem Frieden mit der Schöpfung und dem Friedens unter den Menschen gibt. Beide setzen den Frieden mit Gott voraus", stellte der Papst abschließend fest.

Das Verhältnis zwischen Ökologie und Friede tauchte als das zentrale Thema der Botschaft zum Weltfriedenstag 2010 wieder auf.

Die Umwelt sei ein Geschenk Gottes an alle Völker, und weder die Natur noch Menschen sollten bloß als Produkte betrachtet werden, bekräftigte der Papst. Er forderte eine größere Solidarität unter den Nationen beim Umgang mit ökologischen Problemen sowie unseren Lebensstil sowie unsere Konsumweise und Produktionsmethoden zu überprüfen.

Einmal mehr warnte er vor einem Pantheismus oder Neuheidentum, die unser Heil allein in der natürlichen Welt verwirklicht sehen. Benedikt XVI. erklärte, dass die Kirche ernste Bedenken gegen eine ökozentrische oder biozentrische Sicht auf die Umwelt habe. Die Gefahr bei diesen Ansätzen bestehe darin, dass sie keinen Unterschied zwischen den Menschen und anderen Lebewesen sehen.

Er zeigte auf: „Im Namen einer vermeintlich egalitären Sichtweise von der ‚Würde' aller lebenden Kreaturen zielen solche Vorstellungen letztlich auf die Abschaffung der Besonderheit und der überlegenen Rolle der Menschen ab."

Zum Abschluss der Botschaft analysierte Benedikt XVI., dass Christen den Kosmos und seine Wunder im Licht des schöpferischen Wirkens des Vaters und des Erlösungswerks Christi betrachteten. Sorge um die Umwelt, die Achtung vor den menschlichen Werten und dem menschlichen Leben sowie Solidarität unter allen sind daher mit unserem Glauben an Gott verbunden, dem Schöpfer und Erlöser. Eine komplexe Sicht auf das Natürliche und Übernatürliche, die weit über die Idee, einfach grün zu sein, hinausgeht.

[Übersetzung aus dem Englischen: Michaela Koller]