Papst Benedikt XVI. empfängt den brasilianischen Staatspräsidenten Lula

Historisches Abkommen besiegelt die guten bilateralen Beziehungen

| 653 klicks

ROM, 13. November 2008 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. empfing heute den brasilianischen Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva im Vatikan.



Lula kam in Begleitung seiner Frau und einigen Delegationsmitgliedern. Nach der Begegnung mit dem Papst traf der Präsident des größten katholischen Staates der Welt mit Kardinalstaatssekretär Tarsicio Bertone und Erzbischof Dominique Mamberti, Sekretär des Heiligen Stuhls für die Beziehungen mit den Staaten, zusammen. Mit ihnen führte er eine „herzliche Unterredung“, wie der Heilige Stuhl anschließend bekanntgab.

Bei beiden Gesprächen kam es zu einem Meinungsaustausch über verschiedene Fragen, „die mit der aktuellen internationalen und regionalen Konjunktur zu tun haben“. Aspekte der derzeitigen Situation in Brasilien seien analysiert worden, „in besonderer Weise die Sozialpolitik, die darauf abzielt, die Lebensbedingungen so vieler bedürftiger und ausgegrenzter Menschen zu verbessern und die fundamentale Rolle zu begünstigen, die die Familie im Kampf gegen Gewalt und sozialen Abstieg spielt“.

Die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat sei „im Kontext der Förderung der ethischen Werte und des Gemeinwohls“ hervorgehoben worden, und zwar nicht nur im Hinblick auf das Wohl Brasiliens, sondern „in besonderer Weise auch zum Wohl Afrikas“.

Lula blickte während der Begegnungen dankbar auf den Papstbesuch im Mai 2007 zurück. Benedikt XVI. war nach Brasilien gereist, um in Aparecida, dem größten Marienwallfahrtsort des Landes, die fünfte Vollversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik zu eröffnen. Sie gab den Anstoß zur großen Kontinentalmission, einer Initiative, mit der die Hirten die Gläubigen des amerikanischen Kontinents näher zu Christus führen wollen.

Die guten bilateralen Beziehungen wurden schließlich mit der Unterzeichnung eines neuen Vertrags besiegelt, der den juridischen Status der Kirche in Brasilien in Zukunft regeln wird. Er löst das bisherige, vor 118 Jahren unterzeichnete Vertragswerk ab.

Der Apostolische Nuntius in Brasilien, Erzbischof Lorenzo Baldisseri, bezeichnete das heutige Treffen gegenüber „Radio Vatikan“ als „historisch“ – es handelte sich um das erste Zusammentreffen von Lula und Benedikt XVI. – und betonte, dass der neue Vertrag notwendig sei. Er komme vor allem dem Bedürfnis der Kirche nach einer „gewissen juridischen Sicherheit“ entgegen. Nun sei es auch rechtlich sichergestellt, „dass die katholische Kirche in den Genuss des Rechts auf Meinungsfreiheit kommt“.

Durch die neuen Bestimmungen sei es Priestern und Pastoralmitarbeitern nun möglich, Zugang zu den staatlichen Gesundheitseinrichtungen, Gefängnissen und Schulen zu erhalten – genauso wie zu allen anderen Stätten, „denen die Kirche ihre geistliche Botschaft bringen kann“.

Für die öffentlich-rechtlichen Schulen sei durch den neuen Vertrag die Lehre der katholischen Religion und die der anderen religiösen Bekenntnisse vorgesehen, was bedeute, dass der ganzen Gesellschaft „unabhängig von Kultur und Bekenntnis“ religiöse Erziehung in staatlichen Schulen ermöglicht werde – „ein Novum“, mit der nicht nur für die Katholiken eine Tür geöffnet werde, sondern auch für die anderen Konfessionen.

In Brasilien wohnen im weltweiten Vergleich die meisten Katholiken. Von den rund 196 Millionen Einwohnern sind rund 73,6 Prozent katholisch und 15,4 protestantisch.