Papst Benedikt XVI. empfängt Ingrid Betancourt

P. Lombardi SJ: Sechsjährige Geiselhaft war eine Zeit großer geistlicher Erfahrung

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ROM, 1. September 2008 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat heute in Castel Gandolfo, dem Sommersitz der Päpste, die ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt empfangen. Die 46-Jährige war sechs Jahre lang von den FARC-Rebellen festgehalten worden. Unmittelbar nach ihrer Befreiung am 2. Juli hatte sie den Wunsch geäußert, dem Heiligen Vater zu begegnen.

Betancourt war zusammen mit drei Amerikanern und elf weiteren Geiseln durch ein Täuschungsmanöver der kolumbianischen Armee in der südlichen Dschungel-Provinz Guaviare gerettet worden.

Im Februar dieses Jahres hatte Papst Benedikt XVI. die Mutter der damals noch von kolumbianischen Freiheitskämpfern entführten Betancourt, Yolanda Pulecio, empfangen.

Zur heutigen privaten Unterredung erklärte P. Federico Lombardi SJ gegenüber „Radio Vatikan“: „Die Begegnung war sehr bewegend, denn Ingrid hatte sich diese Begegnung mit dem Heiligen Vater sehr gewünscht. Sie hatte dies ja gleich nach ihrer Befreiung gesagt; und dies, weil die Haft für sie eine Zeit einer großen geistlichen Erfahrung und des Gebetes war. Sie wollte ihm einfach mitteilen, welch große Bedeutung der Glaube in dieser schwierigen Zeit der Prüfung für sie hatte. Und sie wollte ihm auch danken für sein Gebet, seine Nähe und die verschiedenen Zeichen, mit denen der Papst seine Anteilnahme ausgedrückt hat an dem Schicksal aller Geiseln und natürlich auch an dem ihren.“

Morgen, Dienstag, wird Betancourt mit dem italienischen Staatspräsidenten zusammentreffen. Des Weiteren stehen Begegnungen mit dem Bürgermeister von Rom, der Nobelpreiträgerin Rita Levi Montalicini und Mitgliedern der Gemeinschaft Sant’Egidio auf ihrem Besuchsprogramm.

Die linksgerichtete kolumbianische Guerrilla soll heute noch rund 3.000 Menschen in ihrer Gewalt haben. Papst Benedikt hatte oftmals zur Freilassung der Geiseln aufgerufen, zuletzt anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kolumbianischen Bischofskonferenz (ZENIT berichtete).