Papst Benedikt XVI. eröffnet die Cappella Paolina

Paulus und Petrus: Was uns Michelangelos Fresken heute sagen

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ROM, 6. Juli 2009 (ZENIT.org).- „Die Eucharistie ist das Sakrament, in dem sich das gesamte Erlösungswerk Christi konzentriert." Mit einer feierlichen Vesper eröffnete Papst Benedikt XVI. am vergangenen Samstag die Cappella Paolina im Apostolischen Palast. Die Privatkapelle der Päpste und der Päpstlichen Familie war seit 2002 einer grundlegenden Restaurierung unterzogen worden.

Die „Cappella Paolina" liegt neben der Sixtinischen Kapelle im Apostolischen Palast und ist über die Sala Regia zu erreichen. Viele Jahre, nachdem Michelangelo Buonarroti (1475 - 1564), der eigentlich Bildhauer war, die Sixtinische Kapelle mit den nunmehr weltbekannten Fresken ausgestattet hatte, zog er 1534 definitiv von Florenz nach Rom um. Papst Paul III. (Alessandro Farnese, 1468 - 1549) beauftragte den 70jährigen Michelangelo mit der Freskenmalerei in der 1540 nach einem Projekt von Antonio da Sangallo den Jüngeren entstandenen Kapelle, die er persönlich auf den Namen des Völkerapostels Paulus einweihte. Michelangelo arbeitete an den Fresken, die als sein Spätwerk gelten, in der Zeit von 1542 bis 1550.

Benedikt XVI. bezog sich in seiner Predigt auf die ihn umgebenden Fresken, die die Bekehrung des Völkerapostels auf dem Weg nach Damaskus und die Kreuzigung des Petrus darstellen. Der Papst stellte fest, wie Michelangelo auf dem Antlitz des Paulus „das Wunder der Gnade Christi" dargestellt habe, „die den Menschen durch das Licht seiner Wahrheit und Liebe verwandelt und erneuert". Benedikt XVI. merkte an, dass Michelangelo den Paulus als einen alten Mann dargestellt habe, obwohl dieser zur Zeit des Damaskusereignisses rund 30 Jahre alt gewesen sei.  So stelle das Antlitz des Saulus „den Menschen dar, der eines höheren Lichtes bedarf. Es ist das Licht der göttlichen Gnade, die unverzichtbar ist, um ein neues Schauen anzunehmen, mit dem die Wirklichkeit wahrgenommen wird, die auf die im Himmel wartende Hoffnung ausgerichtet ist".

Das Antlitz des zu Boden gefallenen Saulus bringe die „Reife des in seinem Inneren durch Christus, den Herrn, erleuchteten Menschen zum Ausdruck". Hier erkenne man, dass Saulus von der Gnade und vom Frieden Gottes überrascht worden sei. „Sie haben ihn erobert und ihn innerlich verwandelt."

Wenn einerseits Paulus zum unermüdlichen Zeugen des Lichtes werde, so werde Petrus, der mit Christus bis hinein in den Schmerz der Kreuzigung vereint sei, zum Bild aller Leiden und allen Elends des Menschen: „Das Kreuz Christi, des Oberhaupts der Kirche, wird im Kreuz Petri, seines Stellvertreters auf Erden, erneuert."

In einem solchen Augenblick ereigne sich der Höhepunkt der Nachfolge: „Der Jünger ist nicht mehr als der Meister, und jetzt erfährt er die ganze Bitterkeit des Kreuzes, der Folgen der Sünde, die von Gott trennt, die ganze Absurdität von Gewalt und Lüge."

In der Cappella Paolina stünden Petrus und Paulus einander gegenüber, so Benedikt XVI. „Es ist, als sei das Gesicht des Petrus zum Gesicht des Paulus hingewendet, der seinerseits nicht sieht, jedoch das Licht des auferstandenen Christus in sich trägt."

„Es ist, als suche Petrus in der Stunde der höchsten Prüfung jenes Licht, das Paulus den wahren Glauben geschenkt hat." In diesem Sinne „können die beiden Bilder die zwei Akte eines einzigen Dramas sein: des Dramas der Ostergeheimnisses: Kreuz und Auferstehung, Tod und Leben, Sünde und Gnade".

Durch die räumliche Anordnung dieser Fresken werde der Heilsplan sichtbar - „jener Plan, den Christus selbst in sich verwirklicht hat, indem er ihn zur Erfüllung brachte". Dieser Plan finde im Sakrament der Eucharistie seine höchste Synthese, da „wir in der Eucharistie, die Jesus ist, die Verwandlung des Todes in Leben, der Gewalt in Liebe betrachten können... Verborgen unter dem Schleier des Brotes und des Weines erkennen wir mit den Augen des Glaubens dieselbe Herrlichkeit, die sich den Aposteln nach der Auferstehung offenbarte."

In der ganzen Cappella Paolina, so Benedikt XVI. abschließend, fließe alles „in ein und denselben Hymnus an den Sieg des Lebens und der Gnade über den Tod und die Sünde ein, in eine Symphonie des Lobpreises und der Liebe zu Christus, dem Erlöser".