Papst Benedikt XVI. eröffnet Welternährungsgipfel

Das katholische Oberhaupt will sich für das universale Recht auf Nahrung und Wasser einsetzen

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Michaela Koller

ROM, 16. November 2009 (ZENIT.org).-Papst Benedikt XVI. wird sich an diesem Montag in einer Ansprache bei der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO für das allgemeine Recht auf Nahrung einsetzen. Vatikansprecher Pater Federico Lombardi kündigte dies am Sonntag bereits in Rom an. Es müsse ein öffentliches Bewußtsein geschaffen werden, welches "Nahrung und freien Zugang zu Wasser als allgemeine Recht aller Menschen ohne Unterschied und ohne Diskriminierung betrachtet", sagte der Jesuitenpater, sich auf einen Satz aus der Enzyklika „Caritas in Veritate" beziehend. Vom 16. bis 18. November treffen sich mehr als tausend Teilnehmer aus rund 190 Staaten beim Welternährungsgipfel in Rom, um über den Kampf gegen den weltweiten Hunger zu beraten. Der Papst war von FAO-Generaldirektors Jacques Diouf eingeladen worden, die Eröffnungsrede zu halten.

In seiner jüngsten Enzyklika beleuchte der Papst, dass das Recht auf Nahrung grundlegend für die Garantie des Rechts auf Leben, dem Ersten von allen Rechten, sei. Schließlich bedeute dies konkret, zu verhungern oder zu verdursten oder bewirke zumindest eine Verkürzung der Lebenserwartung, erklärte Pater Lombardi. Der Welternährungsgipfel finde in einer Situation statt, in der diese Tragödie allzu oft vergessen werde.

Der berühmte Millenniumsgipfel im Jahr 2000 habe die Reduzierung der Hungernden von 800 Millionen auf die Hälfte beschlossen. Im Jahr 2015 sollten also nur noch 400 Millionen Menschen weltweit unterernährt sein. Anstatt dessen sei nun im Jahr 2009 ein Anstieg auf etwa 1,2 Milliarden zu verzeichnen, eine schreckliche Tragödie, die auch die Migration enorm verstärke und darüber hinaus eine ernstzunehmende Bedrohung des Friedens darstelle.

„Es ist offensichtlich, dass der grundlegende Weg, dieses Problem anzugehen und landwirtschaftliche Entwicklung in den ärmsten Ländern zu fördern, darin besteht, so weit wie es möglich ist, die örtlichen Gemeinden mit einzubeziehen. Dabei sollte die menschliche Person im Zentrum der Entwicklung stehen", zitierte Pater Lombardi weiter aus der Enzyklika. Es sei im Interesse der Weltgemeinschaft, der Völkerfamilie, die die Menschen doch sein sollten. Es sollte den Gipfelteilnehmern in Rom nicht schwer fallen, dies zu verstehen. „Es wird dann aber notwendig sein, konsequent zu handeln. Wenn dies nicht geschieht, wird die Zahl der Hungertoten noch einmal ansteigen", warnte der Vatikansprecher.

Beim ersten Gipfel im Jahr 1996 war Johannes Paul II. als erster Papst zu einer Rede vor der Welternährungsorganisation FAO angetreten. Damals hatten sich 182 Staatenvertreter auf sieben Punkte geeinigt, zu denen sie sich selbst verpflichteten. Um den Hunger in der Welt zu verringern, setzten sie neben der Bekämpfung von Schädlingen, Dürre und Wüstenbildung, vor allem auf ein faires und marktorientiertes Welthandelssystem sowie auf die gezielte Lenkung des Einsatzes von Investitionen. Damals gingen Mitautoren des Aktionsplans davon aus, dass im Jahr 2010 ohne ihr Eingreifen rund 680 Millionen Menschen an Hunger leiden würden. Trotz des weltweiten Einsatzes ist die Zahl nun auf mehr als eine Milliarde angewachsen.

Vordergründig steigt die Zahl der Hungernden mit den Nahrungsmittelpreisen. Nichtregierungsorganisationen halten aber dazu an, mehr auf den Klimawandel zu blicken. Auch das Bischöfliche Hilfswerk Misereor sieht einen Zusammenhang zwischen Erwärmung und Hunger. Es fordert von der Weltgemeinschaft eine stärkere Einbindung von Menschen aus betroffenen Ländern in die Überlegungen. „Noch immer finden diejenigen zu wenig Gehör, denen durch den Klimawandel bereits heute die Lebensgrundlage mehr und mehr entzogen wird. Auf vielen internationalen Konferenzen wird um Maßnahmen gegen den Klimawandel gerungen. Die eigentlich Betroffenen, die schon jetzt tagtäglich um ihre Ernährung kämpfen, kommen dabei aber nicht zu Wort", beklagt Ulrich Füßer, Leiter der Asien-Abteilung bei Misereor.

„60 Prozent der südasiatischen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Bis 2050 werden Ernterückgänge von 30 Prozent befürchtet. Ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um ein Grad bedeutet 10 Prozent weniger Reisernte. Weniger, aber heftigere Regenfälle sind zu erwarten. Diese Fakten, die durch unsere Partner belegt sind, lassen erahnen, wie massiv sich die Folgen des Klimawandels auf die Ernährung in diesen Ländern auswirken werden", berichtet Füßer von einem Partnerworkshop in Indien.

Unter den Teilnehmern des am Montag beginnenden Gipfels werden Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, Brasiliens Präsident Lula da Silva erwartet.