Papst Benedikt XVI. erörtert die Frage der Exkommunikation

Brief an die Bischöfe der Weltkirche

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ROM, 11. März 2009 (ZENIT.org).- Die Heftigkeit der Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der Kirche, die nach der Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe festzustellen waren, veranlassten Papst Benedikt XVI., sich mit einem Brief an die Bischöfe der Welt zu wenden.



Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit gewesen seien, stehe „die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeit gläubigen Lebens in unserer Zeit“ im Raum.

Verschiedene Gruppierungen beschuldigten den Papst ganz offen, so Benedikt XVI. in seinem Brief an die Bischöfe, „hinter das Konzil zurückgehen zu wollen: Eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen.“

Das Schreiben des Heiligen Vaters, ein neben dem Begleitbrief zum Motu proprio „Summorum Pontificum“ bisher einmaliger Akt in der Ausübung seines Hirtenamtes als Nachfolger Petri, wurde am heutigen Vormittag veröffentlicht und im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Der Vatikan legte das Schreiben des Papstes auf Italienisch, Englisch, Französisch und Deutsch vor.

Benedikt XVI. befasst sich in dem Dokument ausführlich mit den Umständen, die zu seiner Entscheidung geführt haben, die Kirchenstrafe der Exkommunikation aufzuheben. Für den Papst ist es wichtig, eindeutig zu klären, dass eine Exkommunikation Personen und nicht Institutionen trifft. Mit Bischofsweihen ohne päpstlichen Auftrag sei die Gefahr eines Schismas gegeben, „weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt“.

Die Strafe der Exkommunikation ziele darauf ab, die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen – ein Ziel, das 20 Jahre nach den Weihen noch immer nicht erreicht worden sei. Für Benedikt XVI. ist es wesentlich festzuhalten, dass die Rücknahme der Exkommunikation dem gleichen Ziel diene wie die Strafe selbst: „noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen“. Dies sei möglich gewesen, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt zum Ausdruck gebracht hätten, „wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft“.

In diesem Zusammenhang betont Benedikt XVI. erneut die notwendige Unterscheidung zwischen „Person“ und „Institution“: „Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit.“

Diese disziplinäre Ebene ist für den Heiligen Vater streng von der doktrinellen Ebene zu unterscheiden: „Dass die Bruderschaft Pius X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus.“

Die Amtsträger der Bruderschaft St. Pius X. hätten somit keinen kanonischen Status in der Kirche und übten keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus, „auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind“.