Papst Benedikt XVI.: Estland, ein Vorbild für ganz Europa

Empfang des Botschafters Juri Seilenthal im Vatikan

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ROM, 6. Juni 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. ist überzeugt davon, dass Estland für die Zukunft Europas viel beizusteuern hat.



„Die große Revolution, die im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts Osteuropa überzog, bezeugte tatsächlich den angeborenen und ununterdrückbaren Drang nach Freiheit, der in den einzelnen Personen und Völkern gegenwärtig war, sowie die untrennbare Zusammengehörigkeit von authentischer Freiheit und der Suche nach Wahrheit, dem Respekt vor der transzendenten Würde jedes Menschen und der Verpflichtung zu gegenseitigem Respekt und zur Solidarität“, erklärte der Heilige Vater, als er am Freitag Juri Seilenthal im Vatikan empfing, den neuen offiziellen Vertreter Estlands beim Heiligen Stuhl.

„All diese Werte sind ein kostbares Vermächtnis der 1000-jährigen Geschichte Estlands, und sie müssen ständig neu erworben werden und in jedem Bereich des politischen und sozialen Lebens konkret Gestalt annehmen.“ Europa, so der Papst, bedürfe des Zeugnisses von Estland, da der Alte Kontinent heute vor der Herausforderung stehe, „eine Gesellschaft Form zu geben, die einerseits bereits echt frei sei, gleichzeitig aber jenen Traditionen treu bleiben müsse, die sie definiere.

„Europa benötigt dieses Zeugnis Estlands, das sicherlich auch dem Kontinent als Ganzes hilft, seine grundlegenden Werte ,mit kreativer Treue‘ zu erkennen und danach zu verlangen, dass diese Werte, die wesentlich von der christlichen Verkündigung geprägt worden sind, ein unersetzbares Element ihrer eigenen Identität darstellen.“ Estland gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union.

Papst Benedikt XVI. erwähnte in seiner Ansprache die Rolle der Kirche in Estland und bestätigte, dass „die Wahrheit des Evangeliums Licht auf die Wirklichkeit der menschlichen Situationen wirft und die Klugheit schenkt, die die einzelnen Menschen und Gemeinschaften benötigen, um die Forderungen des moralischen Gesetzes zu erkennen und zu erfüllen“. Dies bilde eine „notwendige und dauerhafte Grundlage der rechten und harmonischen gesellschaftlichen Beziehungen“.

Die Kirche sei in besonderer Weise „der Förderung der Heiligkeit der Ehe, der grundlegenden Rolle und der Aufgabe der Familie, der Ausbildung der Kinder und dem Respekt vor dem Leben als Geschenk Gottes verpflichtet“, bekräftigte der Papst. „Da die Gesundheit jeder möglichen Gesellschaft gerade von der Gesundheit seiner Familien abhängt, hoffe ich, dass dieses Zeugnis zur Stärkung des Familienlebens und der Gemeinschaft beitragen kann und zusammen mit einer klugen und weitsichtigen Politik helfen möge, die lange Geschichte Estlands dank starker und vereinter Familien neu zu beleben.“

Von den 1,3 Millionen Einwohnern der nordeuropäischen Republik, die Tallinn zur Hauptstadt hat, sind 13,6 Prozent evangelische und 12,8 Prozent orthodoxe Christen. Die Katholiken stellen mit rund 15.000 Gläubigen rund 1,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.