Papst Benedikt XVI. fordert in Angola konkreten Respekt und Würdigung der Frau

Er fordert Ende aller Benachteiligung, unter der viele Frauen gelitten haben und immer noch leiden

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LUANDA 23. März 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat in unnachahmlich klarer Weise den unersetzlichen Wert der Frau in der Menschheitsgeschichte betont. Dabei verwies er in der angolanischen Hauptstadt Luanda auf den Typus Frau, der wie Maria, Gespür für die Wirkmöglichkeiten der göttlichen Allmacht in der Kulturgeschichte der Menschheit habe.

Der Verweis auf die aktive Mittlerfunktion Mariens auf der Hochzeit zu Kana, und ihre Provokation eines Zeichens als Beweis für den Anbruch der Fülle der Zeiten, bildete den Rahmen für die herausfordernden Appelle des Papstes.

Er war es der hier am Sonntag vor den Mitgliedern der katholischen Frauenbewegungen in Angola, mit seinen Worten, Zeichen für eine tiefe und praktische Anerkennung der Frau in allen Lebensbereichen in einer oft noch patriarchalisch orientierten afrikanischen Gesellschaft forderte.

Die Begegnung in Luanda war für Papst Benedikt XVI. gleichsam ein heilsgeschichtlicher Moment. So musste er unweigerlich diese Kirche im Herzen der angolanischen Hauptstadt, mit einem “neuen Zelt für die Bundeslade, Zeichen der Gegenwart Gottes inmitten des Volkes auf dem Weg” vergleichen.

“Mein besonders herzlicher und hoffnungsvollen Gruß gilt den Frauen, denen Gott die Quelle des Lebens anvertraut hat: ihr lebt und setzt auf das Leben, denn der lebendige Gott rechnet mit euch. Voller Dankbarkeit grüße ich die Verantwortlichen und Mitarbeitern der Kirchlichen Bewegungen, die sich neben anderen Anliegen um die Förderung der angolanischen Frau kümmern“, erklärte der Papst.

Bewegt zeigte sich Papst Benedikt XVI. von den Herausforderungen und Hoffnungen „so vieler Heldinnen, die im Hintergrund lebten, wie es in Angola der Fall sei.

„Ich ermahne alle, sich wirklich der effektiven Benachteiligung bewusst zu werden, unter der viele Frauen gelitten haben und immer noch leiden. Dabei muss auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Haltung der Männer, ihr Mangel an Einfühlungsvermögen und Verantwortung Gründe dafür sein können. Gottes Vorgaben aber sind andere.

<>Papst Benedikt XVI. erinnerte in diesem Zusammenhang an die Schöpfungsgeschichte: „Der göttliche Schöpfer sah, als er sein Werk betrachtete, dass etwas fehlte: alles wäre gut gewesen, wäre der Mann nicht alleine gewesen!...Man muss die Gleichberechtigung von Mann und Frau anerkennen, bekräftigen und schützen: es sind beides Personen, im Unterschied zu allen anderen Lebewesen in der Welt, die sie umgibt. Beide sind berufen in tiefer Gemeinschaft zu leben, in einer gegenseitigen Anerkennung und als gegenseitiges Geschenk ihrer selbst, in dem sie sich gemeinsam für das Gemeinwohl einsetzen mit den sich ergänzenden Eigenschaften dessen, was männlich und dessen was weiblich ist.

<>Wie bereits Johannes Paul II. betont habe, sei die Frau im göttlichen Plan diejenige, „in der die Liebe, die auf der Welt hervorgebracht wird, Wurzeln schlägt“ (Mulieris dignitatem, 29). Diese Fähigkeit werde zu unserer Zeit besonders gebraucht, so der Papst. „Die Frau ist das Alter-Ego im Miteinander der Menschheit. Es gilt die gleiche Würde von Mann und Frau zu bekennen und zu verteidigen: beide sind Personen, sind verschieden von allen anderen Lebewesen in der sie umgebenden Welt“.

„Wer verspürt heutzutage nicht die Notwendigkeit, den 'Herzensangelegenheiten' mehr Raum zuzugestehen? In einer Welt, die wie die heutige von der Technik dominiert wird, spürt man die Notwendigkeit der komplementären Rolle der Frau mehr denn je, damit der Mensch leben kann, ohne sich vollkommen zu entwürdigen. Man denke nur an die Länder, wo die Armut überwiegt, in den vom Krieg zerstörten Regionen und in vielen tragischen Situationen, die Menschen zu Flucht und Migration zwingen. Es sind fast immer die Frauen, welche die Menschenwürde intakt halten. Sie verteidigen die Familie und bewahren die religiösen und kulturellen Werte.“

Mutig verwies der Papst auf die wichtigen Errungenschaften von Frauen. Er erinnerte daran, dass „die Geschichte fast ausschließlich die Errungenschaften der Männer erwähnt, während in Wirklichkeit ein sehr wichtiger Teil dem entschlossenen, nachhaltigen und wohltuenden Handeln von Frauen zu verdanken ist“. Unter den „vielen außergewöhnlichen Frauen“ nannte er zwei: Teresa Gomes und Maria Bonino. Die erstere stammte aus Angola und starb 2004 in der Stadt Sumbe, nach einer glücklichen Ehe, aus der 7 Kinder hervorgingen.

<>„Unerschütterlich war ihr christlicher Glaube und bewundernswert ihr apostolischer Eifer, vor allem in den Jahren 1975 und 1976, als eine gewaltsame ideologische un politische Propaganda über ihre Pfarrei in Porto Amboim hereinbrach, der es fast gelang, die Pforten der Kirche schließen zu lassen. Damals wurde Teresa zur Anführerin der Gläubigen, die nicht aufgeben wollten… Ihre Liebe zur Kirche machte sie unermüdlich bei der Evangelisierungsarbeit unter Leitung der Priester.“

<>Mit Maria Bonino, einer italienischen Kinderärztin, die als freiwillige Helferin in verschiedenen Missionen in Afrika tätig war, und während der letzten beiden Jahre ihres Lebens die kinderärztliche Abteilung des Provinzkrankenhauses in Uije leitete,ziterte er er einen für die Regierung in Angola prekären Fall<>.

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Die italienische Kinderärztin Maria Bonino, die am 24. März 2005 zusammen mit einem weiteren Arzt und 14 Krankenpflegern am sogenannten Marburg-Virus verstarb, hatte schon 2004 den ersten Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber bei einem Kind auf ihrer Station. Erste Blutproben wurden in ein Labor nach Luanda geschickt. Sie fielen negativ aus. Im Herbst gab es weitere strittige Todesfälle und weitere Proben, die an das Labor geschickt wurden – aber es kam keine Antwort. Die Zahl der erkrankten Kinder, die schnell starben, nahm zu und Dr. Bonino war zunehmend beunruhigt. Die nationalen Behörden beantworteten die Anfragen nach mehr Tests nicht, deswegen entschloss sich Dr. Alexandre im Februar zu dem Schritt, sich direkt an die Öffentlichkeit zu wenden.

Im März traf dann endlich ein Team des angolanischen Gesundheitsministeriums in Uige ein, eine Gruppe von der Weltgesundheitsorganisation folgte kurz darauf. Jetzt erwiesen sich die Blutproben als positiv, die ersten neun Fälle von Marburg-Fieber wurden dokumentiert, der Apparat zur Hilfe kam ins Rollen.

„Indem sie sich der alltäglichen Behandlung von tausenden sich dort befindlichen Kinder kümmerte, musste Maria ihren dortigen Dienst mit dem höchsten Opfer bezahlen und wurde bei einer verheerenden Marburg-Fieber-Epidemie selbst infiziert; sie wurde nach Luanda gebracht, wo sie verstarb und sein dem 24. März 2005 die ewige Ruhe gefunden hat,“ erklärte der Papst.

„Kirche und Gesellschaft wurden und werden von der Präsenz und den Tugenden der Frauen enomr bereichert“, so der Papst weiter, „insbesondere durch solche, die sich dem Herrn geweiht haben und sich indem sie sich auf ihn stützen, in den Dienst an den Mitmenschen stellen.

Liebe Angolaner, heute darf niemand mehr daran zweifeln, dass die Frauen auf Basis der gleichen Würde mit den Männern, „das volle Recht besitzen, aktiv an allen Bereichen des öffentlichen Lebens teilzunehmen, und dass ihre Rechte auch gesetzlich verankert sowie, wo es nötig ist, geschützt werden. Dennoch darf diese Anerkennung der Rolle der Frau in der Öffentlichkeit, ihre unersetzliche Funktion innerhalb der Familie nicht schmälern. Hier ist ihr Beitrag für das Gute und den gesellschaftlichen Fortschritt von unschätzbarem Wert, auch wenn dieser oft kaum beachtet wird“. (Worte von Johannes Paul II. anlässlich des Weltfriedenstages 1995)

Dass damit nicht gemeint ist, dass Familienarbeit reine Frauensache sei, machte Benedikt in seinem abschließenden Appell an die Männer klar: „Die mütterliche Präsenz innerhalb der Familie ist wichtig für die Stabilität und für das Wachstum, dieser Kernzelle unserer Gesellschaft. Sie sollte daher mit Anerkennung bedacht, gelobt und gefördert werden. Aus demselben Grund muss die Gesellschaft auch die Väter und Ehemänner dazu aufrufen, Verantwortung innerhalb der Familie zu übernehmen.“

An die Familien gewandt erinnerte Papst Benedikt XVI. daran, dass „kein Paar allein, nur mit den eigenen Kräften den Kindern auf angemessene Weise die Liebe und den Sinn des Lebens vermitteln kann… Aus diesem Grund geschieht der Aufbau jeder christlichen Familie innerhalb jener größeren Familie, die die Kirche ist, die sie unterstützt und an die Brust schließt und damit garantiert, dass sich über sie, heute und in der Zukunft das „Ja“ des Schöpfers ausbreitet.“


Mit Bezug auf das Verhalten der Jungfrau Marie bei der Hochzeit von Kana beendete der Heilige Vater seine Ansprache indem er alle Frauen Angolas aufforderte, sie als Anwältin beim Herrn zu betrachten:

„Sie haben keinen Wein mehr“, erklärte Maria gegenüber Jesus. Liebe angolanische Frauen, haltet euch an sie als eure Anwältin vor dem Herrn. So kennen wir sie seit jener Hochzeit zu Kana: als gütige Frau, voller mütterlicher Aufmerksamkeit und Mut; eine Frau, die sich um die Nöte andere kümmert und Abhilfe schaffen möchte; alle ihre Anliegen bringt sie vor den Herrn. Bei ihr können wir alle, Männer und Frauen, jene Gelassenheit und innere Zuversicht finden, die uns in Gott selig und unermüdlich im Kampf für das Leben sein lässt. Möge die Jungfrau von Muxima euer Lebensstern sein; möge sie euch zur großen Gottesfamilie vereinen. Amen“

[Übertragen von Angela Reddemann. Portugiesisches Original© Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]