Papst Benedikt XVI.: Getaufte sind „Missionare Christi“

„Wir alle sind wie die Jünger im heutigen Evangelium in die Welt ausgesandt“

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ROM, 9. Juli 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Sonntag zum Angelus gehalten hat.



Der Papst erinnerte die Gläubigen daran, dass die Verbreitung des Evangeliums ein Auftrag ist, der alle angeht. Die Getauften sollten sich bewusst sein, dass sie „Missionare Christi“ sind, führte der Heilige Vater aus. Jeder sei dazu berufen, Jesus mit Wort und Tat den Weg zu bereiten.

Benedikt XVI. verabschiedete sich von den Audienzteilnehmern, da heute, Montag, seine dreiwöchigen Sommerferien in Lorenzago di Cadore in den norditalienischen Dolomiten begonnen haben. Während dieser Zeit wird es keine Audienzen des Papstes geben.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute zeigt uns das Evangelium (vgl. Lk 10,1-12.17-20) Jesus, der 72 Jünger in die Ortschaften aussendet, in die er selbst gehen wollte, damit sie das Umfeld vorbereiten. Das ist eine Besonderheit des Evangelisten Lukas: Er betont, dass die Mission nicht den zwölf Aposteln vorbehalten ist, sondern sich auch auf andere Jünger erstreckt. Denn – so Jesus – „die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ (Lk 10,2). Auf dem Acker Gottes ist Arbeit für alle. Christus aber beschränkt sich nicht darauf, jemanden auszusenden; er gibt den Missionaren auch klare und genaue Verhaltensregeln mit auf den Weg. Vor allem sendet er sie „zu zweit“ aus – damit sie einander helfen und Zeugnis von der brüderlichen Liebe ablegen. Er warnt sie, dass sie „wie Schafe mitten unter den Wölfen“ sein werden: Sie werden also trotz allem friedvoll sein und in jede Situation eine Botschaft des Friedens hineintragen müssen. Sie werden weder Kleidung noch Geld mit sich nehmen, um von dem zu leben, was ihnen die Vorsehung bereiten wird. Sie werden sich um die Kranken sorgen als Zeichen der Barmherzigkeit Gottes. Wo man sie zurückweist, werden sie weggehen und sich dabei darauf beschränken, vor der Verantwortung zu warnen, die die Ablehnung des Reiches Gottes mit sich bringt.

Der heilige Lukas hebt die Begeisterung der Jünger angesichts der guten Früchte ihrer Mission hervor und hält dieses schöne Wort Jesu fest: „Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“ (Lk 10,20). Dieses Evangelium wecke in allen Getauften das Bewusstsein, Missionare Christi zu sein, die dazu berufen sind, ihm mit den Worten und dem Zeugnis ihres Lebens den Weg zu bereiten.

Morgen werde ich nach Lorenzago di Cadore reisen, wo ich in dem Haus Gast des Bischofs von Treviso sein werde, das bereits den verehrten Johannes Paul II. aufnahm. Die Bergluft wird mir gut tun, und ich werde mich freier dem Nachdenken und dem Gebet widmen können. Ich wünsche allen – insbesondere denen, die das besondere Bedürfnis danach verspüren –, etwas Urlaub machen zu können, um die körperlichen und geistigen Kräfte zu erneuern und einen heilsamen Kontakt zur Natur wiederzufinden. Besonders die Berge rufen das Aufsteigen des Geistes wach, die Erhebung hin zum „hohen Maß“ unseres Menschseins, zu dessen Herabsetzung das Leben des Alltags leider neigt. In dieser Hinsicht will ich an die 5. Wallfahrt der Jugendlichen zum Kreuz von Adamello erinnern, wohin sich der Heilige Vater Johannes Paul II. zwei Mal begab. Die Wallfahrt hat in diesen Tagen stattgefunden, und endete vor kurzem mit der Heiligen Messe, die in 3.000 Meter Höhe gefeiert wurde. Ich grüße den Erzbischof von Trient und den Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) sowie die Obrigkeiten Trients und erneuere dabei die Verabredung mit allen italienischen Jugendlichen für die Tage vom 1. und 2. September in Loreto.

Die Jungfrau Maria beschütze uns immer, sowohl bei der Mission als auch bei der verdienten Ruhe, damit wir unsere Aufgabe im Weinberg des Herrn freudvoll und fruchtbringend verrichten können.

[Nach dem Gebet des „Engel des Herrn“ begrüßte der Heilige Vater die Gläubigen. Auf Deutsch sagte er:]

Ein herzliches „Grüß Gott“ sage ich allen deutschsprachigen Pilgern und Besuchern. Einen besonderen Gruß richte ich heute an die Töchter der Göttlichen Liebe, die zum 25. Generalkapitel ihrer Kongregation nach Rom gekommen sind. Liebe Schwestern, seid offen für die Stimme des Heiligen Geistes, dann werdet ihr das sein, was Gott von euch erwartet: Zeuginnen, Töchter der Göttlichen Liebe.

Wir alle sind wie die Jünger im heutigen Evangelium in die Welt ausgesandt, um mitzuhelfen, dass Gottes Liebe und Heil zu den Menschen gelangt. Ich wünsche euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Ferienzeit!

[Auf Polnisch erklärte der Bischof von Rom:]

Ich grüße herzlich alle Polen und insbesondere die hier auf dem Petersplatz anwesenden Pilger. Die Ferienzeit ist ein Geschenk Gottes. Dank der Tage der Ruhe gewinnen wir die Kräfte für den weiteren Weg unseres Lebens wieder. Denen, die die Arbeit nicht unterbrechen können – ich denke vor allem an die mit der Ernte beschäftigten Landwirte – wünsche ich, dass sie in den Genuss der Fürchte ihrer Mühen kommen können. Auch sie mögen bei dieser Arbeit einige Zeit des Ausruhens und der Freude haben. Ich segne euch von Herzen!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen und polnischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]